Scholz‘ Vorsprung schmilzt

Umfrage-Wende? Laschet legt plötzlich zu - Wähler liefern zugleich bittere Söder-Erkenntnis

  • Florian Naumann
    VonFlorian Naumann
    schließen

Die Bundestagswahl naht - und die Union will die „Trendwende“. Eine neue Umfrage liefert CDU und CSU positive Signal. Doch es ist Hoffnung auf niedrigem Niveau.

Berlin - Keine zwei Wochen mehr bis zur Bundestagswahl - die Nervosität bei den Parteien steigt. Die große Schlüsselfrage scheint nach CSU-Parteitag und zweitem Kanzler-Triell: Kann die Union tatsächlich noch einmal die Trendwende schaffen? Und letztlich womöglich sogar noch einmal die SPD um Kanzlerkandidat Olaf Scholz abfangen?

„Es ist alles möglich, ich erkenne auch Anzeichen für eine Trendwende“, sagte CSU-Generalsekretär Markus Blume am Dienstagmorgen (14. September). Und tatsächlich liefern nun auch die Demoskopen erste Indizien: In einem am selben Tag veröffentlichten neuen „Trendbarometer“ der Sender n-tv und RTL steigt die Union um beachtliche zwei Prozentpunkte. Tags zuvor hatte eine Insa-Erhebung für die Schwesterparteien noch stagnierende Werte gezeigt.

Umfrage: Union und Laschet steigen wieder in der Wähler-Gunst - bleiben aber deutlich hinter SPD und Scholz

Allerdings gibt es für CDU und CSU dabei auch Wermutstropfen. Zum einen: Die Steigerung erfolgt auf Basis eines nahezu desaströsen Vorwochenergebnisses von 19 Prozent. Zum anderen: Die SPD liegt weiterhin klar in Front. In der Umfrage des Instituts Forsa bleiben die Sozialdemokraten stabil bei 25 Prozent; vier Prozentpunkte vor der Union. Weitere Hoffnung könnte den Konservativen dafür ein anderer Aspekt machen. Die Erhebung wurde von 7. bis 13. September durchgeführt - also nur teilweise nach den erhofften „Wendepunkten“ Parteitag und Triell.

Positive Signale liefert Forsa auch für Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU). Er legt in der Kanzlerfrage zwei Prozentpunkte zu. Allerdings ist auch er noch weit vom Kontrahenten Scholz entfernt - und hängt weiterhin sogar hinter Annalena Baerbock. Die Demoskopen maßen 30 Prozent Zustimmung für Scholz, 15 Prozent für die Grüne und 11 Prozent für Laschet.

Linksrutsch oder Ampel - was nach dem Wahltag kommt, erfahren Sie in unserem Politik-Newsletter.

In der Sonntagsfrage bewegt sich abgesehen vom kleinen Aufwärtssprung der Union wenig. Neben der SPD bleiben auch die Grünen stabil - sie bei 17 Prozent. Die FDP könnte der direkte Verlierer des CDU/CSU-Comebacks sein, sie büßt zwei Prozentpunkte ein. AfD und Linke verharren bei 11 beziehungsweise 6 Prozent. Koalitionsmehrheiten gäbe es laut Umfrage aktuell für „Deutschland“ (SPD, Union, FDP), Ampel, Jamaika, Rot-Grün-Rot - und für eine erneute GroKo.

Umfrage zur Bundestagswahl liefert Ohrfeige: Union führt bei Problemlösungs-Kompetenz - auf erschreckendem Niveau

Die Umfrage im Auftrag von RTL und ntv beinhaltet allerdings für Laschet auch bittere Erkenntnisse: CSU-Chef Markus Söder würden aktuell 38 Prozent der Befragten als Kanzler bevorzugen. Würde Söder antreten, käme Olaf Scholz nur noch auf 22 Prozent in der (hypothetischen) K-Frage. Möglicherweise ein weiteres Indiz, dass die Kanzlerkandidaten-Entscheidung die Union teuer zu stehen kommen könnte.

Zugleich erteilten die Befragten der Forsa-Erhebung eine recht deutliche Ohrfeige für das gesamte politische Berlin. Das Institut fragte auch, welcher Partei die Wähler am ehesten zutrauen, die Probleme in Deutschland zu bewältigen. „Gewonnen“ hat in dieser Kategorie die Union mit schmalen 14 Prozent - zwei Prozentpunkte weniger als in der Vorwoche. Auf den Fersen sind ihr SPD (13 Prozent) und Grüne (9 Prozent). 53 Prozent der Umfrage-Teilnehmer erklärten, sie trauten keiner Partei zu, die Probleme Deutschlands zu lösen.

Mindestens indirekt Gegenstand einer Auseinandersetzung sind übrigens auch die Forsa-Umfragen selbst. Das Institut befindet sich derzeit in einem Rechtsstreit mit dem Bundeswahlleiters. Olaf Scholz steht unterdessen die nächste Bewährungsprobe im TV bevor. (fn)

Die Daten zu Parteipräferenzen wurden vom Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Mediengruppe RTL vom 7. bis 13. September erhoben. Datenbasis: 2501 Befragte. Die statistische Fehlertoleranz bezifferte das Institut mit +/-2,5 Prozentpunkten.

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare