Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gibt eine Pressekonferenz im Gesundheitsministerium 
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Gesundheitsminister Jens Spahn: Will er Kanzlerkandidat der Union werden?

Medienberichte

Geheime Kanzler-Telefonate: Spahn soll an Bruch des Pakts mit Laschet denken - „Er hat mir gegenüber klargemacht ...“

  • Cindy Boden
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Jens Spahn steht wegen der Corona-Impfungen in der Kritik, seine Umfragewerte sind dennoch nahezu überragend. Das scheint er nun nutzen zu wollen, um persönlich mehr zu erreichen.

  • Gesundheitsminister Jens Spahn soll seine Chancen als Kanzlerkandidat für die Union ausloten.
  • Ein Sprecher wies die Berichte jedoch zurück.
  • Wer Kanzler der Union wird, ist noch völlig offen.

Update vom 9. Januar, 19.40 Uhr: „Nein, ich trete als stellvertretender Vorsitzender der CDU an“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn der Welt am Sonntag- als Reaktion auf Berichte, er sondiere seine Chancen als CDU-Kanzlerkandidat. Er spreche vor dem digitalen CDU-Parteitag mit vielen Partei-Mitgliedern. „Und natürlich kommen dabei auch mal Themen zur Sprache, die in der Partei und der Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Frage, wer die Union in die nächste Wahl führt, gehört dazu. Aufgeworfen habe ich diese Diskussion nicht. Das wird eine Entscheidung, die CDU und CSU gemeinsam besprechen. Den Parteivorsitzenden kommt dabei die führende Rolle zu“, betonte Spahn.

Erstmeldung vom 8. Januar, 13.40 Uhr: Berlin - Armin Laschet und Jens Spahn (beide CDU) wollten Teamfähigkeit beweisen, als sie sich gemeinsam im Rennen um den CDU-Vorsitz aufstellten. NRW-Ministerpräsident Laschet sollte Vorsitzender der Partei werden, Gesundheitsminister Spahn sein Unterstützer. Doch nun schmiedet Spahn angeblich eigene Pläne.

Spiegel und Bild berichten übereinstimmend, Spahn habe Ende 2020 viele Telefonate mit einflussreichen CDU-Politiker geführt, um seine Chancen für eine Kanzlerkandidatur bei der Bundestagswahl im September 2021 auszuloten.

Seit Wochen kursieren Gerüchte, CDU-Anhänger versuchten den in der Corona-Pandemie immer wieder im Rampenlicht stehenden Spahn zu überreden, aus dem Tandem mit Laschet hervorzutreten. In Umfragen stand Spahn zuletzt sehr gut da - sogar besser als Kanzlerin Angela Merkel.

Spahn als Kanzlerkandidat? Minister soll CDU-Politiker um ihre Meinung gefragt haben

Auch vor diesem Hintergrund wandte sich Spahn laut Spiegel in Telefonaten an Landtagsabgeordnete, Fraktionskollegen und Landesfunktionäre - das habe ein „halbes Dutzend CDU-Mitglieder“ bestätigt. Offenbar wollte der Bundesgesundheitsminister Meinungen zu einer möglichen Kanzlerkandidatur einholen. „Jens Spahn hat mir gegenüber klargemacht, dass er für eine Kanzlerkandidatur offen ist, wenn seine Umfragewerte im März wesentlich besser sind als die von Laschet“, zitiert Bild einen CDU-Landes-Fraktionschef.

Außerdem soll Jens Spahn ebenfalls nach Informationen des Spiegel „über Umwege“ versucht haben, Laschet zum Aufgeben zu bewegen - zu seinen eigenen Gunsten. Auch der CDU-Vize und hessische Ministerpräsident Volker Bouffier soll Armin Laschet wegen eines Rollentauschs angesprochen haben. Doch dieser habe abgelehnt.

Laschet will wohl weiterhin unbedingt selbst das Ruder an sich reißen. Seine Umfragewerte machten zuletzt einen deutlichen Sprung nach oben: Mit einem Plus von zehn Prozentpunkten stiegen Laschets Werte auf 25 Prozent im Vergleich zum November, so das Ergebnis einer Infratest-Dimap-Umfrage im Auftrag der ARD unter CDU-Anhängern. Damit lag er gleichauf mit Mitbewerber Norbert Röttgen, aber weiter hinter Friedrich Merz (29 Prozent).

Spahn als Kanzlerkandidat? Armin Laschet will es wohl lieber selbst machen

Erst vor wenigen Tagen ließ Laschet in einem Stern-Interview durchblicken, dass er sich die Nachfolge von Merkel zutraue. „Ein Bruch mit Angela Merkel wäre exakt das falsche Signal“, zitiert ihn das Magazin.

Laut Spiegel teilte ein Sprecher von Spahns Ministerium wiederum mit: „Der Minister tauscht sich ständig mit Parteimitgliedern aus. Dabei geht es selbstverständlich auch um die Stimmung vor dem Parteitag, die Unterstützung für das Team mit Armin Laschet und die beste Aufstellung von CDU und CSU für das Wahljahr.“ Die Bild erhielt als Antwort auf die Frage nach Sondierungsabsichten: „Nein, das stimmt nicht.“

CDU-Vorsitz und Kanzlerkandidatur: Noch völlig offen, wer es wird

Sowieso scheint sich die Union dieses Jahr nicht ganz so schnell festlegen zu wollen, wer ihr Kanzlerkandidat werden soll. Vor allem die CSU und Markus Söder drängen darauf, sich - nicht zuletzt wegen der Corona-Krise - mehr Zeit zu lassen. Auch die seit bald einem Jahr scheidende CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hält die K-Frage noch für völlig offen. „Möglich ist alles“, sagte sie der Saarbrücker Zeitung. „Es bleibt klug, sich die Situation im Frühjahr genau anzuschauen.“

Am 15. und 16. Januar findet der digitale Parteitag der CDU statt, auf dem der neue Vorsitzende bestimmt werden soll. Neben Armin Laschet treten in erster Reihe auch Außenexperte Norbert Röttgen und Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz an. (cibo)

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