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„Rote Linie“: CDU-Mann stört SWR-Livesendung - jetzt drohen massive Konsequenzen

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Von: Markus Hofstetter

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SWR-Reporterin Akbari (l.) wird von CDU-Politiker Hornung gestört.
SWR-Reporterin Akbari (l.) wird von CDU-Politiker Hornung gestört. © Screenshot / SWR aktuell

Parteikollegen ziehen angesichts der Störung einer SWR-Liveschalte durch einen CDU-Stadtrat einen Vergleich mit Pegida. Sie fordern Konsequenzen, allerdings ohne Erfolg.

Mannheim - Die CDU kommt nicht aus den Negativschlagzeilen raus. Das bezieht sich nicht nur auf Bundesebene, wo die Partei das schlechte Resultat der Bundestagswahl zu erklären versucht. Das betrifft auch die Kommunalebene. Der Mannheimer CDU-Stadttrat Thomas Hornung hat für einen veritablen Eklat gesorgt, als er am Freitagabend (18. Oktober) während des Mannheimer CDU-Kreisparteitags in eine TV-Liveschalte des SWR eingriff.

Die CDU und das SWR-Liveschalte-Eklat: „kannte man bislang nur von Pegida-Demonstrationen“

Das soll nicht ohne Konsequenzen für den Hornung bleiben. Denn es gibt erste Stimmen aus der CDU, die seinen Parteiaustritt fordern. Die CDU-Landtagsabgeordneten Tim Bückner aus Schwäbisch Gmünd und Winfried Mack aus Aalen riefen den ehemaligen Büroleiter des früheren Mannheimer Kreisvorsitzenden Nikolas Löbel auf, die Partei zu verlassen. 

„Es gibt rote Linien, deren Überschreitung nicht mit der Mitgliedschaft in einer demokratischen Partei wie der CDU vereinbar sind“, sagte Bückner der Deutschen Presse-Agentur. Statt Demut und Bescheidenheit zu zeigen, habe Hornung die Pressefreiheit eingeschränkt. „Solche Angriffe müssen ja nicht immer körperlich sein“, so Bückner weiter. „Und das war eine Szenerie, wie man sie bislang nur von Pegida-Demonstrationen kannte.“ Es sei wichtig, ein solches Verhalten zu unterbinden, „bevor es Schule macht“. 

Die CDU und das SWR-Liveschalte-Eklat: Verursacher will keine Konsequenzen ziehen

Zuvor hatte bereits der baden-württembergische SPD-Generalsekretär Sascha Binder die CDU aufgefordert, sich bei der Reporterin und dem SWR zu entschuldigen. Es sei nicht hinnehmbar, wenn bei einer CDU-Veranstaltung in Anwesenheit der Landesgeneralsekretärin Isabell Huber eine Journalistin bei ihrer Arbeit behindert werde. „Das kannten wir bisher nur von AfD-Veranstaltungen“, sagte Binder am Samstag in Freiburg.

Hornung hat unterdessen die Austrittsforderungen aus seiner Partei zurückgewiesen. „Ich habe keinen Grund auszutreten“, sagte der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Sein Verhalten sei „situativ“ bedingt und auf professionelle Mängel des SWR-Teams zurückzuführen. Diese seien beispielhaft für die „erodierende Glaubwürdigkeit“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.

Die CDU und das SWR-Liveschalte-Eklat: Sender verteidigt Reporterin

Was war passiert? Hornung griff solange in den Livebeitrag der SWR-Reporterin Natalie Akbari ein, bis beide gebeten wurden, den Saal zu verlassen und Akbari die Schalte abbrach. Während er sein Vorgehen später verteidigte, machte ihm der SWR Vorwürfe. Der Platz sei der Reporterin vom Veranstalter zugewiesen worden.

Der Grund, warum Hornung die Haltung verlor, ist wohlmöglich, dass eine Thema des Kreisparteitages eine Masken-Affäre war, bei der Provisionen von rund 250 000 Euro an eine Firma seines ehemaligen Chefs Löbel flossen. Das Unternehmen soll die Gelder kassiert haben, weil sie Kaufverträge über Corona-Schutzmasken zwischen einem baden-württembergischen Lieferanten und zwei Privatunternehmen in Heidelberg und Mannheim vermittelte. Nach heftiger Kritik war Löbel aus der CDU ausgetreten und hatte sich aus dem Parlament zurückgezogen.

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