JU-Chef Kuban vor dem CDU-Parteitag

Junge Union fordert Kanzlerkandidaten-Urwahl: Es geht „nicht um die Person Kramp-Karrenbauer“

Der CDU-Parteitag in Leipzig könnte eine Vorentscheidung über die Merkel-Nachfolge bringen. Denn die Junge Union will eine Kanzlerkandidaten-Urwahl beantragen.

  • Tilman Kuban, Chef der Jungen Union, will beim CDU-Parteitag eine Kanzlerkandidaten-Urwahl beantragen.
  • Der Antrag könnte mit Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) zu tun haben.
  • Im Interview spricht Kuban auch über die schlechten Umfragewerte der CDU.

München - Der Vorstoß von JU-Chef Tilman Kuban (32) ist gefährlich für CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer: Kuban setzt wohl darauf, dass sein Favorit Friedrich Merz bei solch einer Urwahl gewinnen würde. Merz selbst sprach sich am Donnerstag ebenfalls für eine Urwahl aus. Zu eigenen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur sagte Merz, er fühle sich durch gute Umfragewerte „ermutigt, weiter mitzuarbeiten“. Wir haben mit JU-Chef Kuban gesprochen.

Kuban: „Fahre nicht mit Wut im Bauch zum Parteitag“

Herr Kuban, mit wie viel Wut im Bauch fahren Sie zum CDU-Parteitag?

Kuban: Ich fahre nicht mit Wut im Bauch, sondern mit viel Mut und Zuversicht zum Parteitag. Ich freue mich, dass wir über die Zukunftsagenda der CDU sprechen. Das haben wir lange nicht getan. Wir haben nun 14 Jahre Kanzlerschaft Angela Merkel hinter uns, und es ist jetzt an der Zeit, die Weichen dafür zu stellen, dass wir auch künftig den Kanzler stellen.

Woher nehmen Sie die Zuversicht?

Kuban: Wir sind eine starke Partei mit vielen verschiedenen und motivierten Mitgliedern. Wir sind Volkspartei und wollen das bleiben. Wir haben den Anspruch, Deutschland führen zu können und den Kanzler zu stellen. Das unterscheidet uns von der SPD. Kevin Kühnert möchte aus der Großen Koalition aussteigen, andere in der SPD erklären, erst gar keinen Kanzlerkandidaten mehr aufstellen zu wollen. Von daher bin ich zuversichtlich. Außerdem bin ich generell Optimist, und mir macht Politik Spaß.

Aber bei unter 30 Prozent in den Umfragen zu liegen, kann Sie doch nicht zufriedenstellen.

Kuban: Zufriedenstellen tut mich das nicht. Trotzdem sind wir weiterhin die Partei, die am besten aufgestellt ist, um die Herausforderungen der nächsten Jahre zu lösen. Wir setzen auf Innovation statt Verbote. Das ist Zukunft. Damit wir aber wieder bei den Wahlen besser abschneiden, müssen auch wir uns weiterentwickeln und besser werden. Dafür will die Junge Union Innovationsmotor sein. Denn wenn die Union regiert, geht es Deutschland besser.

Kuban: „Wenn in einem halben Jahr Hubertus Heil und Olaf Scholz auf der Matte stehen, ...“

Regierung ist ein gutes Stichwort. Es liegt ein Grundrenten-Kompromiss auf dem Tisch. Nun gibt es dazu einen JU-Antrag auf dem Parteitag. Was stört Sie am Kompromiss?

Kuban: Es geht jetzt um die konkrete Umsetzung des Kompromisses. Wir fordern eine generationengerechte Grundrente. Wenn in einem halben JahrHubertus Heil und Olaf Scholz auf der Matte stehen und erklären, wir können die Grundrente doch nicht mit einer europäischen Finanztransaktionssteuer gegenfinanzieren und bekommen den digitalisierten Datenabgleich nicht organisiert, dann ist eine bedingungslose Grundrente für alle, die aus dem Staatshaushalt finanziert wird, keine Lösung. An der Stelle muss sich die CDU hart positionieren. Wir dürfen uns bei der Umsetzung nicht über den Tisch ziehen lassen.

In einem anderen Antrag fordert die JU eine Kanzlerkandidaten-Urwahl. Was haben Sie gegen eine Kanzlerkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer?

Kuban: Annegret Kramp-Karrenbauer ist unsere gewählte Vorsitzende. Sie hat von sich aus klar gemacht, dass sie auch jetzt kein demokratisches Verfahren scheut. Auch nicht, wenn es um die K-Frage geht. Der JU geht es darum, dass die Mitglieder mehr eingebunden werden. Eine Urwahl ist ein Schritt hin zu einer modernen Volkspartei bei der alle mitmachen können – vom Neumitglied bis zum alten Hasen.

Es galt immer als ausgemacht, dass die CDU-Chefin den Erstzugriff auf die Kanzlerkandidatur hat. Wollen Sie uns nun wirklich weismachen, der Antrag hat nichts mit AKK zu tun?

Kuban: Sie hat selbst kürzlich erklärt, dass sie nie den CDU-Vorsitz mit der Kanzlerkandidatur verknüpft habe. Annegret Kramp-Karrenbauer möchte das Verfahren von vorne führen. Ich will es noch mal klarstellen: Uns geht es nicht um die Person Kramp-Karrenbauer, sondern darum, eine motivierte Parteibasis zu haben. Denn alle CDU-Mitglieder sind Multiplikatoren unserer Politik.

Interview: Florian Quanz

Nachdem sich zuvor Friedrich Merz schon fast als Kanzlerkandidat beim JU-Deutschlandtag in Stellung brachte, machte AKK bei ihrer Rede am Sonntag einiges an Boden gut.

Rubriklistenbild: © dpa / Felix Kästle

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