+
Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen in Illkirch.

„Nur schöne Bilder produziert“

Bundeswehr-Skandal: SPD attackiert von der Leyen

Berlin - Aufgeschreckt vom Skandal um einen rechtsextremen Bundeswehroffizier zieht von der Leyen alle Register und versucht, die Wogen zu glätten - doch die Kritik reißt nicht ab.

Auch nach dem Besuch von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beim Truppenstützpunkt im französischen Illkirch hält die Kritik an der Amtsführung der CDU-Politikerin an. Er halte es für falsch, dass sie „einen großen Tross an Journalisten“ mitgenommen habe, sagte der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses, Wolfgang Hellmich (SPD), der „Passauer Neuen Presse“ (Donnerstag). „Es drängt sich der Verdacht auf, es gehe der Ministerin um eine Inszenierung von Handlungsfähigkeit.“ Zwar sei Sachaufklärung notwendig, doch gelte es, Showeffekte zu vermeiden.

Am Stützpunkt der deutsch-französischen Brigade in Illkirch war der rechtsextreme und unter Terrorverdacht festgenommene Oberleutnant Franco A. stationiert. Der 28-jährige Deutsche, der sich als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte, steht im Verdacht, einen Terroranschlag geplant zu haben.

Oppermann: Von der Leyen kein einziges Problem der Bundeswehr gelöst

In die gleiche Kerbe schlug SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann. „Ursula von der Leyen hat als Verteidigungsministerin nur schöne Bilder produziert, aber kein einziges Problem der Bundeswehr gelöst“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. „Bei der Transformation der Bundeswehr von einer Wehrpflicht- in eine Berufsarmee hätte die innere Führung und eine neue Führungskultur absolute Priorität haben müssen“, fügte Oppermann hinzu. „Frau von der Leyen hat das total vernachlässigt.“

Von der Leyen will sich an diesem Donnerstag in Berlin mit rund 100 Generälen und Admiralen treffen. Bei dem Treffen soll geklärt werden, weshalb Informationen zu Verfehlungen an einzelnen Bundeswehrstandorten zuletzt mehrfach nicht den Weg ins Ministerium gefunden hatten. Hintergrund sind neben der Affäre um den rechtsextremen Bundeswehroffizier auch Fälle von Erniedrigung, sexueller Herabwürdigung und Schikane, mit denen die Bundeswehr zuletzt für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Hellmich: Von der Leyen hat viel Vertrauen zerstört

Der SPD-Verteidigungspolitiker Hellmich warf von der Leyen auch vor, der Bundeswehr pauschal Führungsschwäche unterstellt zu haben. „Der Vorwurf der Ministerin an alle Ebenen ist völlig unangemessen und sie hat viel Vertrauen zerstört“, sagte Hellmich. Die Ministerin müsse nun „dringend erklären, wie sie ihre Pauschalkritik versteht, ob das tatsächlich ihre Haltung gegenüber den Soldatinnen und Soldaten ist. Das ist sie ihnen als diejenige, die die Kommandogewalt hat, schuldig“. Bereits zuvor warf SPD-Politiker Rainer Arnold von der Leyen vor, Vertrauen zerstört zu haben. 

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ergriff im ZDF Partei für seine Kabinettskollegin. „Der Kampf gegen den Rechtsextremismus war immer ein Markenzeichen der Bundeswehr“, erklärt de Maizière am Mittwochabend im ZDF-„heute-journal“. Das sei bei seinen Vorgängern so gewesen, bei ihm und bei seiner Nachfolgerin. „Im Übrigen hat Frau von der Leyen meine Solidarität.“

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die dreisten Drei: Sie könnten Merkel, Schulz und Seehofer stürzen
Andrea Nahles (SPD), Alexander Dobrindt (CSU) und Jens Spahn (CDU) sägen am Stuhl ihrer Parteichefs. Angela Merkel, Martin Schulz und Horst Seehofer wirken angezählt. 
Die dreisten Drei: Sie könnten Merkel, Schulz und Seehofer stürzen
Sprecherin: Trump wird nach Davos reisen
US-Präsident Donald Trump wird zum Weltwirtschaftsforum in Davos reisen. Bei dem Treffen wollen 3000 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft über die Zukunft beraten.
Sprecherin: Trump wird nach Davos reisen
US-"Shutdown" nach nur drei Tagen praktisch beendet
Nach einem nervenaufreibenden Wochenende lichtet sich der politische Nebel in Washington: Der "Shutdown" geht zu Ende, ehe er richtig greifen konnte. Viele Betroffene …
US-"Shutdown" nach nur drei Tagen praktisch beendet
Spitzentreffen: Seehofer, Merkel und Schulz rechnen mit zügigem Verhandlungsstart
Es ist schon jetzt die längste Regierungsbildung in der Geschichte der Bundesrepublik und auch eine sehr teure. Die SPD fällte einen staatstragenden Beschluss - die …
Spitzentreffen: Seehofer, Merkel und Schulz rechnen mit zügigem Verhandlungsstart

Kommentare