Armin Laschet und Markus Söder nach einer Pressekonferenz, daneben Kommentator Georg Anastasiadis
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Ein Kommentar von Georg Anastasiadis

Kommentar zur CDU-Chef-Frage

Laschet, Söder und die Zerstörung der Union: Unchristlich und intrigant - ein historisches Versagen

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CSU-Chef Markus Söder hat Armin Laschet zum Rückzug gezwungen, aber in seinem Furor die FDP in die Arme der SPD getrieben. Die Union könnte das noch bitter bereuen, kommentiert Georg Anastasiadis.

München - Markus Söder hat einen womöglich historischen Fehler begangen: Indem er die Gespräche mit den Liberalen als faktisch gescheitert bezeichnete, schlug der CSU-Chef nicht nur die Tür für Jamaika ohne Not zu. Er treibt die natürlichen Verbündeten noch mehr in die Arme der SPD, und das vielleicht für lange Zeit. Nur, um den unvermeidlichen Sturz von Armin Laschet zu beschleunigen und selbst eine vermeintlich bessere Ausgangsposition für die Bayernwahl 2023 zu erhalten. War es das wert?

CDU und CSU: Historisches Führungsversagen - auch Söders gnadenloser Umgang mit Laschet war ein Fehler

Söders gnadenloser Umgang mit dem Rivalen übertrifft alles, was Politiker von CDU und CSU sich in ihrer langen wechselvollen Geschichte an Verletzungen zugefügt haben. Hätte der Franke mit offenem Visier gekämpft, frühzeitig gerade heraus erklärt, dass er für die Kanzlerkandidatur bereitsteht – die Union wäre an ihm, ihrem mit Abstand stärksten Wahlkämpfer, nicht vorbeigekommen. Aber anders als einst der Löwe Strauß taktierte der CSU-Chef, spielte sein Katz-und-Maus-Spiel mit Laschet. So lange, bis die CDU aus Selbstachtung kaum mehr anders konnte, als an ihrem Mann festzuhalten.

Es folgte ein unglücklicher Wahlkampf, in dem Söder keine Gelegenheit ausließ, sich als schlechter Verlierer zu erweisen und Laschet in den Augen der Wähler noch kleiner zu machen. Und nicht mal die krachende verlorene Wahl war ein heilsamer Schock: Die Chefs von CDU und CSU spielten ihre Spielchen einfach weiter. Ein größeres Versagen hat sich noch keine Generation von Unions-Führungsleuten erlaubt.

Laschet und Söder steuern in die Krise: Bürgerlich ist die Union schon lange nicht mehr

Bürgerlich? Das ist diese unchristliche, intrigante und bis zur Unkenntlichkeit wendig gewordene Union schon lange nicht mehr. Moderne Bürgerlichkeit finden viele freiheitlich und konservativ denkende Menschen, die sich vom Schauspiel der C-Parteien abgestoßen fühlen, heute bei der FDP. Unter Jungwählern ist sie bereits die beliebteste Partei. Sie wird in einer Ampel nun wohl retten müssen, was zu retten ist. Söders CSU aber geht schweren Zeiten entgegen. In Berlin ist sie, seit sie sich selbst aus dem Spiel genommen hat, irrelevant geworden. In Bayern könnte sich der Abstieg bald fortsetzen. Auch die CDU in Baden-Württemberg hielt sich einst für unbesiegbar.

Georg Anastasiadis

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