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Muss Shanghai in den Lockdown? Massentests angeordnet – Deutsche Schule mahnt Familien zur Ruhe

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Von: Christiane Kühl

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Zwei Frauen mit Maske bummeln im Sonnenschein über eine Fußgängerzone in Shanghai.
Shopperinnen in Shanghai: Muss die Metropole in den Lockdown? © Aly Song/Imago/Zuma Wire

Shanghai steht dem bisher größen Corona-Ausbruch gegenüber: Droht der Wirtschaftsmetropole mit 26 Millionen Einwohnern der Lockdown? Die Bewohner sollen die Stadt nur noch im Notall verlassen.

Update vom 13.3.2022, 11.45 Uhr: Die Besorgnis der Behörden in Shanghai* über die Corona-Situation steigt offenbar weiter. Die Stadt wies am Samstagabend die Bewohner an, die Finanzmetropole bis auf Weiteres nur noch in dringenden Fällen zu verlassen. Der überregionale Busbahnhof stellte den Betrieb ein. Ab sofort muss jeder, der die Stadt verlassen oder einreisen will, einen negativen PCR-Test vorweisen. Auch verlangen manche Bürogebäude, dass die Mitarbeitenden der darin eingemieteten Unternehmen vorerst für eine Woche von zu Hause arbeiten. Wer doch kommen will, dürfe nur mit negativem PCR-Test das Gebäude betreten.

Zugleich kündigte Shanghai Massentests für den gesamten Distrikt Qingpu im Westen der Stadt an. Dort leben unter anderem viele Deutsche; auch eine deutsch-französische Schule befindet sich in dem Distrikt. Dort wurden bereits seit Anfang März alle Schüler getestet. Die Schule rief schon damals alle Eltern auf, Ruhe zu bewahren, da sich eine gewisse Nervosität ausbreitete. Die Eltern waren besorgt, was die Testreihe angesichts der strengen Quarantäne-Regeln Chinas bei einem Positiv-Test für die Familien bedeuten würde. Die PCR-Testungen gehen auch an diesem Wochenende weiter.

Bisher gab es am Wochenende nur wenige neue Fälle. Doch durch die Massentests dürften die Fallzahlen deutlich steigen, da dadurch auch asymptomatische Fälle erfasst werden, die sonst unerkannt bleiben würden. Falls sich Omikron nun auch in China zunehmend der Kontrolle entzieht, dürfte es bald landesweit zu einer deutlichen Steigerung der Fallzahlen kommen.

Shanghai: Heftigster Corona-Ausbruch seit Beginn der Pandemie

Erstmeldung vom 11.3.2022: Shanghai/München – Muss Chinas größte Wirtschaftsmetropole Shanghai in den Lockdown? Die Stadt kämpft mit dem heftigsten Ausbruch des Coronavirus* seit Beginn der Pandemie. Seit zwei Tagen gibt es entsprechende Gerüchte, und es steigt die Unruhe unter den Bewohnern. Die Behörden wiesen die Gerüchte am Freitag erst einmal zurück. Doch wer weiß, was noch kommt? Rund 300 Neuinfektionen verzeichnete Shanghai bisher in diesem Monat. Am Freitag schickten die Behörden daher alle Kinder von Samstag an in den Online-Unterricht, was für viele Shanghaier unerwartet kam. In einigen Gegenden organisierten die Behörden Massentests oder Teil-Lockdowns. Ab dem 17. März werden alle internationalen Flüge vom Shanghaier Pudong Airport sechs Wochen lang auf andere Städte umgeleitet, damit die Passagiere dort aussteigen und getestet werden.

China* betreibt seit 2020 eine harte Null-Covid-Politik und schickt immer wieder selbst bei wenigen Fällen ganze Millionenstädte in den Lockdown. Am Freitag traf es bereits die Neun-Millionenstadt Changchun. Landesweit meldeten die Behörden am Freitag 1100 lokale Neuinfektionen mit Symptomen*, sowie 269 aus dem Ausland eingeschleppte Infektionen. Es ist der höchste Wert seit zwei Jahren. Asymptomatische Fälle weist China separat aus.

