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Parteikollegen, aber auch Rivalen: Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn.

AKK in Nöten

Jeder gegen jeden in der CDU: Was hinter der Schlammschlacht steckt

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Um die Kanzler-Nachfolge von Angela Merkel ist ein heftiger Machtkampf im Gange, bei dem sich zwei Fronten formiert haben. Am Ende könnte es sogar einen lachenden Dritten geben.

München/Berlin - Die CDU kommt nicht zur Ruhe! Nach den Attacken auf Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel formierten sich am Mittwoch die Verteidiger der CDU-Chefin und der Kanzlerin. 

Jeder gegen jeden: Wir versuchen, Klarheit in die Kampflinien dieser Schlammschlacht innerhalb der Union zu bringen:

CDU: Drei Aufständische eint die gleiche Überzeugung

Annegret Kramp-Karrenbauer: Auch wenn Friedrich Merz und Roland Koch in erster Linie die Kanzlerin kritisieren: Gemeint ist vor allem die CDU-Chefin. Denn Angela Merkel stürzen können die CDU-Aufständischen nicht – wohl aber der CDU-Chefin das Vorrecht auf die Kanzlerkandidatur streitig machen. Die Merkel-Gegner Merz und Jens Spahn sowie den Merkel-Anhänger Armin Laschet eint eine Überzeugung: Sie selbst könnten es besser als AKK...

Angela Merkel: Doch die Kritik an der Kanzlerin ist nicht nur taktischer Natur. Ihr Schweigen zum CDU-Wahldesaster in Thüringen, aber auch zum Streit zwischen AKK und Außenminister Heiko Maas zur Syrien-Politik oder zur Grundrente verärgert viele in der Union, die hier Führung vermissen.

Daniel Günther: Dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten werden zwar keine eigenen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur nachgesagt, aber er sieht sich als Sprecher einer jungen, liberaleren CDU – und spottet deshalb über die erzkonservativen CDU-Rebellen: Hier handle es sich um eine Debatte, „die von älteren Männern geführt wird, die vielleicht nicht ihre Karriere-Ziele in ihrem Leben erreicht haben“.

Friedrich Merz: Nach seiner Niederlage im Ringen um den CDU-Vorsitz gegen AKK versprach er der CDU-Chefin seine Loyalität. Doch angesichts der massiven Unzufriedenheit mit AKK wittert er jetzt seine Chance – und kann gleichzeitig Rache an Merkel dafür üben, dass sie ihn vor 17 Jahren (!) vom Unions-Fraktionsvorsitz verdrängt hat. Somit ist er einer der größten Kritiker von AKK, doch nun schlägt Friedrich Merz leisere Töne an. Dennoch erwarten nicht wenige, dass es auf dem Bundesparteitag am 22. und 23. November zu einem Schlagabtausch kommen könnte. Grund hierfür ist auch Merz‘ Rede auf dem Landestag der Jungen Union Baden-Württemberg.

CDU: Merz gegen „AKK“ - Oder wird Laschet der lachende Dritte?

Roland Koch: Der hessische Ex-Ministerpräsident ist eigentlich raus aus der aktiven Politik. Insofern ist seine seitenlange Breitseite gegen Merkel im Magazin Cicero zum einen Ausdruck der Sorge eines konservativen CDU-Urgesteins um seine Partei, zum anderen aber auch Schützenhilfe für Merz: Koch wie Merz werden dem „Andenpakt“ in der CDU zugerechnet, einem bereits 1979 gegründeten Männerbund in der Partei, der immer wieder (erfolglos) gegen Merkel agitierte. Auch Elmar Brok, der AKK mit dem CSU-Vorstoß ärgert, gehört zu diesem auf einen Nachtflug nach Südamerika gegründeten informellen Club.

Jens Spahn: Der Gesundheitsminister hält sich mit offener Kritik zurück, versucht aber über seinen Fleiß als Gesundheitsminister zu punkten: „Gute Sach­debatten mit Profil machen immun gegen Personaldebatten“, sagte er deshalb – und meinte wohl seine eigene „gute Sacharbeit“.

Armin Laschet: Der NRW-Ministerpräsident hat anders als Spahn oder Merz schon Wahlen gewonnen. Und anders als die beiden konservativen AKK-Kontrahenten ist er eher ein Politiker der Mitte – und unterstützte Merkel in der Flüchtlingspolitik. 

Aber dass auch er sich für den besseren Kanzlerkandidaten als AKK hält, ist klar – schließlich siegte er im bevölkerungsreichsten Bundesland und nicht nur im Mini-Saarland wie AKK. Laschet greift AKK nicht grundsätzlich, sondern bei Sachthemen an. So kritisierte er ihren Syrien-Plan. Am Ende könnte er der lachende Dritte im Merz-AKK-Machtkampf sein.

Inmitten der Personaldebatten mischen sich kurz vor dem CDU-Parteitag auch Greenpeace-Aktivisten ein. Sie stehlen das C des CDU-Logos an der Parteizentrale. Stattdessen hinterlassen sie am Konrad-Adenauer-Haus eine Botschaft: „Du sollst...“

Auf dem Parteitag in Leipzig diskutiert die CDU über ein Kopftuchverbot. Peter Tauber provoziert dabei mit einem Foto auf Twitter.

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