+
ZDF-Reporter Michael Bewerunge.

Ausschreitungen in Chemnitz

Es war noch schlimmer: ZDF-Mann findet Hetzjagd-Debatte absurd

Bei der Frage, ob sich in Chemnitz eine Hetzjagd abgespielt hat, sind sich Behörden uneins. ZDF-Reporter Michael Bewerunge findet: Die Vorfälle in Sachsen waren „noch Gravierender“.

Chemnitz - Hetzjagd oder nicht, es scheint, dass von dieser Frage viel abhängt, sehr viel. Nachdem Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer der Einschätzung des Bundeskanzleramtes widersprochen hatte, es sei in Chemnitz zu einer Hetzjagd gekommen, äußerte auch Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen Bedenken. Es lägen „keine belastbaren Informationen darüber vor, dass solche Hetzjagden stattgefunden haben“, sagte Maaßen gegenüber der Bild-Zeitung. Ein Paukenschlag, denn der ohnehin schon umstrittene Geheimdienst-Chef geht damit auf direkte Konfrontation mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. 

Das könnte Sie auch interessieren: Gegen Gewalt und Hetze: Nächstes Konzert in Chemnitz - mit diesen Bands

Nun hat Bundesinnenminister Horst Seehofer Maaßen ein Ultimatum gestellt: Er soll dem Bundesinnenministerium bis Montag mitteilen, worauf er seine Zweifel stützt. Hetzjagd oder nicht - es geht mindestens um die berufliche Zukunft Maaßens, im Zweifel sogar um die der Kanzlerin.

Das könnte Sie auch interessieren:  „Hetzjagd“-Video aus Chemnitz echt - Ermittler widersprechen Maaßen

Doch einer kann den Streit gar nicht verstehen, der um den Terminus „Hetzjagd“ entbrannt ist: ZDF-Reporter Michael Bewerunge. Angesichts der rechten Gewalt in Chemnitz hält er die Debatte für „absurd“. 

Hetzjagd sei noch nicht mal das Gravierenste gewesen

Im Interview mit der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka im “heute journal” fasste Bewerunge nochmal die Ereignisse vom 26. August in der sächsischen Stadt zusammen: „Da ist eine Menge von 800 aggressiven Demonstranten durch die Stadt gezogen, laut der Polizei angeführt von 50 gewaltbereiten rechten Demonstranten.“ Diese habe die Polizei mit Steinen und Glasflaschen beworfen. Es gebe auch eindeutige Hinweise auf Angriffe aus Ausländer, so seien für diesen Tag drei Anzeigen bei der Polizei eingegangen, außerdem existierten Augenzeugenberichte. Doch, so der ZDF-Moderator, sei dies gar nicht „das Gravierenste“ gewesen.

So sei aus der Demonstranten-Gruppe heraus Rufe zu hören gewesen, die zum Mord gegen Migranten aufgefordert hätten: „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer.” Mehrere Augenzeugen berichteten, dass dies stattgefunden habe. Außerdem existiert ein verifiziertes Video (siehe hier).

Für Bewerunge steht fest: Ein klarer Aufruf zum Mord. Und: „Damit scheint sich niemand beschäftigen zu wollen.” Stattdessen wird darüber diskutiert, ob der Begriff Hetzjagd angemessen ist.

In Folge der Vorkommnisse in Chemnitz hat sich auch der städtische Fußball-Verein Chemnitzer FC zu einem härteren Vorgehen gegen Rechts positioniert. Mit Folgen: Der CFC feuerte nun seinen Kapitän Daniel Frahn.

Mehr zum Thema

Video: Maaßen streitet Hetzjagd ab

Lesen Sie hier: Der News-Ticker zu den Vorfällen in Chemnitz

Lesen Sie auch: AfD schockt CDU in neuer Umfrage

Auch interessant:  Köthen: Haseloff glaubt nicht an weiteres Chemnitz

„Ich würde mich heute besaufen“: Bayerischer SPD-Politiker mit Knaller-Aussage in den Tagesthemen

Maaßen erklärt Aussagen im Seehofer-Bericht - später bekommt er es von Merkel ab

Trump kassiert fiesen Konter von Brasiliens Fußball-Nationaltrainer - dabei hatte er recht

Gauland attackiert Neonazis und Merkel - dann kommt es überraschend zum Schlagabtausch

„Bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen“: Chemnitz-Opfer schockieren mit Details in ZDF-Sendung

Tagesthemen-Kommentator rechnet mit Merkel und Bundestagsdebatte ab

„Debatte ist total sinnlos“: Bosbach zur Nachfolge von Angela Merkel

Bewegendes Foto aus Hambacher Forst: Tausende sind berührt - auch die Polizei

CDU-Jungpolitiker verteidigt Maaßen bei Markus Lanz - und wird von den eigenen Kollegen verspottet

Maas unterstützt Großdemo gegen Rechtsruck in Berlin

Chemnitz-Berichte im TV: Maaßen schreibt Beschwerdebrief an Chef der Tagesschau

Kanzlerin besucht Chemnitz: Anti-Merkel-Demos drohen - Polizei benötigt Unterstützung

In Leipzig ist ein Abschiebungsversuch aus dem Ruder gelaufen. Bis zu 500 Menschen haben eine Spontandemo gebildet - einige von ihnen warfen Flaschen und Steine

bah

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Fahrräder unpraktisch und gefährlich“: Politiker wird nach Rede veralbert - Reaktionen fallen deutlich aus
Fahrräder erobern die Städte und drängen Autos aus den Zentren. Das findet Dirk Spaniel skandalös. Zur Rede des AfD-Politikers gibt es teils schockierte Reaktionen.
„Fahrräder unpraktisch und gefährlich“: Politiker wird nach Rede veralbert - Reaktionen fallen deutlich aus
Impeachment-Verfahren: So läuft das Verfahren gegen Donald Trump
Nach einer Reihe formaler Schritte beginnt am Dienstag das Amtsenthebungsverfahren im engeren Sinne gegen US-Präsident Donald Trump.
Impeachment-Verfahren: So läuft das Verfahren gegen Donald Trump
Oxfam fordert: Bund muss mehr in armen Ländern investieren
Die Schere zwischen Arm und Reich geht nach Ansicht von Oxfam weiter stark auseinander. Auch die Wohlstands-Kluft zwischen Männern und Frauen ist groß. Denn viele Frauen …
Oxfam fordert: Bund muss mehr in armen Ländern investieren
ZDF-„heute journal“: Moderator erzählt Putin-Witz - Zuschauer empört - „Geht‘s noch ...“
Das „heute journal“ vom 15. Januar drehte sich eigentlich in einem Beitrag um die Moskauer Machtspiele, doch Christian Sievers schoss mit einem Putin-Witz den Vogel ab.
ZDF-„heute journal“: Moderator erzählt Putin-Witz - Zuschauer empört - „Geht‘s noch ...“

Kommentare