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Ex-Bundeswehrstandort in Afghanistan fällt offenbar kampflos an Taliban - Video zeigt abrückende Soldaten

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Von: Kathrin Reikowski

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Die Taliban haben einen Militärflughafen in der Nähe von Kundus erobert. Die Bevölkerung flieht oder versucht Normalität - aber es gibt auch andere Reaktionen.

München / Afghanistan - Die Lage in Afghanistan ist für unabhängige Beobachter nur sehr schwer zu beurteilen. Sicher scheint, dass die Taliban innerhalb der vergangenen Tage neun von 24 Provinzhauptstädten eingenommen haben - ihr wichtigster Erfolg darunter die Einnahme der Stadt Kundus.

Nun soll auch der Militärflughafen - ein wichtiger ehemaliger Stützpunkt der Deutschen - an sie gefallen sein. Laut Bild.de sollen Fotos und Videos Talibankämpfer zeigen, die sich auf der riesigen Anlage, dem Rollfeld und in den Militärbaracken frei bewegen. Wie Zeit online berichtet, wurde auch die Stadt Faisabad eingenommen, in der bis 2012 Bundeswehrsoldaten stationiert waren.

Afghanistan: Videos zeigen die Situation vom Abzug der Truppen in Kundus

Ein Video soll zeigen, wie Talibankämpfer von Indien gespendete Kampfflugzeuge inspizieren:

Ein anderes Video soll den Abzug der Soldaten zeigen und wie Taliban mit geplünderten Waffen unterwegs sind:

Am Mittwoch hat Deutschland Abschiebungen nach Afghanistan vorerst ausgesetzt.

Vormarsch der Taliban in Afghanistan: Bevölkerung zwischen Abwehr, Angst und Unterstützung

Augenzeugenberichte lassen sich nur schwer überprüfen. Doch viele Nachrichten aus Kundus erinnern an Schilderungen der Gräueltaten aus der Zeit der Taliban von 1996 bis 2001, als sie eine Herrschaft ultrakonservativen, islamischen Rechts etabliert hatten. Damals durften Frauen nicht arbeiten oder ohne Mann das Haus verlassen, Mädchen nicht zur Schule gehen. Selbst geringfügige Vergehen wurden mit öffentlichen Auspeitschungen und Hinrichtung bestraft.

Ein Vertriebener aus Kundus berichtete der dpa, dass einer seiner Söhne von den Taliban enthauptet worden sei. Sie hätten ihn gepackt, „als ob er ein Schaf wäre, haben ihm den Kopf mit einem Messer abgeschlagen und weggeworfen“, sagte er. „Ich weiß nicht, ob seine Leiche von Hunden gefressen oder begraben wurde.“

Andere Bewohner aus Kundus seien aus Angst um ihr Leben in andere Landesteile geflohen. Die Taliban patrouillierten triumphierend durch die Stadt - während Geschäftsleute versuchten, zur Normalität zurückzukehren. „Den Menschen steht trotzdem die Angst ins Gesicht geschrieben“, erzählt ein Ladenbesitzer.

In der 100 Kilometer südlich von Kundus gelegenen Provinzhauptstadt Pul-i-Kumri wurden die Extremisten laut dpa dagegen teilweise mit offenen Armen empfangen. Junge Männer hätten Selfies mit den Talibankämpfern gemacht. US-Experten schätzen, dass auch die Hauptstadt Kabul binnen 90 Tagen an die Taliban fallen könnte. (dpa/kat)

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