Friedrich Merz (l-r), Norbert Röttgen und Armin Laschet, sitzen vor Beginn eines Online-Video-Talkformat
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Die drei bekanntesten Bewerber für den Vorsitz der CDU Friedrich Merz (l-r), Norbert Röttgen und Armin Laschet.

Kampf um Merkels Erbe

„Dieses Interview nimmt keine gute Richtung“: Deutet sich hier der fünfte Kanzleranwärter an?

  • Philipp Fischer
    vonPhilipp Fischer
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Auf dem CDU-Parteitag könnte sich vorentschieden, wer die Union bei den Bundestagswahlen ins Rennen führt - oder auch nicht.

  • Am 16. Januar wird der neue CDU-Vorsitzende gewählt.
  • Vor wenigen Wochen brachte sich bereits ein vierter Kandidat ins Rennen um den Parteivorsitz.
  • Ralph Brinkhaus sieht den CDU-Vorsitzenden nicht automatisch als Kanzlerkandidat der Union.

Berlin - In wenigen Tagen wird auf dem digitalen Parteitag der CDU ein neuer Parteivorsitzender gewählt. An diesem Tag könnte auch eine Vorentscheidung darüber fallen, wer die Union bei den Bundestagswahlen dieses Jahr anführt.

Doch nicht nur Markus Söder und Armin Laschet bremsen in dieser Frage. Auch Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus zweifelt in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung an diesem meist praktizierten Automatismus. Laut Brinkhaus muss der CDU-Parteivorsitzende nicht automatisch der designierte Kanzlerkandidat der Union sein. Doch das Gespräch lieferte auch weiteren Stoff für Spekulationen.

Brinkhaus: CDU- oder CSU-Chef muss nicht automatisch Kanzlerkandidat werden

Brinkhaus stellte klar: „Wir stimmen am 16. Januar über einen Vorsitzenden ab - und über sonst nichts. Dieses Amt ist keine Durchgangsstation für den nächsten Posten.“ Brinkhaus öffnet damit neuen Kandidaten das Feld. Auf die Frage, ob jemand anderer als die Parteivorsitzenden von CDU und CSU Kanzlerkandidat werden könnte, antwortete der CDU-Politiker: „Ja. Es gibt mehrere Personen in der Union, denen ich diese Aufgabe zutrauen würde.“ Bislang war weithin davon ausgegangen worden, dass entweder der neu gewählte AKK-Nachfolger oder CSU-Vorsitzender Markus Söder die Unionsparteien bei der Bundestagswahl anführen würde.

Will sich Brinkhaus als CDU-Kanzlerkandidat aufstellen lassen?

Sollte Brinkhaus mit seiner Einschätzung den Zeitgeist in der Union treffen, hätten in der Bevölkerung beliebte CDU-Politiker wie Gesundheitsminister Jens Spahn Chancen auf eine Kanzlerkandidatur. In Umfragen liegt Spahn vor Merz oder Röttgen. Doch Brinkhaus meint, dass Umfragewerte nicht überbewertet werden sollten „Gute Umfragewerte helfen, sind aber nicht allein entscheidend. Außerdem weiß heute niemand, wo wer am Wahltag im September steht“, meint Brinkhaus.

Darüber hinaus stellt sich noch die Frage, bis wann entschieden werden soll, wer der Kanzlerkandidat der Union wird. Der 52-Jährige schlug vor, bis nach Ostern zu bestimmen, wer der Kandidat der Unionsparteien wird. Ob er selber Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur hat, ließ Brinkhaus unbeantwortet. Vielmehr wich er der Frage zunächst aus und antwortete „Dieses Interview nimmt keine gute Richtung“.

Der Fraktionschef fügte allerdings hinzu: „Ich habe gelernt: Für den Vorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist es nie klug, in solchen Situationen kategorisch Nein zu sagen“, sagte er. „Die Fraktion, und damit ihr Vorsitzender, muss immer den Anspruch haben, eine führende Rolle zu spielen. Aber wir haben ja drei Kandidaten.“ Zugleich betonte Brinkhaus auch seine Motivation für seinen aktuellen Posten. „In diesem Amt kann man viel bewegen. Und meine Fraktion und ich haben noch eine Menge Ideen.“

Rennen um CDU-Vorsitz: Noch ist in der Wahl nichts entschieden

Erst kürzlich begab sich ein weiterer Kandidat ins Rennen. Der Marburger Unternehmer Andreas Ritzenhoff hatte vor zwei Wochen angekündigt sich ebenfalls, um das Amt des CDU-Vorsitzenden zu bewerben. Derzeit befinden sich neben Ritzenhoff noch Armin Laschet*, Friedrich Merz* und Norbert Röttgen* im Rennen. Die Entscheidung wer letztendlich den Vorsitz übernehmen und damit die Union in die Bundestagswahl 2021 führen wird, fällt am 15. und 16. Januar 2021 auf dem Digital-Parteitag der CDU. 1001 Delegierte können dann abstimmen, wer das Rennen machen soll. Aktuell liegt Merz in den Umfragen auf Platz eins, gefolgt von Röttgen auf Platz und Laschet auf Platz drei. (phf) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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