Man sieht die Regierungschefin der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, Carrie Lam, bei einer Pressekonferenz sprechen.
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Die Regierungschefin der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong, Carrie Lam, bei einer Pressekonferenz.

Pränataldiagnostik aus China

Offene Fragen: Chinesische Firma soll Gen-Daten von schwangeren Frauen sammeln - auch aus Deutschland

  • VonClara Marie Tietze
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Ein chinesisches Genetik-Unternehmen soll durch Pränatal-Tests Gendaten schwangerer Frauen sammeln - auch aus Deutschland. Was mit den in Hongkong ausgewerteten Daten geschieht, ist unklar.

Hongkong - Ein international von Millionen schwangerer Frauen genutzter Test zur Pränataldiagnostik diente offenbar in China auch zur Speicherung internationaler Gendaten. Das chinesische Genomik-Unternehmen BGI habe gemeinsam mit dem chinesischen Militär die Pränatal-Tests entwickelt und sammle damit genetische Daten, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters in dieser Woche.

BGI ist Chinas größte Firma für Genanalyse. Seit 2013 verkauft das Unternehmen weltweit den Pränatal-Test der Marke Nifty, der durch Genanalyse bei Schwangeren anzeigen soll, ob deren Kinder mit einem Gendefekt oder einer anderen Krankheit auf die Welt kommen. Der Test wird in mehr als 50 Ländern angeboten - auch bei deutschen Gynäkologen. Mehr als 8 Millionen Frauen weltweit haben Nifty bisher laut Reuters in Anspruch genommen. Die Testproben werden in Chinas Sonderverwaltungszone Hongkong ausgewertet.

Neben genetischen Informationen über den Fötus und die Mutter erfasst der Testprozess gemäß dem von Reuters überprüften BGI-Computercode.personenbezogene Daten wie das Land sowie Gewicht, Größe und Krankengeschichte der Betreffenden. Der Name der Kundin wird indes nicht erhoben.

Die Bedenken dabei: Selbst wenn sich etwa deutsche Firmen mit dem chinesischen Hersteller auf die Anwendung europäischer Datenschutzgesetze einigen, ist damit nicht sichergestellt, dass sich dieser daran auch hält. Zumindest sei aus dem Aufklärungsbogen, den die Schwangeren vor dem Test ausfüllen mussten, die Möglichkeit herausgenommen worden, die eigenen Daten zur Genanalyse freizugeben, herausgenommen worden, so Reuters.

Gen-Analyse schwangerer Frauen: Wofür werden die Daten in China noch genutzt?

Offenbar besteht eine Verbindung der chinesischen Regierung zu dem Unternehmen. BGI gehört laut Reuters eine der weltweit größten Gen-Datenbanken. Diese wird von der chinesischen Regierung maßgeblich finanziert. Auch die Stadt Shenzhen, in der die Firma ihren Hauptsitz hat, hält seit 2014 Anteile an der Firma. BGI begann laut Reuters 2010, mit chinesischen Militärkrankenhäusern zusammenzuarbeiten, um das Genom von Föten zu untersuchen, wie eine Überprüfung von mehr als 100 öffentlichen Dokumenten ergeben habe. Dabei habe BGI über ein Dutzend gemeinsame Studien mit PLA-Forschern veröffentlicht, etwa um die pränatalen Tests zu testen und zu verbessern

Die chinesische Regierung hat laut Reuters das Recht, genetische Daten einzufordern, sofern diese als relevant für die nationale Sicherheit angesehen werden. BGI selbst habe dazu geäußert, noch nie von der chinesischen Regierung angefragt worden zu sein. Noch seien diese Daten jemals herausgegeben worden. Das muss allerdings nichts für die Zukunft heißen.

China: Bevölkerungsqualität verbessern durch Gen-Analyse

Der Test wurde laut Recherchen von Reuters auch dazu entwickelt, um die Bevölkerungsqualität zu verbessern. In den Datensätzen soll nach Veranlagungen für psychische und physische Krankheiten sowie Kleinwüchsigkeit gesucht werden. Zudem seien Daten der von Minderheiten aus Tibet und Xinjiang extrahiert und separat analysiert worden. Hierbei wird laut Reuters besonders auf Verbindungen zwischen den genetischen Gegebenheiten und Charakteristika dieser Bevölkerungsgruppen geachtet.

Ein weiterer Punkt, der einen stutzen lässt: Die chinesische Regierung verbietet es Reuters zufolge Forschenden von außerhalb des Landes, auf die Gen-Daten von chinesischen Bürgerinnen und Bürgern zuzugreifen. Obwohl genau das im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts eigentlich gängige Praxis ist. Bleibt abzuwarten, wie sich dies in Zukunft entwickelt.

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