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Söder spricht Klartext zu Umfrage-Tief für Laschets Union: „Nicht ausreichend“

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Von: Mike Schier, Andreas Schmid

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Markus Söder zu Gast im Münchner Pressehaus
Markus Söder zu Gast im Münchner Pressehaus. Der CSU-Chef sprach im Interview über Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet. © Marcus Schaf

Armin Laschet ist Kanzlerkandidat der Union. Im Interview spricht Markus Söder nun über seinen Widersacher - und einen möglichen Kanzlertausch.

München - Die Umfragewerte der Union sind mau. Im aktuellen Deutschlandtrend von ARD liegt die CDU/CSU, wenn es um den Wunsch nach der Regierungsverantwortung geht, sogar gleichauf mit der SPD. Kanzlerkandidat Armin Laschet kommt auf persönlich noch schlechtere Umfragewerte. SPD-Mann Olaf Scholz ist ihm laut den Demoskopen deutlich enteilt. Die Stimmung innerhalb der Union ist dementsprechend schlecht. Das weiß auch Markus Söder – der an der aktuellen Situation womöglich nicht ganz unbeteiligt ist.

Bundestagswahl: Söder erkennt „eine große Unruhe“ in der Union - „nicht ausreichend“

Im Interview mit dem Münchner Merkur attestierte der CSU-Chef der Union rund fünf Wochen vor der Bundestagswahl „eine große Unruhe, was angesichts der Umfragen verständlich ist.“ Söder selbst hatte die schlechten Zustimmungswerte zuletzt immer wieder – intern wie öffentlich – angeprangert. Die aktuellen Umfragen, in denen die Union mittlerweile immer öfter unter 25 Prozent liegt, seien „besorgniserregend“, sagte Söder in einer Präsidiumssitzung. „Das ist nicht ausreichend“, ergänzte er nun im Interview.

Ein Schuldiger für die Talfahrt scheint obendrein schnell ausgemacht – Armin Laschet. Söder stichelt immer wieder gegen seinen Widersacher. In der Regel subtil, doch wer zwischen den Zeilen liest, erkennt klare Attacken. Zuletzt forderte Söder mehr Tempo im Wahlkampf, es gehe nicht darum, „im Schlafwagen ins Kanzleramt zu fahren“. Laschet sei dennoch ein „sehr guter Kanzlerkandidat“, den er „ohne Groll“ unterstütze, meinte Söder obendrein. Das mag man dem Franken sogar glauben, dennoch schwingt stets ein gewisser Unterton mit: Ich wäre der bessere Kandidat.

Markus Söder: „In Bayern hätten wir vielleicht ein besseres Ergebnis erzielen können wäre ich Kanzlerkandidat geworden“

Diese Interpretation seiner Aussagen schilderte Söder im Interview mit dem Münchner Merkur nun gar vollends unverblümt. „In Bayern hätten wir vielleicht ein besseres Ergebnis erzielen können, wäre ich Kanzlerkandidat geworden“, meint der CSU-Vorsitzende. „Aber das ist Schnee von gestern.“ Das verlorene Duell um die K-Frage also abgehakt?

Fest steht, dass derartige Aussagen dem ohnehin schon strauchelnden und in den Umfragen weniger beliebten Laschet nicht wirklich weiter helfen. Der Parteivorsitzende der CDU gerät mittlerweile auch innerhalb der eigenen Partei in die Kritik. „Das überzeugt niemanden“, sagt selbst CDU-Mann Daniel Günther. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident setzte sich im Kanzler-Streit mit am stärksten für Laschet ein. (Mit unserem brandneuen Politik-Newsletter bleiben Sie im Endspurt Richtung Bundestagswahl stets auf dem laufenden Stand.)

Bundestagswahl: Söder schließt Kanzlertausch aus - „das macht wenig Sinn“

Söders Aussagen wirken insgesamt wie eine Mischung aus Laschet-Kritik und -Unterstützung. In Bayern habe man „ganz bewusst ausführlich den Kanzlerkandidaten plakatiert“, schildert Söder. „Denn es kommt auf den Kanzlerkandidaten an – das war schon bei Adenauer, Kohl und Merkel so. Heute ist die Personalisierung in der modernen Demokratie sogar noch stärker.“ Darüber hinaus plakatiere die CSU auch den Spitzenkandidaten Alexander Dobrindt sowie zusätzlich das Konterfei des Ministerpräsidenten. Das Aufstellen von Söder-Plakaten geschehe „auf Wunsch vieler Abgeordneter“.

Keine Frage, innerhalb der CSU wirkt man ziemlich unzufrieden mit dem gemeinsamen Kanzlerkandidaten aus Nordrhein-Westfalen. Der Rheinländer Laschet sorgt im Franz-Josef-Strauß-Haus zumindest nicht für die größte Euphorie. Debatten um ein Austauschen des Kanzlerkandidaten, wie sie teilweise auch über die Grünen geführt werden, schob Söder allerdings einen Riegel vor. „Es sind alle Entscheidungen gefallen. Die Wahlzettel sind gedruckt, die Plakate gestaltet. Das macht wenig Sinn.“ Auf Nachfrage stellt Söder zudem eindringlich klar: „Armin Laschet ist Kanzlerkandidat von CDU und CSU.“ Ob er diese Entscheidung gut findet, sagte er nicht. (as/ms)

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