+
Andreas Müller.

Cannabis-Legalisierung

"Das Drogengesetz gehört in den Müll"

  • schließen

Die Grünen wollen Cannabis legalisieren. Andreas Müller (53) ist Jugendrichter in Bernau bei Berlin und bekannt für harte Urteile – trotzdem fordert er ein neues Drogen-Gesetz.

Sie sagen, Kiffer sind keine Kriminellen. Warum? 

Aus eigener Erfahrung. Mein Bruder wurde einst für Cannabis-Konsum hart bestraft, dadurch geriet er auf die schiefe Bahn, landete letztlich bei Heroin und starb. Das jetzige Gesetz gehört in den Müll. Es schafft hunderttausende Opfer.

Welche Opfer? 

Ganz normale Leute werden kriminalisiert, weil sie ab und zu Cannabis rauchen – sie berauschen sich ohne jedes Suchtverhalten an einer Droge, die nicht dem Herkömmlichen entspricht, nämlich Alkohol. Opfer sind auch Eltern, die Angst haben, dass ihre Kinder kriminalisiert werden, weil sie ein- oder zweimal gekifft haben. Etwa 12000 Konsumenten in Deutschland haben mit Cannabis ein echtes Problem, die nehmen aber meist noch andere Drogen. An die müssen wir frühzeitig ran, und zwar ohne das Damoklesschwert der Strafjustiz.

Viele Eltern haben Angst, dass Gras nur der Anfang einer Drogenkarriere ist. 

Das stimmt einfach nicht. Kein renommierter Wissenschaftler behauptet das noch.Die Alkohol-Problematik ist wesentlich schärfer.

Wie meinen Sie das? 

Ich hatte in 20 Jahren als Jugendrichter auch Leute mit Cannabis-Problemen vor mir stehen. Aber gewalttätig waren nie die Kiffer, immer nur die Säufer. Das Problem: Man kann mit den Jugendlichen nicht offen reden. Sie geben lieber zu, besoffen jemanden zusammengeschlagen zu haben als zu sagen: Ich kiffe. Aber genau das müsste man wissen, um den jungen Menschen erziehen zu können: Wann kifft der, wie, warum?

Würden nicht plötzlich viel mehr Leute kiffen?

Erstmal gäbe es einen Anstieg, ja. Aber die meisten lassen es wieder, weil sie es nicht mögen. Andere rauchen weiter – wie auch jetzt trotz Kriminalisierung. Die Droge Cannabis verliert den Reiz des Verbotenen. Letzlich hätten wir einen besseren Jugendschutz.

Sehen das Richter in Bayern auch so? 

Das recherchiere ich gerade. In den Polizeigewerkschaften hat sich enorm was getan. Ich habe 2014 etwa 50 Vorträge gehalten, oft auch vor Richtern und Polizisten. Die haben Angst, sich als Beamte zur Legalisierung zu bekennen. Aber die meisten sind dafür, weil sie wissen, dass das geltende Gesetz Schwachsinn ist.

Die Grünen stellen heute in Berlin ihren Gesetzentwurf zur Legalisierung von Cannabis vor. Warum der Zeitpunkt günstig ist, lesen Sie hier.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Trump offen für gemeinsame Militäreinsätze mit Russland in Syrien
Washington - Der neue US-Präsident Donald Trump steht nach Angaben seines Sprechers möglichen gemeinsamen Militäreinsätzen mit Russland gegen die Dschihadistenmiliz …
Trump offen für gemeinsame Militäreinsätze mit Russland in Syrien
Streit um Unterhaltsvorschuss beigelegt
Was, wenn der Ex-Partner oder die Ex-Partnerin keinen oder zu wenig Unterhalt zahlt? Dann springt der Staat ein. Der sei aber bisher zu kurz gesprungen, meinte …
Streit um Unterhaltsvorschuss beigelegt
CSU-Vize: „Guttenberg soll sich mehr einbringen“
München – Und jährlich grüßt das Murmeltier: In der CSU wird mal wieder über eine Einbindung des im US-Exil lebenden Karl-Theodor zu Guttenberg beraten. Parteichef Horst …
CSU-Vize: „Guttenberg soll sich mehr einbringen“
Merkel: Flüchtlinge haben Deutschland auf „harte Probe“ gestellt
Würzburg - Die Rede war mit Spannung erwartet worden: Auf einem ihrer ersten großen Auftritte im Wahljahr sprach Angela Merkel am Montag in Würzburg. Wähler der CSU …
Merkel: Flüchtlinge haben Deutschland auf „harte Probe“ gestellt

Kommentare