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China: „Schwerster Ansturm“ seit Pandemie-Beginn – Schock-Foto aus Hongkong sorgt für Entsetzen

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Von: Sven Hauberg

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Eine Frau erhält einen Rachenabstrich für einen Coronavirus-Test im Rahmen einer Massenuntersuchung auf das Coronavirus in einer Wohnanlage Shanghais.
Massentest in Shanghai: Die Corona-Zahlen in China stiegen zuletzt deutlich an. © AP/dpa

China hat erstmals seit über zwei Jahren mehr als 1000 Neuinfektionen gemeldet. Deutlich dramatischer ist die Corona-Lage in Hongkong, wie ein schockierendes Foto zeigt.

München/Peking – In China haben sich so viele Menschen mit dem Coronavirus angesteckt wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Wie die Nationale Gesundheitskommission am Freitag (11. März) mitteilte, wurden am Vortag landesweit 1100 lokale Neuinfektionen gemeldet, hinzu kommen 269 aus dem Ausland eingeschleppte Infektionen. China weist beide Werte getrennt voneinander aus. Betroffen sind vor allem die östliche Provinz Shandong und die nordöstliche Provinz Jilin. Jilins Provinzhauptstadt Changchun wurde daher prompt in den Lockdown geschickt. Nach Angaben der lokalen Behörden sollen alle rund neun Millionen Bewohner der Stadt auf das Virus getestet werden. Auch darf pro Haushalt nur noch alle zwei Tage eine Person für Einkäufe die Wohnung verlassen. Es ist die größte Stadt, die seit dem Lockdown der 13-Millionenmetropole Xi‘an vom Dezember komplett abgeriegelt wird.

Laut Staatsmedien sprachen nicht näher genannte chinesische Gesundheitsexperten vom „schwersten Ansturm“ seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der lokalen Neuinfektionen ist erstmals seit dem Corona-Ausbruch in der Stadt Wuhan über die Tausender-Marke geklettert. In China schrillen daher die Alarmglocken: Denn je höher die Fallzahlen, desto schwieriger wird es, die strikte Null-Covid-Politik des Landes aufrechtzuerhalten. China reagiert auf einzelne lokale Ausbrüche stets mit harten Lockdowns und Massentests.

China: Null-Covid-Strategie und harte Lockdowns bei steigenden Fallzahlen

Die Fallzahlen steigen seit Tagen stetig. Am Donnerstag hatte die Nationale Gesundheitskommission noch 837 lokale Ansteckungen und 277 importiere Fälle gemeldet. Mittwoch waren es 555 lokale 181 und importierte Neuinfektionen. Die meisten Neuinfektionen der letzten Tage seien asymptomatisch, hieß es. „Die Omikron-Variante verbreitet sich schneller und verursacht weniger schwere Erkrankungen. Dies ist einer der Gründe dafür, dass in letzter Zeit so viele asymptomatische Fälle aufgetreten sind“, zitierten Staatsmedien am Freitag Yang Zhanqiu, einen Professor am Fachbereich Pathogenbiologie der Universität Wuhan.

Premierminister Li Keqiang betonte am Freitag auf einer Pressekonferenz zum Abschluss des jährlichen Plenums des Nationalen Volkskongresses, man wolle an der Null-Covid-Strategie festhalten. „Das Virus verändert sich immer noch, und wir lernen weiter hinzu“, sagte Li. Er rief gleichzeitig dazu auf, Impfstoffe und Medikamente gegen das Virus zu verbessern. Die in China eingesetzten Vakzine gelten als nur wenig wirksam gegen die Omikron-Variante.

Hongkong: Hunderttausende Neuansteckungen seit Jahresbeginn

Deutlich höhere Zahlen als Festlandchina meldet seit Wochen die Millionenstadt Hongkong. Wie die Verwaltung der ehemaligen britischen Kronkolonie am Donnerstag mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden mehr als 31.000 Neuinfektionen registriert. Zudem hat Hongkong eine der höchsten Corona-Todesraten weltweit. Für Entsetzen sorgte in Hongkong vor Kurzem ein schockierendes Foto, das in den sozialen Netzwerken verbreitet wurde: Auf der Aufnahme sind mehrere Corona-Patienten in einem Krankenzimmer zu sehen, neben denen sich Leichensäcke stapeln.

Wie die Nachrichtenseite Hong Kong Free Press am Freitag berichtete, wurde das Foto Anfang März in der Notaufnahme des Queen Elizabeth Hospital im Stadtteil Jordan aufgenommen. Die Hongkonger Krankenhausbehörde sagte der Seite, die Situation habe sich seitdem verbessert. „Die Krankenhausbehörde hat Verständnis dafür, dass Leichen manchmal nicht rechtzeitig in die Leichenhalle gebracht werden können“, so die Vorsitzende der Behörde. „Es tut uns sehr leid, dass wir den Patienten Unannehmlichkeiten bereitet haben.“

Hongkong: Niedrige Impfquote und viele Tote

Offiziellen Zahlen zufolge war ein Großteil der Verstorbenen nicht geimpft. Nach offiziellen Angaben liegt die Impfquote bei Hongkongern zwischen 70 und 79 Jahren bei unter 60 Prozent. Von den Menschen ab 80 Jahren haben erst 32 Prozent zwei Corona-Impfdosen erhalten. Berichte, die Stadtverwaltung wolle sämtliche Bewohner Hongkongs verpflichtend auf das Coronavirus testen, wies die Peking-treue Regierungschefin Carrie Lam am Mittwoch zurück. „Was wir jetzt tun, ist planen und vorbereiten“, sagte Lam auf einer Pressekonferenz. Corona-Pflichttests für die gesamte Bevölkerung hätten „derzeit keine Priorität“. Premier Li betonte nun, Hongkong müsse „die Hauptverantwortung für die Bekämpfung der Epidemie übernehmen, und die Zentralregierung wird den Kampf gegen die Epidemie voll unterstützen“.

In den ersten zwei Jahren konnte Hongkong sich mit strikten Maßnahmen weitgehend vor der Corona-Pandemie schützen. Seit einigen Wochen steckt die Metropole aber in ihrer schlimmsten Corona-Welle. Hatten sich von Pandemie-Beginn bis Ende 2021 nur rund 12.000 Menschen in Hongkong mit dem Coronavirus angesteckt, wurden in der gegenwärtigen Omikron-Welle seit Jahresbeginn schon mehr als eine halbe Million Ansteckungen nachgewiesen. (sh/AFP)

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