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Wer folgt auf Laschet? Die CDU sucht einen neuen Chef – und sich selbst

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Von: Georg Anastasiadis

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Armin Laschet; Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Armin Laschet im Regen: Kommentar von Merkur-Chefredakteur Georg Anastasiadis. ©  Michael Kappeler/dpa/Marcus Schlaf

Der CDU fehlt es nicht an Kandidaten für den Parteivorsitz, wohl aber an Ideen, wofür die Partei künftig stehen will. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

München - SPD, FDP und Grüne können in aller Ruhe und Gelassenheit ihre Ampel weiter sondieren. Denn eines ist sicher: Für die Schlagzeilen sorgen auch in den nächsten Wochen andere. CDU und CSU, die aktuellen Skandalnudeln der deutschen Politik, haben nach dem angekündigten Rückzug von CDU-Chef Armin Laschet viel Klärungsbedarf.

Sieben Kandidaten umfasst derzeit das Bewerberfeld für den Parteivorsitz: Friedrich Merz, Norbert Röttgen, Ralph Brinkhaus, Jens Spahn, Carsten Linnemann, Tobias Hans und Daniel Günther. Die reiche Auswahl ist nur auf den ersten Blick eine gute Nachricht. In Wahrheit spiegelt sie die Zerrissenheit der Partei wider. Es gibt keinen, auf den sich die in Merkelianer und Anti-Merkelianer zerfallene Partei schnell und überzeugend einigen könnte. Wie auch? Die programmatisch entkernte CDU weiß nach 16 Jahren Merkel-Regentschaft ja nicht mal, wer sie ist und noch weniger, was sie sein will. Ihr fehlt, was in der Marketingsprache der „Unique selling point“ ist: die einigende Grundidee, das unverwechselbare Markenzeichen. Für Gerechtigkeit steht die SPD, für Klimaschutz die Grünen, für die Freiheit die FDP. Aber wofür steht die Union, außer für Machterhalt und passables Regierungshandwerk?

Nach Schröder brauchte die SPD 13 Chefs, bis sie (vermutlich) wieder einen Kanzler stellt

Mit der Kür des neuen Chefs muss die CDU auch die Identitätsfrage klären: Merz ist manchen zu retro, aber mit ihm verbindet sich für viele an der Basis die Verheißung, als CDU mit ihren klassischen Werten als Partei der sozialen Marktwirtschaft und Wohlstandsgarant wieder erkennbar zu werden. Dafür steht auch der Mittelstandspolitiker Linnemann. Für ihn spricht – anders als für Spahn und Röttgen – zudem der Vorteil, dass er nicht durch frühere Parteikämpfe beschädigt ist.

Als Joker aus der Provinz stehen die Ministerpräsidenten Günther (Schleswig-Holstein) und Hans (Saarland) parat. Der Sieger steht vor der Herkulesaufgabe, die Partei nach ihrem Zusammenbruch als vierter Vorsitzender in vier Jahren neu aufzurichten. Die SPD brauchte nach Gerhard Schröder 13 Chefs (kommissarische mitgezählt), um mit Olaf Scholz (vermutlich) wieder das Kanzleramt zu erobern. Die Frage ist nur, ob das nun ein Trost ist. Oder eine Drohung.

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