Auf einer Leinwand im Konrad-Adenauer-Haus ist ein Video zu sehen.
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Dieses Video lief am Abend des Triells im Konrad-Adenauer-Haus.

Di Caprio soll helfen

CDU-Sprecher postet Motivations-Video am Rande des TV-Triells - und löscht es nach „Peinlich“-Vorwürfen

  • Fabian Müller
    VonFabian Müller
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Am Abend des Triells zeigte die CDU im Konrad-Adenauer-Haus einen Videoschnipsel aus einem bekannten Hollywood-Blockbuster. Unterlegt wurde der Clip mit kuriosen Untertiteln.

Berlin - Ob die Geschichte von Jordan Belfort, einem der bekanntesten Aktienbetrüger an den US-amerikanischen Börsen, als Vorlage taugt? Na ja, zumindest beginnt sie mit einem rasanten Aufstieg: Belfort verdient mit dem Geld von Anlegern Hunderte Millionen Dollar. Bis er nach Drogeneskapaden Ende der 90er überführt und seine Firma dichtgemacht wird. Regisseur Martin Scorsese formte gemeinsam mit Hauptdarsteller Leonardo DiCaprio 2013 einen Blockbuster aus dem Material, Belforts Geschichte wurde so einem Millonenpublikum bekannt.

Wohl auch in der CDU. Am Abend des zweiten Triells von der Bundestagswahl wurde im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin ein Video auf großer Leinwand abgespielt, das eine Szene aus dem Film „The Wolf of Wall Street“ zeigte. Freilich aber in modifizierter Form. Da steht also Leonardo DiCaprio als Belfort und hält eine seiner überbordenden Motivationsreden. In der CDU-Version ist das Ganze mit Untertiteln unterlegt, Belfort/DiCaprio beginnt darin: „Und wir überholen die Sozen.“ Am 26.9., dem Tag der Bundestagswahl, hieße das dann nämlich: „Ausgeschlumpft, lieber Olaf!“

Video in Konrad-Adenauer-Haus sorgt für Aufsehen: „Zur Not erzwingen wir es“

Und weiter: „Lasst uns jetzt rausgehen und lasst uns die Leute mit Armin Laschet gemeinsam überzeugen.“ Es folgt die wohl strittigste Szene, Belfort beziehungsweise DiCaprio plärrt jetzt ins Mikrofon: „Und zur Not erzwingen wir es. Wir erzwingen es und liegen 100.000 Stimmen vorne.“ Erzwingen? Nach demokratischer Politik klingt das nicht.

Das Video endet mit einem wiederum lautstarken: „Wir sind GESCHLOSSEN. Wir sind ENTSCHLOSSEN. Wir GEWINNEN DIESE BUNDESTAGSWAHL! Jetzt lasst uns 14 Tage durchkämpfen!“ Hier blendet der Clip aus. Im Konrad-Adenauer-Haus hört man im Anschluss Gelächter und Applaus, bei den Anwesenden scheint die Motivationsrede gut angekommen zu sein.

Nach Triell: CDU zeigt skurriles Video in Konrad-Adenauer-Haus - Reaktionen auf Twitter eindeutig

In den sozialen Netzwerken folgten schnell erste Reaktionen. „Tolle Botschaft auch für eine von Korruption geschüttelte Partei, ausgerechnet diesen Film zu zeigen, in dem es um strukturellen Beschiss geht. Klasse Idee“, schrieb beispielsweise der Autor Micky Beisenherz. Auch das Wort „peinlich“ war in den Kommentaren immer wieder zu finden.

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Das Video veröffentlichte die CDU übrigens selbst auf Twitter, namentlich Paul Schäfer, Sprecher der CDU in Sachsen-Anhalt. Weil es ihm dann wohl doch zu heikel wurde, löschte er den Tweet aber schnell wieder. Und Jordan Belfort? Der hat sich mittlerweile zurückgezogen, schreibt nun Bücher und hält Motivationsreden. Was Armin Laschet wohl dazu sagt? (fmü)

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