Besucher gehen an einem Schild mit dem Logo des chinesischen Fahrdienstvermittlers Didi Chuxing auf der Global Mobile Internet Conference 2017 in Peking vorbei.
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Didi-Logo in Peking: Chinas Behörden erschweren aus Angst vor Datenklau Börsengänge im Ausland. Nur Tage nach dem US-Listing des Fahrdienstvermittlers Didi ermitteln sie gegen das Unternehmen - wegen Problemen im Umgang mit Kundendaten (Archivbild).

Angst vor Datenklau im Ausland

China erschwert Börsengänge im Ausland - Peking befürchtet Zugriff auf Daten vor allem durch die USA

  • Christiane Kühl
    VonChristiane Kühl
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China sorgt sich zunehmend um die Kontrolle über seine Daten. Daher verschärft Peking die Regeln für Börsengänge heimischer Firmen im Ausland. Vor allem in den USA fürchtet man Zugriff auf Firmendaten.

Peking/München - Die Kontrolle über riesige von Unternehmen generierte Datenberge bereitet China zunehmend Sorgen. Befürchtet wird vor allem der Zugriff auf Daten durch das Ausland, insbesondere die USA. Vor kurzem verabschiedete Peking ein Gesetz zur Cybersicherheit, das unter anderem Unternehmen verbietet, bestimmte Daten ohne Genehmigung ins Ausland zu transferieren. Details stehen zwar noch nicht fest - doch das Ziel des Gesetzes ist es unter anderem, wichtige Daten von Behörden und Firmen im Land zu halten. Und nun hat die Regierung eine deutlich schärfere Kontrolle von im Ausland an der Börse gehandelten chinesischen Unternehmen angekündigt. Auch dabei geht es um Daten.

Die neuen Regeln zielen besonders auf „Datensicherheit, grenzüberschreitenden Datenfluss und die Verwaltung vertraulicher Informationen“, wie am Mittwoch aus einem Dokument des Staatsrates in Peking hervorging. Auch soll es künftig eine Genehmigungspflicht für Börsengänge etwa in New York geben. Die neuen Vorschriften für im Ausland gehandelte Firmen sollten die Vertraulichkeit und die Verantwortung für die Sicherheit von Informationen regeln, teilte der Staatsrat mit. Die Aufsicht werde verschärft, „um mit Risiken und Notfällen umzugehen“.

China: Angst um Datensicherheit heimischer Firmen nach Börsengängen im Ausland

Die Behörden befürchten, dass ausländische Behörden - etwa in den USA - auf die gesammelten Daten der im jeweiligen Land gelisteten Firmen zugreifen könnten. Zum Beispiel könnten ausländische Behörden die Firmen zur Herausgabe sensibler Daten zwingen. Der Außenministeriumssprecher Wang Wenbin bezeichnete die USA am Mittwoch in Peking als „größte Gefahr für die globale Cybersicherheit“. Wang kritisierte die Überwachung der USA „daheim und im Ausland“ und warf Washington Datendiebstahl und Verletzung der Privatsphäre vor. „Es sind die USA, die Unternehmen gezwungen haben, Hintertüren zu installieren, und sich Nutzerdaten beschafft haben.“ Umgekehrt gibt es immer wieder auch Vorwürfe, dass von chinesischen Servern Cyberangriffe auf amerikanische Firmen oder Behörden ausgehen. Das weist China stets zurück.

Chinas neues Gesetz zur Cybersicherheit bereitet auch europäischen Firmen in China Kopfzerbrechen. Aufgrund der zunehmenden Anforderungen müssen viele ihrer Daten nun in China gespeichert werden. Das könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass Firmen in China eine sündhaft teure Technologie-Insellösung aufbauen müssten - sprich, die China-Daten würden getrennt von den Daten des Hauptquartiers etwa in Deutschland gespeichert. Das Gesetz nimmt zwar erst allmählich Form an, doch 33 Prozent der Befragten gaben kürzlich in einer Umfrage der EU-Handelskammer in China an, durch das neue Gesetz Nachteile zu befürchten.  