Shanghai: Durch Null-Covid drohen drastische Maßnahmen bei ein paar hundert Fällen

Shanghai meldete Freitag elf neue lokale Fälle und 64 asymptomatische Infektionen, und zwar hauptsächlich bei Personen, die bereits unter Quarantäne stehen. Die Zahlen erscheinen geradezu mickrig, um in einer Stadt mit 26 Millionen Einwohnern die Gerüchteküche in Gang zu setzen. Doch die Menschen haben möglicherweise das Chaos in Hongkong mit seinen Tausenden täglichen Fällen vor Augen: Solche Zustände will man in Festlandchina um jeden Preis vermeiden. Ministerpräsident Li Keqiang* bekräftigte gerade erst auf dem Nationalen Volkskongress, dass Peking an der Null-Covid-Politik vorerst festhalten werde.

In keiner chinesischen Stadt leben so viele Ausländer wie in Shanghai, weshalb es trotz der Pandemie immer noch internationale Reisen und Kontakte gibt. Wirtschaftlich wäre ein Lockdown für die weitläufige Stadt ein großer Rückschlag. „Einen vollständigen Lockdown halte ich für sehr unwahrscheinlich“, sagt Christian Sommer, Geschäftsführer des German Centre in Shanghai, das mittelständische Unternehmen in der Stadt und ihrer Umgebung betreut. Shanghai ist die Hochburg deutscher Firmen mit eigenen Produktionen in China.

Es gehe den Behörden in erster Linie weiterhin darum, den Überblick zu behalten, sagt Sommer Merkur.de*. Dafür müssten gewisse Bewegungen vorübergehend eingeschränkt werden. „Das Umleiten der in Shanghai Pudong ankommenden Flieger auf andere Flughäfen für die nächsten sechs Wochen erlaubt es, das ansonsten am Flughafen gebundene medizinische Personal anderweitig in der Stadt einzusetzen“, so Sommer.

Shanghai: Vorbereitung auf steigende Patientenzahlen

In den letzten Tagen hatten die Behörden bereits begonnen, zusätzliche Krankenhäuser in Covid-19-Kliniken umzuwandeln, damit der Rest des Gesundheitssystems normal funktionieren könne, wie das Wirtschaftsmagazin Caixin berichtete. Alle positiv getesteten Personen mit Symptomen werden demnach in den Spezialklinken behandelt, und zwar in Räumen mit niedrigerem Luftdruck als in der Umgebung. Das soll ein Entweichen des Virus verhindern. Auch Patienten ohne Symptome müssen zur Beobachtung in die Spezialkliniken. Ähnlich wird es in Hongkong gehandhabt, wo der aktuelle Ausbruch allerdings zunehmend außer Kontrolle gerät, auch weil es an solchen Covid-Stationen fehlt - aber zugleich an der Regel festgehalten wird

Die Ankündigungen der Stadtbehörden seien bisher transparent gewesen, sagt Ioana Kraft, Geschäftsführerin der Europäischen Handelskammer in Shanghai. „Sie haben inzwischen ja mehr Erfahrung. ja inzwischen Erfahrung und scheinen etwas gezielter vorzugehen, um größere Unterbrechungen des Alltags zu vermeiden.“ Doch angesichts der plötzlichen Anordnung des Online-Unterrichts wächst die Unruhe. Auch droht durch die strikten Kontaktnachverfolgungen jedem potenziell eine plötzliche Isolation, was die Menschen nervös macht.

Firmen versuchen derweil, sich gegen jede mögliche Maßnahme zu wappnen. Eine Idee sind Schlaflager im Büro, damit auch im Lockdown weitergearbeitet werden kann. Mehrere Firmen wiesen laut lokalen Medienberichten Mitarbeitende an, für den Ernstfall schon einmal Bettwäsche im Büro zu deponieren. Die Zeitung Shanghai Daily gab dafür sogar eine Packliste heraus. (ck) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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