1. Startseite
  2. Politik

Die wohl stärkste Triell-Szene hatte es in sich: Laschet und Scholz gehen aufeinander los

Erstellt:

Von: Anna-Katharina Ahnefeld

Kommentare

Während des zweiten TV-Triells vor der Bundestagswahl ging es hoch her. Besonders Laschet und Scholz gerieten heftig aneinander.

Berlin – Leuchtend rote Ohren waren am Sonntag (12.09) beim TV-Triell zu beobachten. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gerieten besonders bei einem Streitthema aneinander. Die Attacken des CDU-Politikers konterte Scholz – und kam dabei zusehends aus der Reserve.

Direkt zu Beginn des Dreikampfs um das Bundeskanzleramt wurde die Rollenverteilung des Abends klar. Laschet, der in Umfragen an Boden verliert, arbeitete sich vor allem an seinem Konkurrenten Scholz ab. Während sich die zwei Politiker in den Haaren lagen – und Scholz in für ihn ungewöhnlicher Manier reagierte – hielt sich Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock weitgehend aus dem Intermezzo heraus und setzte eigene Punkte.

TV-Triell: Scholz attackiert Laschet vor Bundestagswahl mit Unwahrheiten-Vorwurf 

In Blitz-Umfragen kurz nach der Sendung ging erneut Olaf Scholz als Sieger hervor. Doch anders als im ersten TV-Triell geriet der Sozialdemokrat gegenüber Laschet in Rage. Und das bei einem delikaten Thema. Denn mitten im Umfrage-Hoch von Scholz hatte die Staatsanwaltschaft Osnabrück vergangene Woche Büros im SPD-geführten Bundesfinanz- und Bundesjustizministerium durchsucht. Die Ermittlungen gegen die Zoll-Spezialeinheit FIU setzten Scholz unter Druck. Ein komplexes Thema, das Laschet nutzte, um Boden zu gewinnen und ihm „Schönrednerei“ vorzuwerfen. Und auch, um die ebenfalls wunden Punkte des Sozialdemokraten einzubauen: Wirecard und Cum-Ex.

Scholz trage als Finanzminister die Verantwortung für Verfehlungen der Geldwäsche-Aufsicht, so der Vorwurf Laschets. Außerdem sei es „unangemessen, dass Sie abfällig über die Justiz geredet haben“ – Scholz hatte nach der Razzia geäußert, dass die Ermittelnden die Fragen auch schriftlich hätten stellen können. „Das machen Populisten in anderen Ländern“, schimpfte der Unions-Politiker weiter. Und holte zum großen Schlag aus: „Wenn mein Finanzminister arbeiten würde wie Sie, hätten wir ein ernstes Problem.“

SPD-Kanzlerkandidat Scholz kontert Laschet-Vorwurf zu Geldwäsche-Razzia

Der Vize-Kanzler wehrte sich heftig und zusehends genervt. So sehr, dass er rote Ohren bekam. Er warf Laschet bewusste Falschdarstellung vor, seine Fakten stimmten nicht. „Man sieht, wie hier Dinge verdreht werden, und zwar indem man ganz bewusst verdreht“, richtete sich Scholz gegen Laschet. Und präzisierte: Es habe keine Untersuchung beim Bundesfinanzministerium selbst gegeben. „Diesen falschen Eindruck haben Sie mit Absicht erweckt“, so Scholz merkbar erzürnt in Richtung Armin Laschet. „Und das machen Sie aus nicht guten Gründen.“ Brisant dabei: Laschet verwechselte während des Schlagabtauschs* Fachaufsicht mit rechtlicher Aufsicht.

Laschet grätschte dazwischen und fragte: „Stimmt es, dass Ihr Haus durchsucht wurde oder nicht?“. Nun wich der SPD-Kanzlerkandidat von seiner sonst so staatsmännischen Art ab, wandte sich entschieden Laschet zu und sagte: „An Ihrer Frage merkt man, wie sehr Sie unehrlich sind.“ Der Sozialdemokrat präzisierte den Vorfall. So habe sich die Razzia nicht gegen das Bundesfinanzministerium gerichtet, sondern gegen das Financial Intelligence Unit, einer untergeordneten Kölner Behörde, die für Geldwäsche zuständig ist. Der Faktencheck von funk, dem Content-Netzwerk von ARD und ZDF, ordnet diese Aussage als „zweifelhaft“ ein: „Bei der Razzia wollte die Staatsanwaltschaft laut eigenen Aussagen aber auch feststellen, ‚ob und gegebenenfalls inwieweit die Leitung sowie Verantwortliche der Ministerien sowie vorgesetzte Dienststellen in Entscheidungen der FIU eingebunden waren‘.“

Für Laschet war die Argumentation von Scholz nicht ausreichend: „Ich habe deutlich gemacht, dass Sie eine Aufsichtspflicht haben. Das Ergebnis Ihres Tuns ist, dass die Aufsicht versagt hat.“ Olaf Scholz wirkte genervt: „Herr Laschet, Sie haben jetzt dreimal Ihre falschen Aussagen wiederholt.“ Eine hitzige Diskussion in der heißen Phase vor der Bundestagswahl am 26. September. (aka mit Material aus dpa)

Auch interessant

Kommentare