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Union zerlegt sich nach Wahl-Fiasko selbst: Fehler von Söder, Laschet und Brinkhaus offen genannt

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Von: Andreas Schmid

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Während des Deutschlandtags der Jungen Union wird nicht mit Kritik gespart. Während Armin Laschet selbstkritisch ist, weicht Markus Söder aus.

Münster - Während SPD, Grüne und FDP im Rekordtempo zur Ampel-Koalition eilen, ist die CDU/CSU mit der Fehleraufbereitung nach der Bundestagswahl beschäftigt. Wer hat Schuld am enttäuschenden Abschneiden (24,1 Prozent, -8,8 im Vergleich zu 2017)? Kanzlerkandidat Armin Laschet? CSU-Stichler Markus Söder? Beide geraten innerhalb der eigenen Partei zumindest in die Kritik. Diese trifft auch Fraktionschef Ralph Brinkhaus.

CDU/CSU: Güler kritisiert Laschet - „Da hat er einen Fehler gemacht“

CDU-Bundesvorstandsmitglied Serap Güler bescheinigte Laschet einen entscheidenden Fehler im Bundestagswahlkampf. „Nachdem er zum Parteivorsitzenden wurde, hätte er direkt klar machen müssen, dass er Kanzlerkandidat der Union wird“, sagte Güler dem Kölner Stadt-Anzeiger. „Aber in der Hoffnung, sich mit der CSU und damit Markus Söder einigen zu können, wurde die Entscheidung verschoben. Da hat Armin Laschet einen Fehler gemacht.“ Das Verhältnis von Güler zu Laschet gilt als gut, beide kommen aus Nordrhein-Westfalen.

Güler kritisierte außerdem, dass immer wieder Details aus vertraulichen Runden von Teilen ihrer Partei an die Medien weitergegeben würden. Alle würden meckern, aber trotzdem passiere es weiter, so Güler: „Dass Leute aus der Partei Details aus den ersten Gesprächen mit FDP und Grünen an die Presse durchgestochen haben, war der größte Fehler nach der Wahl.“ Laschet wolle daher sogar ein Handy-Verbot für CDU-Sitzungen einführen. Der Aachener selbst zeigte sich selbstkritisch. „Den Wahlkampf, die Kampagne, habe ich zu verantworten und sonst niemand“, sagte er beim „Deutschlandtag“ der Jungen Union am Wochenende. Laschet, der von den jungen Mitgliedern auch kritisiert wurde, erntete Applaus für seine selbstkritischen Worte.

„Deutschlandtag“ der Jungen Union

Der Deutschlandtag ist das höchste Gremium der Jungen Union Deutschlands. Zu dem jährlich stattfindenden Treffen kamen 318 Delegierte aus allen 18 Landes- und den Auslandsverbänden nach Münster. 

CDU/CSU: Althusmann geht Söder an - „Er ist ausgewichen“

Ebenso kritische Worte gab es derweil in Richtung Markus Söder. Der niedersächsische CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann warf dem CSU-Chef vor, die Aufarbeitung des Wahldebakels der Union zu verschleppen. Indem Söder seinen Auftritt beim „Deutschlandtag“ abgesagt habe, habe er die Klärung vertagt, sagte Althusmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Laschet hingegen habe beim JU-Kongress vollumfänglich die Verantwortung übernommen, er sei aber nicht allein verantwortlich, mahnte Althusmann. „Die Ursachen liegen in fehlendem Zusammenhalt und Teamgeist. Das Fundament einer Union hat Schaden genommen. Die CSU hatte daran zumindest einen gehörigen Anteil.“ Laschet habe sich der JU gestellt. „Markus Söder ist ausgewichen und hat so die Auseinandersetzung vertagt.“

Junge Union: „Machen Sie sich mal ehrlich. Hinterfragen Sie sich mal selber, was Sie gemacht haben“

Die Junge Union sparte am Wochenende nicht mit Vorwürfen und Attacken in Richtung der eigenen Leute. Die beiden Generalsekretäre Paul Ziemiak (CDU) und Markus Blume (CSU) mussten sich etwa Vorwürfe hinsichtlich der Fragenbeantwortung beim Wahl-O-Mat gefallen lassen. NRW-JU-Chef Johannes Winkel bilanzierte mit Blick nach München: „Wer so nachtritt wie Markus Söder, sollte nicht über Stilfragen reden, sondern zur Beichte gehen.“ Scharf angegangen wurde aber auch Fraktionschef Ralph Brinkhaus. Er hatte die Ampel-Koalition als Gefahr für die Bundeswehr bezeichnet.

Die CDU sei „nicht in der Lage, in 16 Jahren die Bundeswehr auszustatten und zu reformieren“, sagte JU-Mitglied Hagen Blöcher. „Aber dann wenn es heiß wird, wenn in Kabul ein Flughafen gesichert werden muss, dann sind wir noch so dreist, unser eigenes politisches Versagen auf die politischen Gegner abzuschieben“. In Richtung Brinkhaus sagte Blöcher: „Machen Sie sich mal ehrlich. Hinterfragen Sie sich mal selber, was Sie gemacht haben.“ Keine Frage, die Lage in der Union ist ernst. Mehrere jüngere Umfragen sahen die CDU/CSU zuletzt bei unter 20 Prozent. (as mit Material der dpa)

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