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US-Verteidigungsminister Chuck Hagel sagte am Donnerstag vor Journalisten in Abu Dhabi, dass in Syrien auch der Nervenkampfstoff Sarin eingesetzt worden ist

Auch Großbritannien ist sich sicher

USA: Es gab Giftgas-Einsätze in Syrien

Washington - Die USA und Großbritannien haben offenbar gesicherte Informationen über Chemiewaffen-Angriffe in Syrien. Dabei sei auch der Nervenkampfstoff Sarin eingesetzt worden.

Im syrischen Bürgerkrieg hat das Regime in Damaskus offenbar auf Chemiewaffen zurückgegriffen. Davon gingen die US-Geheimdienste mit einiger Sicherheit aus, teilte das Weiße Haus am Donnerstag mit. Allerdings seien noch weitere stichhaltige Beweise nötig, sagten US-Regierungsvertreter. Zu einer Ausweitung ihres Engagements im Syrien-Konflikt seien die USA nicht bereit. Präsident Barack Obama hatte vor einem Einsatz von Chemiewaffen durch Syrien gewarnt und erklärt, dies würde eine „rote Linie“ überschreiten.

Über die jüngsten geheimdienstlichen Erkenntnisse informierte das Weiße Haus in einem Antwortschreiben auf eine Anfrage der zwei Senatoren John McCain und Carl Levin. Demnach „kommen unsere Geheimdienste mit einem unterschiedlichen Maß an Gewissheit zu dem Schluss, dass das syrische Regime in kleinem Umfang Chemiewaffen eingesetzt hat, insbesondere den chemischen Kampfstoff Sarin“. Die Einschätzung beruhe zum Teil auf „physiologischen Proben“, sagte der im Weißen Haus für Rechtsangelegenheiten zuständige Direktor Miguel Rodriguez.

Einsatz von Nervenkampfstoff "verletzt jegliche Konvention"

Und auch die britische Regierung Anzeichen hat dafür, dass das Regime in Syrien Giftgas eingesetzt hat. London habe „begrenzte aber überzeugende Informationen“, dass in Syrien chemische Waffen, darunter das Gas Sarin, zum Einsatz gekommen seien, teilte die Downing Street am Donnerstag mit.

Kurz nach der Veröffentlichung des Briefs meldete sich auch US-Außenminister John Kerry zu Wort. Chemiewaffen seien in Syrien bei zwei Angriffen zum Einsatz gekommen, sagte er. Pentagonchef Chuck Hagel äußerte sich derweil vor Journalisten in Abu Dhabi: Der Einsatz der Waffen „verletzt jegliche Konvention der Kriegsführung“, sagte er. Im Dunkeln blieb jedoch zunächst, wann und in welchem Umfang die Waffen eingesetzt wurden oder wie viele Menschen dabei ums Leben gekommen sein könnten.

"Ziemlich offensichtlich, dass die rote Linie nun überschritten ist"

Obama hatte das syrische Regime vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Ein solcher Schritt würde einen „Paradigmenwechsel“ in der amerikanischen Haltung über ein Eingreifen im Syrien-Konflikt einläuten, erklärte er.

Eine umgehende militärische Reaktion auf die jüngsten Geheimdiensterkenntnisse sei jedoch nicht zu erwarten, schränkte ranghoher Beamter im Pentagon ein. Dabei verwies er auf vorangegangene politische Entscheidungen wie die US-Invasion im Irak, die auf Grundlage letztlich falscher Geheimdienstinformationen über angebliche Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins getroffen worden waren.

Der republikanische Senator von Arizona, John McCain, forderte die US-Regierung indes erneut zur Einrichtung einer Flugverbotszone in Syrien sowie Waffenlieferungen an die Opposition auf. „Ich glaube, es ist ziemlich offensichtlich, dass die rote Linie nun überschritten ist“, sagte McCain.

AP

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