Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel fast privat - hier bei einem Empfang Anfang 2019.
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Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel fast privat - hier bei einem Empfang Anfang 2019.

„Hat nicht so funktioniert“

„Es gab solche Diskussionen“: AKK gewährt vor CDU-Wahl brisanten Einblick - Teile der Partei sägten an Merkels Stuhl

  • Florian Naumann
    vonFlorian Naumann
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Für die CDU endet am Wochenende die kurze Ära AKK. Kurz vor ihrem Abschied gibt die Parteichefin noch einmal Einblicke - und bestätigt, dass Teile der Partei an eine Kanzler-Rebellion dachten.

Berlin - Die Entscheidung über den neuen CDU-Chef naht. Endlich, könnte man sagen - denn klar ist seit knapp einem Jahr vor allem: Annegret Kramp-Karrenbauer wird es nicht mehr sein. Kurz vor ihrem Abgang hat die Frau an der Spitze der Christdemokraten Bilanz gezogen.

Nebst Kritik an einem „Wahlkampf-Ausrutscher“ im Wettkampf zwischen Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen, gab Kramp-Karrenbauer in ihrem jüngsten Interview auch Einblicke in das Innenleben der Partei - insbesondere in Bezug auf die ebenfalls 2021 scheidende Kanzlerin Angela Merkel. Sie bestätigte einen aus heutiger Sicht fast schon schwer vorstellbaren Vorgang: Umsturz-Pläne in der CDU gegen die Erfolgsgarantin Merkel.

CDU-Vorsitz: Kramp-Karrenbauer spricht vor Abtritt über ihr Verhältnis zu Angela Merkel

Klar ist, dass Kramp-Karrenbauer trotz am Ende zweijähriger Amtszeit als CDU-Chefin die Erwartungen vieler Beobachter*innen nicht erfüllt hat. Womöglich auch ihre eigenen nicht: Statt zur Kanzlerkandidatin avancierte „AKK“ nach gerade einmal 14 Monaten zur „Lame Duck“ an der Spitze der Volkspartei. Vorausgegangen waren Flops etwa im Umgang mit CDU-kritischen Influencer*innen oder bei misslungen Karnevalswitzen.

Harsche Kritik hatte sie in ihrer Amtszeit einstecken müssen. Viele in der CDU sehnten sich nach der langen Ära Merkel und den Kompromissen in der großen Koalition nach einer klareren konservativen Positionierung. Doch Kramp-Karrenbauer konnte sich neben der übermächtigen Kanzlerin nicht als eigenständige politische Impulsgeberin etablieren. Zudem knirschte es offenbar auch in der Zusammenarbeit mit Merkel.

So wollte Kramp-Karrenbauer im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht dementieren, dass sie von Merkel bereits Anfang 2019 als mögliche Kanzler-Nachfolgerin fallengelassen wurde. Sie rückte die Probleme in Zusammenhang mit den damaligen „Werkstattgesprächen“ zum Thema Migration. „Dass das zu Debatten zwischen Angela Merkel und mir geführt hat, ist bekannt“, räumte die Saarländerin ein - und verteidigte zugleich ihre damalige Linie: Die Idee habe „der CDU gutgetan“ und auch der Wiederannäherung an die CSU gedient.

Merkel zwischenzeitlich vor der Kanzler-Rebellion - AKK bestätigt: „Es gab damals eine solche Diskussion“

Durchaus pikant: Kramp-Karrenbauer betonte zwar, dass sie „nie erwogen“ habe, Merkel frühzeitig aus dem Kanzleramt zu drängen. Zugleich räumte sie aber ein, dass es zum damaligen Zeitpunkt in der CDU gärte: „Es gab damals eine solche Diskussion bei manchen in der CDU“, erklärte sie.

Auch an anderer Stelle ließ die scheidende CDU-Chefin Kritik durchklingen: Die Konstellation mit der damals noch knapp drei Jahre als Kanzlerin amtierenden Merkel und ihr als Parteivorsitzende habe „nicht so funktioniert, wie wir uns das vorgestellt haben“, betonte AKK. Merkel habe „klipp und klar gesagt, dass sie die Legislaturperiode zu Ende machen will“ - so eine „Versuchsaufstellung“ habe es zuvor nicht gegeben.

Eigene Missgeschicke hatte Kramp-Karrenbauer schon zuvor eingeräumt. „Ich wünschte mir, ich selbst hätte weniger Fehler gemacht“, sagte Kramp-Karrenbauer der Saarbrücker Zeitung zuletzt. „Insofern habe ich meinen eigenen Anteil daran, dass die Zeit als Vorsitzende nun früher endet als gedacht.“

CDU-Parteitag am Wochenende: Kramp-Karrenbauer lobt Merkel - und kritisiert Merz

Mit ihrer Amtszeit zeigte sich Kramp-Karrenbauer dennoch zufrieden: Die Partei sei belebt, das Verhältnis zur CSU wieder „gut“, das Thema Klimaschutz wesentlich vorangekommen. Und auch den Wert Merkels für die CDU betonte die Noch-Vorsitzende. Man werde vor der Bundestagswahl kräftig um Unterstützung werben müssen, mahnte sie in dem FAZ-Interview. „Erst in den nächsten Wochen wird ja wirklich greifbar, dass die Ära Merkel endet.“

Auf einen Favoriten im Ringen zwischen Merz, Röttgen und Laschet wollte sich AKK übrigens nicht festlegen - sie rügte dafür Merz noch einmal für Verschwörungsvorwürfe in Zusammenhang mit der Verschiebung des Parteitags. Die Parteichefin rechnet in jedem Fall mit einem belastbaren Ergebnis am Ende des Online-Parteitags und nicht mit weiteren Querelen. Die Kandidaten hätten signalisiert, dass sie die „digitale ‚Vorauswahl‘ akzeptieren und die beiden Unterlegenen sich nicht auf den Wahlzettel setzen lassen, auch wenn das rechtlich möglich wäre.“ (fn mit Material von AFP)

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