+
Bundeswehrsoldaten in Masar-i-Scharif: 890 deutsche Soldaten sind noch in Afghanistan.

Amerika legt vor, Deutschland zieht nach

Bundeswehr bleibt länger in Afghanistan. Aber wie lange? 

Berlin - US-Präsident Obama hat vorgelegt, die Bundesregierung zieht mit. So wie die US-Truppen wird auch die Bundeswehr länger in Afghanistan bleiben. Ein Ende des Einsatzes steht nicht fest.

Alles hat ein Ende, aber der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr noch nicht: Nach dem Stopp des US-Truppenabzugs aus dem Bürgerkriegsland müssen sich jetzt dort auch deutsche Soldaten auf einen längeren Einsatz einstellen. „Es galt immer in Afghanistan das Prinzip: gemeinsam rein und gemeinsam raus“, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin. Der gemeinsame Abzug mit den USA werde daher weder 2015 noch 2016 erfolgen können, "sondern irgendwann jenseits von 2016“.

Ursprünglich war eine deutliche Truppenreduzierung bereits ab Frühjahr 2016 vorgesehen. Darüber hinaus gab es gar keine Planung. Angesichts der Verschärfung der Sicherheitslage hatte US-Präsident Barack Obama aber am Donnerstag entschieden, dass die US-Afghanistantruppe mit 9800 Soldaten bis Ende 2016 in voller Stärke im Land bleibt. Dann soll die Truppe auf 5500 Soldaten verkleinert werden. Einen Termin für einen Komplettabzug nannte Obama nicht.

890 deutsche Soldaten noch im Land

Insgesamt ist die Nato noch mit mehr als 13000 Soldaten zur Ausbildung und Beratung der afghanischen Streitkräfte am Hindukusch. Darunter sind 890 deutsche Soldaten. Die meisten sind in Masar-i-Scharif in Nordafghanistan stationiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Ein wichtiges Zeichen an die Bündnispartner der USA"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Entscheidung der Amerikaner. „Diese Ankündigung ist ein wichtiges Zeichen an die internationale Gemeinschaft, ein wichtiges Zeichen an die Bündnispartner der USA, aber vor allem ein wichtiges Zeichen an die afghanische Bevölkerung“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.Auch der afghanische Präsident Aschraf Ghani äußerte sich positiv. Gruppen wie die Taliban „sollten wissen, dass ihr Krieg gegen die Nationalen Sicherheitskräfte zu keinem anderen Ergebnis führen wird als zur Niederlage“, teilte der Präsidentenpalast in Kabul mit.

Gesamte Nato will mitziehen

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg kündigte eine schnelle Entscheidung auch auf Bündnisebene an. „Die (amerikanische) Entscheidung ebnet den Weg für eine fortgesetzte Präsenz der Alliierten und Partner in Afghanistan“, sagte der Norweger. Die Außenminister der Nato-Staaten werden voraussichtlich Anfang Dezember bei einem Treffen in Brüssel über die Zukunft des Afghanistan-Einsatzes entscheiden.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Viele Muslime haben starke Bindung an ihr EU-Heimatland
Integration ist ein heißes Eisen. Die EU hat Einstellungen und Erfahrungen der zugewanderten Muslime in Europa untersuchen lassen. In Sachen Offenheit für Fremde ist für …
Viele Muslime haben starke Bindung an ihr EU-Heimatland
Dritter Tag der UN-Generaldebatte mit Auftritt Gabriels
New York (dpa) - Die Rede von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel steht heute aus deutscher Sicht im Fokus der Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Gabriel soll als 17. …
Dritter Tag der UN-Generaldebatte mit Auftritt Gabriels
Guttenberg wünscht sich das Ende der Großen Koalition
Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat sich gegen eine erneute Große Koalition ausgesprochen. Am liebsten würde er mit der FDP koalieren, …
Guttenberg wünscht sich das Ende der Großen Koalition
Ruhani weist Trumps Kritik am Atomabkommen scharf zurück
Das Atomabkommen mit dem Iran dominiert den zweiten Tag der Generaldebatte der UN-Vollversammlung. Der Pakt gilt als historisch. Der Iran warnt die USA. Auch Deutschland …
Ruhani weist Trumps Kritik am Atomabkommen scharf zurück

Kommentare