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Schleudersitz-Misere bei der Bundeswehr – Lambrecht bekommt es auf Bayern-Besuch gleich vorgeführt

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Von: Florian Naumann

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Nur anschauen, nicht fliegen: Christine Lambrecht in Neuburg vor einem Eurofighter.
Nur anschauen, nicht fliegen: Christine Lambrecht in Neuburg vor einem Eurofighter. © Sven Hoppe/dpa

Pünktlich zum Ministerin-Besuch - und mitten im Ukraine-Krieg: Der Eurofighter lahmt mal wieder. Christine Lambrecht kann es sich in Bayern ansehen.

Berlin/Neuburg an der Donau – Die Bundeswehr steht nach dem Willen der Ampel-Koalition und der Union vor einer „Zeitenwende“. Aktuell hat die Armee aber noch mit altem Material und alten Problemen zu kämpfen: Dieser Tage bereiten die Schleudersitze des in die Jahre gekommenen Kampfflugzeugs Eurofighter Schwierigkeiten, wie gerade erst bekannt wurde.

Die Luftwaffe hat die Flüge des Jets eingeschränkt, berichtet die dpa. Pikanterweise bekam Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) die Lage bei einem Truppenbesuch in Oberbayern direkt vor Augen geführt – sie war am Freitag in Neuburg an der Donau, am Stützpunkt einer der zwei deutschen Eurofighter-„Alarmrotten“, zu Gast.

Eurofighter bereiten Bundeswehr Sorgen: Schleudersitze könnten Probleme machen

Hintergrund ist ein Sicherheitshinweis: Die Industrie meldete zuletzt für ein Bauteil der Schleudersitze einen Mangel, wie ein Sprecher der Luftwaffe der dpa am Freitag bestätigte. Es handelt sich offenbar nicht um ein Eurofighter-Spezifikum: Ein mutmaßlicher Defekt an möglicherweise nicht ausreichend befüllten Treibmittel-Kartuschen betreffe auch Kunden im Ausland und Nutzer anderer Kampfflugzeuge, hieß es. Nach Informationen von Spiegel-Chefkorrespondent Matthias Gebauer ist „jede fünfte Kartusche“ betroffen. Die Teile sollen nun „eilig“ überprüft werden.

DIe Bundeswehr geht nun offenbar auf Nummer sicher – will ihre wichtigsten Aufgaben in der Luft aber weiter erfüllen: Aufträge zur Sicherung des Luftraums und zur Landes- und Nato-Bündnisverteidigung werden nicht nur angesichts des Ukraine-Kriegs weiter geflogen. Trainings- und Ausbildungsflüge sind hingegen offenbar stark eingeschränkt.

Lambrecht sieht in Bayern Eurofighter nur am Boden: Problem kurz vor großen Aufgaben

Ähnlich sieht es offensichtlich bei „Extratouren“ aus: Das Taktische Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau verzichtete bei Lambrechts Besuch auf einen Demonstrationsflug. Die Ministerin posierte stattdessen auf dem Boden des Flugplatzes Zell vor Eurofighter-Maschinen. Lambrecht nannte den Umgang der Luftwaffe mit dem Problem laut einem Bericht der Süddeutschen „absolut richtig“. Allerdings drängt die Zeit: Noch in diesem Jahr soll sich das Geschwader erstmals an zwei Militärübungen in Australien beteiligen. Die Luftwaffe will wohl schon Mitte August sechs Eurofighter auf einen etwa 22.000 Kilometer weiten Langstreckenflug um die halbe Erde schicken.

Lambrecht ist derzeit - wie auch Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) - auf Sommerreise durch Deutschland unterwegs. Die Luftwaffe teilte ein Foto der Visite. Ohne Eurofighter im Bild.

Die Bundeswehr will im Zuge ihrer Zeitenwende auch neue Kampfjets beschaffen. Geplant ist die Anschaffung von US-amerikanischen F35-Maschinen. Das Flugzeug hat einen guten Ruf, aber auch Probleme. „Ein großartiges Flugzeug“, gab Diana Maurer, Direktorin des US-Rechnungshofes, das Verdikt mit der Maschine vertrauter Piloten wieder, „wenn der Jet denn fliegt.“ (fn/dpa)

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