Annegret Kramp-Karrenbauer
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Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer gerät für ihre Rolle in der KSK-Affäre in die Kritik

„Sammelaktion“ für verschwundene Munition

Schwerer Verdacht gegen AKK: Umtriebe bei Eliteeinheit KSK „absichtlich übersehen“?

  • Josef Forster
    vonJosef Forster
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Soldaten einer Bundeswehr-Eliteeinheit horteten jahrelang Munition. Ihr Kommandeur rief „Sammelboxen“ für die Rückgabe ins Leben, nun hagelt es Kritik. Auch an Kramp-Karrenbauer.

Berlin - Die Kritik an Annegret Kramp-Karrenbauers Rolle in der KSK-Affäre verschärft sich. Jahrelang hatten Angehörige der Bundeswehr-Spezialeinheit Munition gehortet, ehe der Kommandeur Markus Kreitmayr den Soldaten im vergangenen Jahr die Möglichkeit gab, Munition ohne weitere Strafen zurückzugeben. Ein rechtlich fragwürdiger Schritt, den derzeit das Verteidigungsministerium prüft.

Das Kommando Spezialkräfte habe „die Vorschriften für eine ordnungsgemäße Munitionsbewirtschaftung in den letzten Jahren grundsätzlich nicht eingehalten“, heißt es in einem vertraulichen Bericht der Bundeswehr-Führung, aus dem die Nachrichtenagentur AFP zitiert. Die Opposition pocht nun auf eine Erklärung der Verteidigungsministerin. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer sieht sich weiteren schweren Vorwürfen ausgesetzt.

KSK-Affäre: Kritiker fordern „System von oben nach unten aufzuräumen“

Die FDP attackiert die frühere CDU-Chefin scharf. Offensichtlich habe die Spitze im Ministerium „die schlimmen Entwicklungen beim KSK absichtlich übersehen“, klagt die FDP-Wehrexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann gegenüber der AFP. Die Oppositionspolitikerin ist überzeugt, dass das Verteidigungsministerium schon früher über den internen Bericht der Bundeswehr Bescheid wusste als sie zugibt.

Dem Papier zufolge konnten der Verbleib von mindestens 13.000 verschwundenen Schuss Munition und 62 Kilogramm Sprengstoff im KSK nicht mehr aufgeklärt werden. Die systematischen Verstöße hätten „im Nachweis der Munition zu teils erheblichen Bestandsdifferenzen und Unregelmäßigkeiten“ geführt, „die nicht mehr vollumfänglich aufzuklären sind“, resümieren die Autoren.

„Der Bericht ‚Aktion Fund Munition‘ hat mit Sicherheit die Ministerin erreicht - und zwar nicht erst über die Presse, wie sie gerne behauptet“, wirft Strack-Zimmermann der Verteidigungsministerin vor. Die FDP fordere hierzu umgehend eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses. „Das System muss dringend geändert werden und von oben nach unten aufgeräumt werden“, so Wehrexpertin Strack-Zimmermann weiter.

KSK: Eliteeinheit der Bundeswehr geriet durch rechtsextreme Vorfälle in die Schlagzeilen

In den vergangenen Jahren ist das KSK von rechtsextremistischen Vorfällen erschüttert worden. Im Mai vergangenen Jahres fanden Ermittler im Garten eines Bundeswehrsoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) aus Sachsen Waffen, Munition und Sprengstoff. Wie die AFP berichtet, seien auch rechtsextremistische Devotionalien gefunden wurden: Postkarten und Aufkleber mit NS-Motiven, ein SS-Liederbuch, einschlägige Zeitschriften und mehrere T-Shirts der Marke Thor Steinar, die der rechtsextremen Szene zugeordnet wird, fanden die Ermittler bei dem Soldaten.

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hatte deshalb bereits im vergangenen Jahr eine KSK-Division aufgelöst. Im Sommer will sie eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft der Elitetruppe treffen. (AFP/jjf)

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