Fassade einer Zara-Filiale
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Fassade einer Zara-Filiale in der Oxford Street. Der Textilhändler Inditex wird in Frankreich wegen Menschenrechtsverletzungen angeklagt.

„Auftakt einer Klagewelle“

Zwangsarbeit und „Umerziehung“ in China? Modekette Zara in Paris angeklagt

  • Kathrin Reikowski
    vonKathrin Reikowski
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Zwei bekannte Modelabel sollen von Zwangsarbeit in der Produktion in China profitieren. Sie sind von einer NGO-Allianz in Frankreich angeklagt worden.

Paris - Kleidung bekannter Modemarken - hergestellt durch Zwangsarbeit in China? Dass die Modeindustrie mitunter auf Kosten von Mensch und Umwelt produziert, ist längst bekannt. Doch nun erhebt eine Allianz verschiedener NGOs in Frankreich schwere Vorwürfe gegen den spanischen Modekonzern Inditex, zu dem unter anderem die Modemarke Zara und die Schuhmarke Skechers gehören. Die französische NGO Sherpa und andere Nichtregierungsorganisationen hat den Konzern nun in Paris verklagt.

Mehr als 70.000 Uiguren sollen seit 2017 in chinesische Lager deportiert worden sein. Das hat eine Studie aus Australien im Jahr 2020 ermittelt. Auf diese Studie stützt sich die Anlage von Sherpa & Co.

Menschenrechtsverletzungen in China: Die uigurische Minderheit lebt in Umerziehungslagern

Menschenrechte sind in der chinesischen Verfassung verankert. Doch der Staat versteht darunter etwas anderes als westliche Staaten: Das Recht des Einzelnen muss immer gegen das Gemeinwohl abgewogen werden. So rechtfertigt China etwa Menschenrechtsverletzungen mit der Befreiung der Bevölkerung aus Armut.

Die muslimische Minderheit der Uiguren soll „umerzogen“ werden. Das heißt, dass die Menschen aus ihrer Heimat in der westlichen Provinz Xinjiang zur Arbeit in Fabriken in ganz China gebracht werden, viele von ihnen leben in Lagern. Dort ist ihnen nicht nur verboten, ihre Religion auszuüben, so die australische Studie weiter. Die Menschen werden auch permanent überwacht und dürfen sich nicht frei bewegen. Die Lager werden von der Kommunistischen Partei als „Umerziehungscamps“ betitelt.

Produktion in China und die Lieferketten nach Europa: Was die Ankläger verlangen

Der Modekonzern Inditex soll aufklären, inwiefern in seinen Produkten etwa Baumwollstoffe aus Zwangsarbeit verwendet werden, lautet die Anklage in Paris, so die französische Tageszeitung Le Monde. Bisher würden die Konzerne nicht „genügend Anstrengung aufwenden“, um Zwangsarbeit in den Lieferketten auszuschließen. Der Anwalt William Bourdon hat demnach angekündigt, dass diese Anklage „der Auftakt zu einer Reihe von Klagen in ganz Europa“ sei.

In der australischen Studie werden noch weitere Namen genannt, die Zulieferungen aus Zwangsarbeit erhalten sollen: Apple, BMW, Gap, Huawei, Nike, Samsung, Sony und Volkswagen die bekanntesten - insgesamt seien 82 Firmen betroffen. Sie waren 2020 im Report aufgefordert worden, eigene Untersuchungen anzustellen, weil sich sonst Klagen gegenübersehen könnten. Der spanische Modekonzern Inditex gibt unterdessen auf seiner Website an, Kunden und Mitarbeiter, auch bei den Zulieferern, in den Mittelpunkt zu stellen und sich für „nachhaltige Entwicklung“ einzusetzen. (kat)

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