Markus Söder bei einem Bundeswehr-Gelöbnis Ende 2019 im Hofgarten.
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Markus Söder bei einem Bundeswehr-Gelöbnis Ende 2019 im Hofgarten.

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Söder plant Spezial-Ehrung: Bayern-Orden für die letzten Afghanistan-Soldaten

  • Christian Deutschländer
    VonChristian Deutschländer
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Das Ende von 20 Jahren Afghanistan-Einsatz war der deutschen Spitzenpolitik keinen Empfang, keine Ehrung, kein Zeremoniell wert. Nun folgt das Umdenken: Bayern plant sogar eine eigene Medaille.

München/Berlin – Es war eine stumme und unpolitische Heimkehr: Am 30. Juni landeten drei Bundeswehr-Maschinen in der Nähe von Hannover. 264 Soldaten, noch mit dem Staub Afghanistans an den hellbraunen Stiefeln, sprangen aus den Maschinen. Auf das letzte deutsche Kontingent des 20-Jahre-Einsatzes am Hindukusch warteten Familie und Partner – aber kein Politiker. Corona, Sicherheitsgründe und der Wunsch der Soldaten, schnell nach Hause zu kommen, wurde als Grund genannt.

Weil in Berlin dann aber doch eine Polit-Debatte einsetzte, ob dieser stumme Empfang würdevoll genug war, wird nun umgeplant. Für 31. August ist ein „Großer Zapfenstreich“ in Berlin angesetzt, so nennt man die höchstrangige militärische Zeremonie abends im Fackelschein. Es soll nicht versteckt im Innenhof des Verteidigungsministeriums laufen, sondern auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude, mit allen Spitzen des Staates. „Es hat sich dann rausgestellt, dass aus der Bundeswehr selbst, aber auch aus dem politischen Bereich eben der Wunsch gekommen ist, das noch in eine breitere Öffentlichkeit zu stellen“, sagte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) diese Woche.

Bundeswehr: Abzug aus Afghanistan - Söder will Soldaten mit neuem Ehrenzein dekorieren

Eine Extra-Ehrung für die Soldaten soll es in kleinerem Rahmen zuvor auch in Bayern geben. Schon am Montag will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Informationen des Münchner Merkur eine kleine Gruppe von Soldaten aus dem letzten Afghanistan-Kontingent in seine Staatskanzlei holen. Stellvertretend für alle Kontingente dieser zwei Jahrzehnte, von denen viele aus bayerischen Standorten kamen, erhalten sie erstmals das neu geschaffene Ehrenzeichen des Ministerpräsidenten für Verdienste im Auslandseinsatz.

Er wolle „ein bewusstes Zeichen des Dankes und der Anerkennung“ setzen, sagt Söder. „Wir würdigen unsere Rückkehrer aus Afghanistan.“ Viele Soldaten waren ja mehrfach in den internationalen Einsätzen der Bundeswehr, nicht nur in Afghanistan, auch am Balkan oder aktuell in Mali – wo jüngst ja auch mehrere bayerische Soldaten bei einem Anschlag verletzt wurden.

Die Afghanistan-Rückkehrer wurden nun aus allen Landesteilen ausgewählt. Vom Logistik-Bataillon 472 im fränkischen Kümmersbruck kommen sie, vom Sanitätslehrregiment aus der Gäubodenkaserne in Feldkirchen/Niederbayern, vom Luftwaffengeschwader 74 in Neuburg an der Donau und von der IT-Schule der Bundeswehr in Pöcking. „Einige von ihnen haben insgesamt mehr als zwei Jahre unter schwierigen und gefährlichen Umständen im Auslandseinsatz verbracht“, sagt Söder. „Das ist auch für die Familien eine enorme Belastung und verdient besonderen Respekt.“ Der Freistaat sei stolz auf seine Soldaten. (cd)

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