Debatte um Wahlkampffotos

CDU-Plakate mit „Fake-Polizisten“: Polizeigewerkschaft wird deutlich - „Das kann strafbar sein“

  • VonClara Marie Tietze
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Die CDU stellte am Dienstag die Wahlplakate für die Bundestagswahl vor. Nicht allen gefielen die Poster, es hagelte Kritik - auch von Seiten der Polizeigewerkschaft.

Berlin - Die Polizeigewerkschaft GdP reagierte mit Unverständnis auf die am Dienstag vorgestellten neuen Wahlplakate der CDU für die Bundestagswahl 2021. Auf einem der Poster ist vermeintlich eine junge Polizistin in Uniform zu sehen, die für den Slogan „Mit Sicherheit“ wirbt. Allerdings handelt es sich hierbei um Clara von Nathusius, eine Mitarbeiterin der Kommunikationsabteilung der Partei. Auch auf zahlreichen anderen Plakaten sind Mitarbeiter der Christsozialen zu sehen.

Der stellvertretenden Vorsitzende der GdP, Jörg Radek zeigte gegenüber der Bild-Zeitung kein Verständnis für die Vorgehensweise der CDU: „So wie Polizisten nicht in Uniform auf Parteiversammlungen gehen dürfen, sollten Parteien auch nicht mit Fake-Polizisten in unserem Outfit für sich werben. Wir sind nicht die Garnitur für Wahlprogramme“, sagte Radek. Außerdem sei die Polizei für alle Bürger da, nicht für Wahlprogramme - auch nicht die von Polizeifreunden. Er fügte hinzu: „Ohne Begleittext ‚Achtung! Wahlwerbung!‘ kann das auch strafbar sein.“

Die CDU-Wahlkampfplakate frisch aus dem Druck - inklusive Fake-Polizistin.

CDU-Mitarbeiter als Wahlkampfmodels: Einen Tag lang Pfleger sein

Die CDU setzt auf ihren neuen Plakaten für die Bundestagswahl im kommenden September besonders auf Nähe zum normalen Bürger. Hierfür erntete die Partei innerhalb kürzester Zeit bereits eine Menge negativer Kommentare. Denn die Partei gewann keine professionellen Models oder tatsächliche Polizisten, Pfleger und Ingenieure für das Shooting. Stattdessen verkleideten sich kurzerhand Mitarbeiter der Berliner Parteizentrale.

Die Plakate zeigen Personen in verschiedenen Berufen oder Alltagsituationen. Eine Familie mit kleinem Kind als Wahlmotiv für das Versprechen „Familien stärken“ und ein junges Mädchen für „Heute lernen was morgen zählt“. Auch Berufe, die gerade jetzt Außergewöhnliches leisten, sind vertreten. So beugt sich auf einem weiteren Plakat eine Dame in weißem Kittel und dem Leitspruch „Für ein gutes Leben im Alter“ über einen betagten Herren. Eine Pflegerin bei der Arbeit? Weit gefehlt: Hier zu sehen ist CDU-Vizesprecherin Isabelle Fischer.

CDU-Plakat-Shooting: Generalsekretär erklärt Auswahl - keine Zeit für Überprüfung

Paul Ziemiak erklärt die Model-Wahl einerseits mit der Rücksichtnahme auf strikte Corona-Beschränkungen und die begrenzte Zeit der Menschen in diesen systemrelevanten Berufen. Man wolle Polizisten, Pfleger und Ärzte gerade in der aktuellen Zeit nicht von ihrer wichtigen Arbeit abhalten. Andererseits spielen auch parteiinterne Überlegungen eine Rolle: Angesichts der späten Entscheidung für einen CDU-Spitzenkandidaten soll nicht genug Zeit für die Suche und Überprüfung echter Polizisten, Pfleger und Ingenieure gewesen sein. Man stelle sich vor, die nette Krankenschwester von den Wahlplakaten entpuppt sich im Nachhinein als Parteimitglied der Grünen.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

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