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Laschet und Söder überraschen mit Auftritt - Bald CDU-Vorsitzender und Kanzler?

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Von: Cindy Boden

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Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Landesvorsitzender der CDU in Nordrhein-Westfalen, steht in einem Studio in Köln, während CSU-Chef Markus Söder zugeschaltet ist. 
Die Ministerpräsidenten Armin Laschet und Markus Söder: Beim Neujahrsempfang der CDU in NRW wird viel gemeinsam gelacht. Ist das auch noch so, wenn Laschet CDU-Vorsitzender werden sollte? © Federico Gambarini/dpa-POOL/dpa

CDU und CSU müssen eine Linie fahren, wenn sie etwas erreichen wollen. Armin Laschet und Markus Söder verstehen sich bei einem Event in NRW prächtig. Wird das so bleiben?

Köln - Es sollte eine Neujahrsrede werden, doch es war wohl eher eine Bewerbungsrede. Armin Laschet (CDU) legte beim digitalen Neujahrsempfang der NRW-CDU einen beinah präsidialen Auftritt hin. Er weiß, viele Augen sind auf ihn gerichtet. Am 16. Januar werden die CDU-Delegierten auf dem Parteitag über ihn und seine Mitbewerber abstimmen. Ihm bleiben nur noch wenige Chancen, sich zu beweisen und in den Umfragen an Friedrich Merz vorbeizuziehen.

Von der Gründung der CDU 1945, über die großen Krisen des Landes, weiter zur Stürmung des Kapitols in den USA, bis hin zur Corona-Pandemie: Laschet legte einen Themenritt hin - vielmehr als Begleiter eines wichtigen Amts für ganz Deutschland, weniger als NRW-Landesvater.

Die Union müsse die Bundestagswahl 2021 gewinnen: „Das ist unser Ziel, dafür wollen wir arbeiten“, sagte Laschet. Politiker werden sich im Herbst auch an ihrem Management der Corona-Pandemie messen lassen müssen. Laschet hat als NRW-Ministerpräsident dazu einigen Handlungsspielraum. Er weiß über seine Verantwortung: „Deshalb kommt es jetzt wieder auf uns an, in den Ländern, in Bayern, in NRW, im Bund, unser Land gut durch die Krise zu kriegen.“

Laschet und Söder: Immer wieder im „intensiven Austausch“

Laschet geht an dieser Stelle nicht ohne Grund auch auf Bayern ein. CSU-Chef Markus Söder tritt kurz nach ihm als Gastredner auf. Söder und Laschet kennen sich gut. Als Ministerpräsidenten großer Bundesländer müssen sie sich oft absprechen. Es gebe einen „intensiven Austausch“ zwischen den beiden, betont Laschet nach seiner eigenen Rede. Meist seien das kurze SMS oder Telefonate. Söder sei ein Freund der „klaren Botschaften“. „Markus, stimmt das, hab ich die Wahrheit gesagt?“, sichert sich Laschet scherzhaft ab. „Im Wesentlichen“, antwortet Söder. Humor zeigen beide an diesem Samstag.

Außerhalb von Sitzungen müssten häufig schwierige Themen gründlich vorbereitet werden, erklärte Söder. In den endlosen Sitzungen der Bund-Länder-Runden wäre etwas mehr Platz für kleine, eher spaßige Anmerkungen im Austausch. „Da reden am längsten diejenigen, die eigentlich am kleinsten sind. Bremen hat einen wahnsinnig hohen Redeanteil, da halten wir uns zurück“, schmunzelt Söder. Er schätze an Armin Laschet seine fachliche Zusammenarbeit und den Humor trotz schwerer Zeiten.

Und mit diesen Lobeshymnen macht Söder in seiner eigentlichen Rede gleich weiter. In NRW sei es nicht selbstverständlich, Wahlen zu gewinnen. Dafür bekundet der Bayer seinen Respekt. Wie Laschet die Koalition führe, wie er sein Land voranbringe, welche Regierungsarbeit er leiste ... Söder merkt selbst: „Das waren genug der schönen Worte und des Lobes - aber es kommt von Herzen.“

Söder und Laschet als Unions-Duo? Beide mit einem staatsmännischen Auftritt

Und plötzlich schaltet auch Söder in den staatsmännischen Modus um. Vor allem das mutierte Corona-Virus bereite ihm Sorgen. „Wir sind jetzt wirklich klug beraten, nicht vorzeitig Maßnahmen abzubrechen oder uns in Sicherheit zu wiegen“, sagte Söder. Auch wenn es nicht populär oder bequem sei, der Lockdown müsse verlängert werden.

Wenn er morgens die Corona-Infektions- und Todeszahlen sehe, „dann ist das erschütternd, das ist jedes Mal ein kleiner Stich ins Herz“. Er werde um jedes Leben kämpfen, alles andere wäre für eine C-Partei auch eine „ethische Kapitulation“.

Laschet und er würden immer nach „bestem Wissen und Gewissen“ entscheiden, „nicht nach Laune und Tagesform“. Auch wenn sie vor allem im Frühjahr unterschiedliche Akzente gesetzt hätten - die aufgrund des unterschiedlichen Infektionsgeschehens nötig gewesen seien - am Ende habe man immer die gleiche Grundeinschätzung gegenüber Corona verteidigt. Im April noch schickte Söder eher Giftpfeile nach NRW.

Klimawandel, Digitalisierung und einen guten Start für Wirtschaft nach der Corona-Krise: Das sind für Söder zentrale Themen, die nun angegangen werden müssten. „Nur gemeinsam geht das“, macht er mit Blick auf den Wahlkampf im Superwahljahr 2021 klar. Nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werde man gemeinsam über Programm und Personal beraten. Söder will nicht wieder Streit in der Union wie in der Migrationsfrage. „Egal wer Vorsitzender wird.“

CDU und CSU: Armin Laschet verabschiedet seinen Gast mit einem „Grüß Gott“ nach Bayern

Armin Laschet scheint anschließend begeistert von der Rede seines Kollegen aus Nürnberg zu sein. Bei einem nicht-digitalen Format hätte es „minutenlangen Beifall“ gegeben, mutmaßt Laschet. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass Mitglieder aufgestanden wären.“ Und auch er ist noch nicht fertig mit dem Lobgesang: Der CSU-Chef und Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hätten die Partei wieder eng zusammengebracht. Mit einem freudigen Blick in die Zukunft - vermutlich mit der Hoffnung, bald selbst mit ihm als CDU-Chef zusammenarbeiten zu können - verabschiedet sich Laschet mit einem „Grüß Gott“ nach Bayern.

Doch die Frage steht im Raum, wie sich Laschet und Söder verhalten werden, wenn im Laufe des Jahres in der CDU die Machtfrage gestellt wird. Laschet als Parteivorsitzender, Söder als Kanzler: Beim Neujahrsempfang hatte man den Eindruck, das könnte gut gehen. Doch Laschet machte bisher keine Andeutungen, die Kanzlerkandidatur anderen zu überlassen. Auch nicht in den angeblichen Diskussionen mit Jens Spahn (CDU) und dessen möglichen Ambitionen, Kanzler werden zu wollen. Wie und ob solche Fragen demnächst aufkommen, klären im ersten Schritt die Delegierten auf dem CDU-Parteitag am kommenden Samstag. (cibo)

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