Chinas Firmen: Kapitalbeschaffung im Ausland sehr reizvoll

Die neuen Vorschriften dürften die Kapitalbeschaffung aufstrebender Firmen aus China an ausländischen Aktienmärkten wie in New York oder Hongkong deutlich erschweren. Ein Listing in New York gilt vielen Firmen trotz der aktuellen geopolischen Spannungen nach wie vor als ausgesprochen attraktiv - und lukrativ. Die Zahl der in den USA notierten chinesischen Unternehmen sei in den vergangenen sieben Monaten um 14 Prozent gestiegen, berichtete die Hongkonger South China Morning Post. Rund 250 Unternehmen sind in den USA gelistet. Mehr als 20 Firmen haben derzeit Papiere für einen US-Börsengang fertig und warten auf Genehmigung. Auch in Hongkong gehen viele Firmen an die Börse - vielfach zusätzlich zu einem Listing in den USA.

Viele Unternehmen, vor allem aus dem Tech-Sektor, nutzten dabei Beteiligungsgesellschaften in Steuerparadiesen wie den Cayman Islands oder den British Virgin Islands auf das Börsenparkett in den USA oder in Hongkong zu gehen. Das ist ohnehin rechtlich zweifelhaft. Die entsprechenden regulatorischen Schlupflöcher möchte die Wertpapieraufsicht daher nun schließen, wie die Finanzagentur Bloomberg berichtete. Demnach soll auch für diese Tochtergesellschaften eine Genehmigung in China Vorschrift werden. „Jedes einzelne chinesische Technologieunternehmen, das eine Börsennotierung in den USA plant, muss es sich zweimal überlegen - und wird höchstwahrscheinlich gezwungen sein, die Pläne ganz aufzugeben“, sagte Fred Hu, Gründer von Primavera Capital, der South China Morning Post. China hatte unlängst in Shanghai der heimische Star-Markt als Technologie-Börse eröffnet, um der New Yorker Nasdaq-Börse Konkurrenz zu machen - und Firmen eine Alternative im eigenen Land anzubieten.

China: Ermittlungen gegen populären Fahrdienstvermittler Didi nach Börsengang

Die Ankündigung neuer Regeln war derweil nur der zweite Paukenschlag binnen weniger Tage: Gerade erst waren Chinas Behörden überraschend gegen den populären chinesischen Fahrdienstvermittler Didi Chuxing vorgegangen, der gerade erst einen Börsengang in New York abgeschlossen hatte. Didi hat mit 493 Millionen aktiven Nutzern und einem Marktanteil von rund 80 Prozent in China quasi eine Monopolstellung - und ist inzwischen auch in 16 anderen Ländern wie Australien, Brasilien, Mexiko und Russland aktiv. Erst vergangene Woche war das Pekinger Unternehmen in New York an die Börse gegangen - und das, obwohl die Cyber-Aufsicht Didi nach Presseberichten eine Verschiebung nahegelegt hatte. Nur wenige Tage nach dem Listing leiteten die Behörden Ermittlungen gegen Didi ein. Der Vorwurf: „Ernste Probleme“ bei der Erhebung und Verwendung von Kundendaten. Am vergangenen Sonntag wies die Cyber-Aufsicht zudem alle App-Stores an, die Didi-App zu entfernen. Didi erklärte, dass es seit dem 3. Juli ohnehin keine neuen Nutzer mehr registriere und seine Datenschutzregeln gemäß den Anforderungen des Staates korrigieren werde.

Ob die Probleme für Didi dadurch gelöst sind, ist fraglich. Wenn Chinas Behörden Probleme als „ernst“ bezeichnen, gehen sie nicht so schnell weg, sagt Michael Dunne, Experte für Chinas Technologie und Mobilität. „Sie erfordern fast immer weitere Untersuchungen und sind in der Regel mit hohen Geldstrafen oder Schlimmerem verbunden.“ Die Behörden haben in den letzten Wochen solche „ernsthaften Probleme“ bei mehreren der größten Technologieunternehmen entdeckt. Zuerst war der Online-Händler Alibaba dran, und auch der Social-Media und Gaming-Riese Tencent soll im Visier stehen. „Es ist eine Machtdemonstration, eine unauffällige Erinnerung daran, wer das Sagen hat“, sagt Dunne.

Auch gegen drei andere jüngst in den USA gelistete Unternehmen nahmen Die Behörden in den vergangenen Tagen ähnliche Untersuchungen aufgenommen. Börsenaspiranten werden die Entwicklung dieser Fälle genau beobachten. (ck/mit dpa)

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