Kontra: Merkur-Redakteur Lorenz von Stackelberg, Pro: Merkur-Redakteurin Christine Ulrich

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Cannabis-Legalisierung: Pro & Kontra

München - Die Pläne der Grünen, Cannabis zu legalisieren, lösen eine hitzige Diskussion aus. Würde man damit eine Droge aus der Kriminalität holen oder einen Strafbestand aufweichen? Ein Pro und Kontra.

PRO Legalisierung

Bier zur Weißwurst. Beim Après-Ski drei Stamperl. Ein Sprizz in der Sonne. Und zur Wiesn brechen eh alle Dämme. Was signalisieren wir damit? Dass Alkohol für Erwachsene okay ist. Er entspannt, macht gesellig. Dass er immense Gefahren birgt – wissen wir. An ein Verbot denkt niemand. Doch wer in der Freizeit lieber Gras raucht oder Haschkekse isst, riskiert eine Strafe. Schluss mit der Kriminalisierung der Kiffer!

Cannabis kann der Psyche schaden – das kann Alkohol auch. Trotzdem gehen die meisten vernünftig damit um. Und dass Gras eine Einstiegsdroge ist – ja, hatten die Crack-Junkies nie auch ein Bierchen? Kiffen führt genauso wenig wie Trinken automatisch in harte Drogen – sonst hätten wir längst Millionen Heroinabhängige.

Sich zu berauschen gehört zum Menschen. Davor, dass es nicht ausartet, muss der Staat sie schützen. Mit dem Signal: Finger weg von harten Drogen – Vorsicht bei weichen wie Alkohol, Nikotin, Cannabis. „Freigabe“ heißt nicht, den Drogenhandel wuchern zu lassen. Im Gegenteil: ein reguliertes Geschäft zu schaffen, um Konsumenten zu schützen und Dealern zu schaden.

Die Vorteile: Würde Marihuana in bestimmten Läden frei verkauft, greift der Jugendschutz. Der Staat könnte die Mengen kontrollieren und die Qualität: Dealer verkaufen oft hochgezüchtetes Marihuana mit höherem THC-Gehalt als bei selbst angebautem Gras. Die freiwerdenden Ressourcen bei Polizei, Gerichten und Verwaltung könnten in Aufklärung und Therapien gesteckt werden. Und zum Vorwand, Alkohol sei kulturell stärker akzeptiert: Bei geschätzt vier Millionen Kiffern in Deutschland ist das kein Argument.

Christine Ulrich

KONTRA Legalisierung

Straftatbestände aufzuweichen, nur weil viele sie missachten und die Polizei „Wichtigeres“ zu tun hat, als sich um jeden Joint zu kümmern, riecht nach Kapitulation. Dann könnte man auch Ladendiebe gewähren lassen oder Radlfahrer, die rote Ampeln ignorieren. Gegen eine Freigabe von Haschisch, Marihuana & Co. sprechen aber auch noch andere Gründe als die „Kriminalisierung“ der Konsumenten. Bislang fehlt nämlich der Beweis dafür, dass Cannabisprodukte so ungefährlich sind, wie ihre Verteidiger suggerieren.

Es kann jedenfalls keine Rede davon sein, dass die alte Streitfrage „Einstiegsdroge oder nicht?“ endgültig entschieden ist. Als gesichert gilt, dass der regelmäßige Konsum zu psychischer Abhängigkeit bis hin zu irreversiblen Persönlichkeitsveränderungen führen kann. Natürlich ist auch Alkohol im Übermaß gesundheitsschädlich und birgt erhebliches Suchtpotenzial; im Gegensatz zu Hanfprodukten orientalischen Ursprungs ist er aber, ob es einem passt oder nicht, eine hierzulande kulturell akzeptierte Droge, die bislang noch jedem Prohibitionsversuch getrotzt hat.

Vor dem Hintergrund einer ganzen Palette bewusstseinsverändernder Stimulantien, die – legal oder illegal – in Deutschland allgemein verfügbar sind, sollte es sich der Staat sehr gut überlegen, ob er einen Kernbereich enttabuisieren will. Verbote signalisieren potenziellen Erstkonsumenten immerhin, dass sie etwas Ungesetzliches tun, während eine Freigabe als Unbedenklichkeitssiegel missverstanden würde. Vor einem derart unverantwortlichen Signal sollte sich der Rechtsstaat hüten.

Lorenz von Stackelberg

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