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Katrin Albsteiger (l), Chefin der Jungen Union hat internen Ärger

Zu wenig Kandidatinnen

Seehofer und sein Frauen-Problem

München - Horst Seehofer will die Frauen in der CSU mehr fördern. Er hat auch viele Posten - aber wenig Kandidatinnen. Nun will auch noch die Junge Union ihre Chefin wegräumen.

An warmen Worten fehlt es nicht. Ein ums andere Mal beteuerte Horst Seehofer, er wolle die Frauen in der CSU mehr fördern. Eine 40-Prozent-Quote gab sich die Partei, benannte viele Spitzenkandidatinnen – dennoch steht der Parteichef vor einem dicken Frauenproblem. Bei den Kabinettsbildungen in München und Berlin fehlen ministrable Damen.

In Berlin drängt sich keine auf, die das Zeug zur Bundesministerin hätte. Nur Gerda Hasselfeldt, heißt es, könne man (wie 1989) in ein Kabinett senden; dann würde ihr Posten als Landesgruppenchefin frei. Für einen Mann.

Knapp wird es auch in der Staatsregierung. Seehofer bastelt unter Geheimhaltung ein neues Kabinett. Ministrable Frauen in der Regierung hat er wenige: Christine Haderthauer und Ilse Aigner schätzt er sehr, austauschen würde er wohl gerne Emilia Müller (Europa, zu blass) und Beate Merk (Justiz, Mollath-Affäre). Noch aber hat er keiner den Laufpass gegeben – Seehofer weiß, dass er kaum mit einem stark männerlastigen Kabinett vor die Presse treten könnte.

In seinen Varianten, die er für das 17-köpfige Kabinett erarbeitet hat, spielen deshalb Merk und Müller bis jetzt noch eine Rolle – in einem der Pläne verschoben auf ein geschrumpftes Europa- und ein halbes Sozialressort. So käme er auf vier Ministerinnen. Im Fall der Aufwertung von Staatssekretärin Melanie Huml, gelernte Ärztin, sogar auf fünf. Dazu bräuchte man allerdings ein eigenes Gesundheitsministerium. Quereinsteigerinnen außerhalb der Fraktion sind nicht in Sicht.

Nachrücker als Staatssekretärinnen zu finden, fällt leichter. In Fraktionskreisen fallen wiederholt die Namen von Reserl Sem (Niederbayern), Angelika Schorer (Schwaben), Ulrike Scharf und Kerstin Schreyer-Stäblein (Oberbayern). Seehofer hat das aber nicht entschieden. Sein Zeitplan: Bis gestern Abend mit Juristen beraten, wie er die Zuschnitte der Ministerien ändern darf, heute Fraktionschef Thomas Kreuzer einweihen, weitere Gespräche, morgen die letzten Betroffenen informieren, am Nachmittag die Fraktion.

Wer in welchem Bundesland regiert

Wer in welchem Bundesland regiert

Dass Seehofer selbst ernst ist mit Frauenförderung, hatte er zumindest auf Beamten-Posten bewiesen. Die Spitzen der Staatskanzlei auf Arbeitsebene: beides Chefinnen. Da wird ihm wenig gefallen, dass in der Partei gerade eine Hoffnungsträgerin kippt: Die Junge Union arbeitet an einem Putsch gegen die Landesvorsitzende Katrin Albsteiger. Die 29-Jährige soll vor der Landesversammlung in anderthalb Wochen zum Rückzug gezwungen oder dort abgewählt werden. Zwei der allesamt von Männern geführten Bezirksverbände fassten nach Informationen unserer Zeitung klare Vorstandsbeschlüsse gegen Albsteiger: ihre Heimat Schwaben mit Zweidrittel-Mehrheit, Oberbayern einstimmig.

Albsteiger gilt als CSU-Hoffnungsträgerin, der „Spiegel“ widmet ihr ganze Seiten (Titel: „Schwarz, blond, hip“) und Fotostrecken online. Vielen im Parteinachwuchs ist sie aber zu schwach, wenig präsent und inhaltsarm. Der schwäbische Landtagsabgeordnete Hans Reichhart hat intern seine Gegenkandidatur erklärt. Er wird im Kampf gegen die junge Frau unterstützt vom Oberbayern-Bezirkschef Tobias Zech. Unangenehme Situation für Seehofer: Er erzählte bisher bei jeder Gelegenheit der Presse, für welch großes Talent er Zech hält.

cd

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