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Auch Rapper Bushido nahm am Mittwoch  an der Sendung von Sandra Maischberger teil.

Hitziger ARD-Talk

Rapper Bushido geht bei Maischberger Rentnerin an - und kassiert eiskalten Konter

Fünf Gaste diskutierten am Mittwochabend bei Maischberger über „Political Correctness“ in Sachen Sprache. Darunter Rapper Bushido. Und der hat eine klare Meinung dazu.

Update vom 6. Juli 2018: Es ist auch eine Abrechnung mit dem Abou-Chaker Clan. So hart sind Text und Lyrics des neuen Songs "Für Euch alle" von Bushido.

Berlin - Leben wir in einem Land, in dem man bestimmte Worte nicht sagen darf? Diese Frage stellte Sandra Maischberger am Mittwochabend in ihrer Sendung. Nach dem Skandal um die Echo-Verleihung an das Rapper-Duo Kollegah und Farid Bang, das mit einer antisemitischen Zeile für Empörung gesorgt hatte, und dem Eklat um das „N-Wort“ in einem Tweet des Senders MDR Sachsen vor einigen Wochen unterhielten sich in der ARD fünf Gäste rund um das Thema der politischen Korrektheit in Sachen „Sprache“. 

„Wir leben in einem liberalen Land“

Aber zurück zur Anfangsfrage: Leben wir in einem Land, in dem man bestimmte Worte nicht sagen darf? Florian Schröder, Kabarettist und Kommentator, findet nicht: „Nein, wir leben in einem liberalen Land, in dem man alles sagen kann“, erklärt er. Doch das hat Konsequenzen: „Wir müssen aber damit leben, dass es nicht widerspruchsfrei passiert“.

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Für die erste Debatte in der Runde sorgt ein einziges Wort: „Zigeunerschnitzel“. Der frühere ZDF-Moderator Peter Hahn findet, das Wort zu verwenden, sei kein Problem. Hingegen freue er sich immer, wenn er den Begriff auf den Karten sehe. Daraufhin kritisiert ihn Journalistin Theresa Bücker: Man solle sensibler mit der Sprache umgehen und solche rassistische Begriffe vermeiden. Und da beginnt die erste Streiterei des Abends: Soll das etwa heißen, er sei ein Rassist? Nein, erklärt die Chefredakteurin des Online-Frauenmagazin „Edition F“, nicht er sei rassistisch, sondern seine Sprache. Das stellt Hahn offenbar zufrieden.

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Bushido bei Maischberger: Problem ist „Tabuisierung“

Weiter geht‘s mit dem zweiten Problem-Wort des Abends: Das „N-Wort“. Maischberger will wissen, ob man das Wort aus alten Kinderbüchern streichen soll. Und wenn ja, müssen auch andere Begriffe verschwinden? Der prominenteste Gast der Runde, Rapper Bushido, der zwei kleine Kinder hat, sieht darin kein Problem. "Meine Kinder sind jetzt zwei und fünf Jahre alt. Da ist der 'Negerkönig' das letzte, was sie am Ende aus einem Kinderbuch rausziehen“, erklärt der Musiker. Und sieht das Problem eher in der „Tabuisierung“ mancher Worte.

„So, wie wir in der Sprache vorkommen, werden wir auch behandelt“

Doch auch Frauen haben ein Problem mit der deutschen Sprache. Maischberger fragt in der Runde, warum Frauen in der deutschen Sprache immer so wenig vorkommen, obwohl sie eigentlich die Mehrheit der Bevölkerung darstellen? Und stellt so einen neuen Gast (besser gesagt: eine neue Gästin) vor: Rentnerin Marlies Krämer, die mit einer Klage am Bundesgerichtshof gegen ihre Sparkasse, die sie nicht „Kundin“ nennen wollte, für Aufsehen sorgte. Sie wird über einen Bildschirm der Sendung zugeschaltet.

Krämer erklärt die Grunde ihrer Aktion: „Es ist einfach so: Wie wir in der Sprache vorkommen, werden wir auch behandelt“. Laut der Rentnerin leben wir in einem „absoluten“ Patriarchat, das von der sprachlichen Ausgrenzung geprägt ist. Deshalb fordert die Saarbrückerin weibliche Anreden in Formularen. 

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Maischberger lässt die Runde im Studio wieder mitmachen und fragt Bushido, ob er sich gerne „RapperIn Bushido“ nennen lassen würde. Und die Antwort des 39-Jährigen kommt schnell: „Ne, das ist Quatsch!“. Und weiter: „Alles, was sie sagt, ist Quatsch. Die Dame hat anscheinend Langeweile.“ Maischbergers Reaktion: „Au, das ist aber hart, finde ich.“ Sie fordert die zugeschaltete Frau Krämer auf, „gerne mal zurückzuhauen“. Die kommt der Aufforderung nach: „Diese ganzen dummen, dumpfen Argumente kenne ich schon“, sagt sie.

Echo-Skandal: Grenze wurde „definitiv überschritten“

Letztes großes Thema der Sendung ist der Skandal um den Echo-Preis. Laut der Moderatorin hat die Sprache in diesem Fall dazu geführt, dass die wichtigste deutsche Musik-Auszeichnung abgeschafft wurde. Und möchte von Bushido wissen, ob das Verhalten von Kollegah und Farid Bang richtig war. 

Darauf antwortet der Musiker, der seine Kollegen am Anfang verteidigt hatte, dass hier eine Grenze „definitiv überschritten“ wurde. „Es gibt Dinge, die dürfen einfach nicht so gesagt werden“, sagt Bushido und erklärt, den zwei Rappern so eine wichtige Bühne zu geben, sei nicht die richtige Wahl gewesen. 

Video: Der Echo wird abgeschafft

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War das ein Fall von Antisemitismus oder Provokation, um mehr Platten zu verkaufen, fragt Maischberger. Beides, sagt Kabarettist Schröders. Schauspielerin Annabelle Mendeng findet, das Problem liege auch in den Firmen, die hinter so einer Veranstaltung stehen. In diesem Fall hätten die Leute „gepennt“, und das rege sie „tierisch“ auf.

„Eine extrem differenzierte Debatte“, kommentiert Maischberger am Ende der Sendung. Prägnant zusammengefasst wird die Diskussion aber von Mendeng: „Die Sprache ist ein Werkzeug, und es hat Macht. Und das dürfen wir auch nicht missbrauchen.“

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fm

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