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China stellt seinen dritten Flugzeugträger in Dienst – ausgerüstet mit modernster Technologie

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Von: Christiane Kühl

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Bunte Bänder schmücken Chinas neuen Flugzeugträger Fujian beim Stapellauf in Shanghai
Stapellauf an der Shanghaier Jiangnan-Werft: Chinas dritter Flugzeugträger „Fujian“ © Li Gang/Xinhua/Imago

Chinas Aufrüstung geht unaufhaltsam voran. Ein großes Ziel ist eine weltweit einsatzfähige Marine. In Shanghai lief der dritte Flugzeugträger des Landes vom Stapel - ausgerüstet mit modernster Technologie.

Shanghai/München – Die Aufrüstung der chinesischen Marine hat einen weiteren Meilenstein genommen. Am Freitag lief in der staatlichen Jiangnan-Werft von Shanghai der dritte Flugzeugträger des Landes vom Stapel. Das Schiff namens „Fujian“ ist der erste Träger Chinas, der mit modernster Militärtechnik ausgestattet ist. Im Unterschied zu den bisherigen beiden Schiffen besitzt die “Fujian” zum Beispiel keine altmodische Startrampe mehr — sondern elektromagnetische Katapulte zum Starten der Flugzeuge von einem komplett flachen Deck. Auch die US-Marine nutzt dieses System in ihren Trägern der Gerald R. Ford-Klasse. Ansonsten besitzt nur Frankreich diese Technologie.

Seinen ersten Flugzeugträger namens „Liaoning“ hatte China 2012 in Dienst gestellt. Dabei handelt sich um ein umgebautes Schiff sowjetischer Bauart, das China der Ukraine nach dem Zerfall der Sowjetunion im halbfertigen Zustand abgekauft hatte. Damals behaupteten die Käufer, auf dem Schiff solle ein schwimmendes Casino entstehen. Stattdessen wurde es dann doch ein Flugzeugträger mitsamt Waffen und Flugzeugen. Die „Liaoning“ diente dann als Modell für den ersten selbstgebauten Träger, die „Shandong“. Diese lief 2019 vom Stapel und hat bereits erste längere Seereisen unternommen. Alle drei Flugzeugträger sind nach chinesischen Küstenprovinzen benannt. Die “Fujian” ist mit einer Verdrängung von 80.000 Tonnen deutlich größer und auch länger als die beiden älteren Flugzeugträger.

Chinas Jiangnan-Werft in Shanghai: Produktion auf Hochtouren

Die Jiangnan-Werft, in der die „Fujian“ entstand, war 2009 aus der Innenstadt Shanghais auf eine Flussinsel in der Jangtse-Mündung verlegt worden. Seither produziert sie auf Hochtouren Zerstörer, Eisbrecher, amphibische Landefahrzeuge – und nun eben einen Flugzeugträger. Lange versuchte China das Projekt geheimzuhalten, doch auf Satellitenbildern war die Fujian schon seit einiger Zeit zu sehen. Vor gut einem Jahr etwa war das Deck bereits halbfertig, wie das Center for International and Strategic Studies in Washington damals anhand solcher Aufnahmen analysierte.

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Der Stapellauf der “Fujian” war wegen des Corona-Lockdowns in Shanghai zuvor zweimal verschoben worden. In der nächsten Zeit werde der Träger Festmache- und Seeversuche durchlaufen, um seine Gesamtfähigkeit und spezifische Ausrüstung umfassend zu testen, teilte die Marine mit.

Chinas Marine: Große Pläne

China hat nach der Anzahl der Kriegsschiffe bereits jetzt die größte Marine der Welt – aber der größte Teil der Flotte besteht aus kleineren Schiffsklassen. Die Flugzeugträger sind Teil der chinesischen Bemühungen, eine Flotte aufzubauen, die auch in internationalen Gewässern Präsenz zeigen kann. Bis 2035 plant Peking dazu mindestens sechs Flugzeugträger-Gruppen, von denen mehrere atombetrieben sein sollen. Dadurch könnten die Träger mehr Treibstoff für die Flugzeuge mitnehmen. Auch ist China verstärkt auf der Suche nach Marinebasen in Übersee. Bislang betreibt China im Ausland nur eine einzige Militärbasis, in Dschibuti am Horn von Afrika.

Im Indopazifik und darüber hinaus betrachten Anrainer sowie die USA und ihre Verbündeten diese Aktivitäten und die Aufrüstung der chinesischen Marine mit Sorgen. Militärexperten erwarten nach einem Bericht des britischen Magazins Economist den Aufbau von bis zu zehn Trägergruppen. Damit würde China beinahe zu den USA aufschließen, die derzeit elf Trägerverbände betreiben. Doch der Aufbau funktionsfähiger Flugzeugträgerverbände ist kompliziert, braucht viel Training und kostet viel Zeit und Geld. Dass China mit seinen Flugzeugträgern direkt die USA konfrontieren will, ist unwahrscheinlich. Experten erwarten eher, dass Peking die Träger benutzen könnte, um schwächere Gegner einzuschüchtern.

Spannungen in Chinas Hinterhof

Am vergangenen Sonntag erst hatte Japan zwei chinesische Zerstörer und ein Versorgungsschiff in Gewässern etwa 200 Kilometer westlich der japanischen Insel Fukue gesichtet. Die chinesischen Staatszeitung Global Times berichtete, es habe sich um die erste Mission des modernen Zerstörers „Lhasa“ gehandelt, der mit Tarnkappentechnologie ausgestattet ist und Luftabwehrraketen, Schiffsabwehr- und Landabwehr-Marschflugkörper sowie Torpedos an Bord mitführe. Das Manöver der „Lhasa“ diene zur Abschreckung „einer möglichen ausländischen militärischen Einmischung in der Straße von Taiwan“, so das Blatt.

Die Volksrepublik streitet mit seinen Nachbarn um Inseln und Riffe im Südchinesischen Meer, wo es große Seegebiete mit bedeutenden Fischgründen, Rohstoffvorkommen und Schifffahrtsstraßen beansprucht. China hat bereits mehrere Militärbasen auf umstrittenen Riffen errichtet. Mehrfach kam es in der Region in den letzten Jahren zu Zwischenfällen mit chinesischen und US-amerikanischen Marineschiffen. Im April sorgte ein Sicherheitsabkommen Chinas mit den Salomonen-Inseln für Aufregung: Australien, die USA und andere befürchten, dass China auf den Pazifikinseln eine Marinebasis errichten wolle. Auch soll sich Chinas Marine eine Basis in Kambodscha gesichert haben. China wies die Berichte zurück. Die Sorgen der USA vor einer wachsenden Konkurrenzsituation in Fernost dürfte es damit nicht zerstreut haben. (ck/dpa)

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