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„Im Grunde haben wir schon einen Krieg“: Bundeswehr-General sieht „akute“ Angriffe gegen Deutschland

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Reservistenausbildung der Bundeswehr: auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg in Bayern
Reservistenausbildung der Bundeswehr, hier in Hammelburg in Bayern © Sebastian Gollnow/dpa

Wie gut wären die deutschen Streitkräfte im Falle eines Angriffs gerüstet? Der Bundeswehrgeneral Schelleis sieht „immensen Nachholbedarf“ - und bereits jetzt konkrete Bedrohungen.

Köln - „Wir werden akut bedroht und angegriffen“: Der hochrangige Bundeswehr-General Martin Schelleis hat vor ernsten militärischen Gefahren für Deutschland gewarnt. „Im Grunde haben wir schon einen Krieg: Krieg im Informationsraum, Cyberangriffe“, sagte Schelleis dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Schelleis ist Inspekteur der Streitkräftebasis und Nationaler Territorialer Befehlshaber der Bundeswehr. Als „realistische Szenarien“ nannte der Generalleutnant „punktuelle Angriffe auf kritische Infrastruktur, etwa durch Spezialkräfte, mit Drohnen oder Speed-Booten, zur Störung unserer Lebensgrundlagen unter anderem mit militärischen Mitteln“. Dafür seien „wir nicht gut aufgestellt“, warnte Schelleis. „Das muss man leider sagen.“

Deutschland und der Ukraine-Krieg: „Raketen könnten Berlin erreichen“

Hinzu kommen nach Ansicht des Kommandeurs Bedrohungen wie ein möglicher Beschuss mit ballistischen Raketen, die Russland im Raum Kaliningrad stationiert hatte. „Sie wurden jetzt wegen des Ukraine-Kriegs abgezogen, werden aber sicherlich wieder dort hinkommen“, sagte er. „Diese Raketen könnten ohne Weiteres Berlin erreichen. So, wie Putin einzuschätzen ist, sind Erpressungsversuche gut vorstellbar.“

General Schelleis zum Zustand der Bundeswehr: „Immenser Nachholbedarf“

Der Befehlshaber der zweitgrößten Organisationseinheit der Bundeswehr mit Verantwortung für deren gesamte Logistik beklagte, dass der Bundestag die klar definierten Bedürfnisse zur Landes- und Bündnisverteidigung lange Zeit nicht ausreichend finanziert habe.

„Man hat einfach nicht ernsthaft geglaubt, dass die Bundeswehr je wieder in großem Stil gefordert sein könnte oder gar eingesetzt werden müsste“, sagte er. „Deshalb hat man Defizite in Kauf genommen. Jetzt haben wir einen immensen Nachholbedarf.“ (AFP/frs)

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