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China und der G20-Gipfel: Werte oder Interessen?

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Die USA oder China: Auf welchen Partner sollte Deutschland und Europa künftig setzen? Nicht nur Interessen, sondern auch Werte spielen bei der Abwägung eine Rolle. Ein Kommentar.

Was Staatsmänner wie Helmut Schmidt schon früh erkannten, ist spätestens mit dem morgen beginnenden G20-Gipfel endgültig Realität: China ist auf der Weltbühne als strategischer Akteur angekommen und fordert nun selbstbewusst mehr Mitsprache in globalen Fragen. Staats- und Parteichef Xi Jinping nutzt geschickt den Umstand, dass der Präsident der bisher unangefochtenen Weltmacht USA mit seinen isolationistischen Tendenzen Freiräume schafft, in die Peking nur zu gerne vorstoßen würde. Manche Politiker im Westen setzen gar schon – geschockt von Person und Gebaren Donald Trumps – für die Zukunft auf die chinesischen Mandarine statt auf Amerika. Nach dem Motto: Good guy Xi, bad guy Trump.

Pekings Staatschef hat in Kanzlerin Merkel die stärkste Stimme Europas ausgemacht

Bevor sich die Europäer eine neue starke Schulter zum Anlehnen suchen, sollten sie jedoch bedenken: Mit den USA verbinden Deutschland und Europa nicht nur Interessen, sondern vor allem Werte, die über viele Jahrzehnte Freiheit, Wohlstand und Sicherheit in ihren Ländern hervorgebracht und bewahrt haben. Trump hin oder her. Mit China verbindet man in erster Linie Wirtschaftsinteressen, die die Exportstatistiken des Westens glänzen lassen, gleichzeitig aber eine Kehrseite haben: Wenn Xi von Freihandel und Globalisierung spricht, meint er den ungehinderten Zugang von Waren made in China zu den Absatzmärkten der Welt. China selbst bleibt für ausländische Investoren mit bürokratischen Hürden und wenig Freiheiten eingezäunt. Hier muss der G20-Gipfel ansetzen, wenn er einen Sinn haben soll.

Dass Xi Deutschland bereits zum zweiten Mal besucht, zeigt, dass der starke Mann Pekings in Kanzlerin Merkel die stärkste Stimme Europas ausgemacht hat. Diesen Einfluss sollte Merkel für fairere Spielregeln nutzen. Der erhobene Zeigefinger in Menschenrechtsfragen dagegen mag zur politisch-demokratischen Pflicht gehören. Im Ergebnis demonstriert er meist nur die westliche Ohnmacht – und eben die fundamentalen Unterschiede mit Peking, wenn es um Werte geht.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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