Scholz-Zug rast auf Laschets „Schlafwagen“ zu

Umfrage-Beben vor der Bundestagswahl: Baerbocks Grüne nur noch Nummer 3

  • Andreas Schmid
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Wird Olaf Scholz der nächste Bundeskanzler? Laut aktuellem ARD-„Deutschlandtrend“ liegt die SPD in der Frage nach der Regierungsführung gleichauf mit der Union. Die Grünen verlieren.

Berlin - Die Aufholjagd der SPD scheint weiterzugehen. Die Sozialdemokraten liegen in einer aktuellen Umfrage zur Bundestagswahl gleichauf mit der Union – allerdings nur, wenn um die „Regierungspräferenz“ geht, also um die etwas ungewöhnliche Frage, ob Union, SPD oder Grüne als führende Partei der nächsten Bundesregierung gewünscht sind. Bei der reinen „Sonntagsfrage“ des ARD-„Deutschlandtrends“ (19. August) liegt die CDU/CSU weiterhin in Führung, wenngleich der Vorsprung schmilzt.

Bundestagswahl: Union weiter in Führung - wenn auch immer knapper

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union laut der Erhebung von infratest-dimap auf 23 Prozent, ein sattes Minus von vier Prozentpunkten im Vergleich zu Anfang August. Die SPD würde mit 21 Prozent ihr bestes Ergebnis seit Januar 2018 einfahren (plus drei). Das schlechteste Abschneiden bei einer Bundestagswahl könnte damit vermieden werden. 2017 gab es 20,5 Prozent. Es scheint also, als rolle der „Scholz-Zug“ weiter - während die Union mit dem von CSU-Chef Markus Söder vielfach gerügten Schlafwagen-Wahlkampf zu kämpfen scheint.

Die Grünen verlieren zwei Prozent und kommen noch auf 17 Prozent. Damit scheint die Partei den Anschluss an die Union etwas zu verlieren, nachdem sie zuvor in den Umfragen auf Tuchfühlung gegangen war. FDP, AfD und Linke gewinnen jeweils einen Prozentpunkt und kommen aktuell auf 13, 11 und 7 Prozent.

Bundestagswahl: SPD und Union gleichauf - Regierung unter Kanzler Scholz?

Zum Thema „Regierungspräferenz“: 30 Prozent der Befragten gaben an, sich eine Bundesregierung unter Führung der Sozialdemokraten zu wünschen. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als Anfang August. Ebenfalls 30 Prozent befürworten unterdessen eine konservative Regierung unter Führung von CDU/CSU (minus fünf im Vergleich zu Anfang August). Nur noch 15 Prozent ziehen ein von den Grünen geführtes Kabinett vor (minus eins). 25 Prozent äußern nach wie vor keine Präferenz.

Hinweise zur Umfrage

Der „Deutschlandtrend“ ist eine zufallsbasierte Befragung von Infratest dimap im Auftrag des ARD-„Morgenmagazins“. Befragt wurden vom 17. bis 18. August 1219 Wahlberechtigte in Deutschland. Fehlende Werte zu 100 Prozent bedeuten: Weiß nicht / keine Angabe. Die Fehlertoleranz liegt bei zwei bis drei Prozentpunkten. - Die Fragen im Wortlaut: - 1. „Wenn es nach Ihnen ginge: Welche Partei sollte die nächste Bundesregierung führen?“ - 2. „Wenn man den Bundeskanzler oder die Bundeskanzlerin direkt wählen könnte, für wen würden Sie sich entscheiden?“ - 3. „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre?“

Gemäß der aktuellen Umfragen könnte die SPD in einem Dreierbündnis ohne Union den Kanzler stellen. Die Partei scheint dahingehend bereit. Problematisch würde sich aber wohl die Farbgebung gestalten. Für eine rot-rot-grüne-Koalition würde es laut „Deutschlandtrend“ aufgrund der schlechten Werte der Linken wohl nicht reichen, eine Ampel scheint aufgrund der ablehnenden Äußerungen der FDP zumindest schwierig.

Die Union blickt immer noch auf die größten Möglichkeiten der Regierungsbildung. Ein Zweierbündnis wie die aktuelle Große Koalition oder auch ein Comeback von „Schwarz-Gelb“ mit der FDP scheint derzeit nicht möglich. Doch bei den anderen denkbaren Koalitions-Optionen, also „Jamaika“ (Union, Grüne, FDP) „Deutschland“ (Union, SPD, FDP) und „Kenia“ (Union, SPD, Grüne) würde die CDU/CSU den Kanzler stellen.

Bundestagswahl: Scholz am beliebtesten - Baerbock hinter Laschet

Könnte man den Bundeskanzler direkt wählen, würden sich mittlerweile 41 Prozent der Deutschen für Olaf Scholz entscheiden – das sind sechs Prozentpunkte mehr als Anfang August. Der gebürtige Osnabrücker kann damit seine guten Zustimmungswerte der letzten Wochen bestätigen.

Für Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet sieht es hingegen weitaus frustrierender aus. Mit einer Zustimmung von 16 Prozent (minus vier) landet er deutlich hinter Scholz, aber immerhin noch vor Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Nur zwölf Prozent (minus vier) hätten sie gern im Kanzleramt. 31 Prozent der Befragten (plus zwei) wollen sich auf keinen der drei Kandidaten festlegen. (as)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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