Chongqing - Stadt der Brücken
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Blick auf die Megametropole Chongqing bei Nacht

Wirtschaftszentrum in Westchina

Chongqing: Stadt und Umland haben seit 1997 Provinzstatus - und wirtschaftlichen Erfolg

Chongqing: Die Metropole am Yangtse ist seit 1997 eine eigene Provinz - mit riesigem Umland. Gut 30 Millionen Menschen leben in der Region - davon gut die Hälfte in der Stadt selbst.

Chongqing ist die größte Stadt im Südwesten Chinas und seit 1997 eine eigene Verwaltungseinheit mit Provinzstatus. 2020 lebten dort insgesamt gut 30 Millionen Menschen, davon mehr als 16 Millionen in der Metropole selbst. Der Rest verteilt sich auf das riesige, vielfach bergige Umland, das fast so groß ist wie Österreich. Durch den wichtigen Binnenhafen am Yangtse-Strom und die internationale Verkehrsanbindung des Straßen-, Flug- und Schienenverkehrs ist die Stadt der wichtigste Wirtschaftsstandort Westchinas.

Kulturell ist die Stadtregion eng mit der Provinz Sichuan verwandt, aus der sie 1997 herausgelöst wurde. Wie in Sichuan lieben die Menschen eine ausgesprochen scharfe Küche. Wenn an warmen Tagen die Menschen draußen essen, durchzieht ein starker Duft von Chili und Sichuan-Pfeffer die Stadt. Der berühmte Feuertopf aus Chongqing ist in ganz China populär - und in der Stadt gibt es sogar ein eigenes Institut, das alles rund um die traditionelle Delikatesse erforscht.

Chongqing-Provinz: Lage und Klima

Chongqing ist eine der größten Städte Chinas und liegt im Südwesten der Volksrepublik. Die Stadt ist 82.000 Quadratkilometer groß und damit nur 1.000 Quadratkilometer kleiner als Österreich. Chongqing hatte 2020 gut 32 Millionen Einwohner, doch die Zahl fluktuiert aufgrund einer regen Binnenmigration.

Auf einer Landzunge zwischen zwei Flüssen gelegen, schmiegt sich die Stadt mit ihren Hochhäusern an steile Hänge, was ihr eine beeindruckende Skyline verleiht. Die Stadt ist daher seit Alters her von Treppen durchzogen und ist eine der wenigen Städte Chinas, in der es nie viele Fahrräder gab. Bis vor kurzem transportierten Männer waren mit über die Schultern gehängten Bambusstangen Waren hinunter zu den Flussschiffen - da dies schneller war als über die verstopften kurvenreichen Straßen. In Chongqing mündet der Jialing-Fluss in den Yangtse (auch Jangtsekiang), Chinas größten Fluss. Der Yangtse ist zugleich der drittlängste Fluss der Welt.

Durch diese Lage ist Chongqing ein zentraler Verkehrsknotenpunkt für Westchina. Der Hafen am Yangtse verbindet die Stadt mit den Metropolen der Küste und der internationalen Schifffahrt. Flugverbindungen gibt es nach Europa und in andere Staaten Asiens. Und eine neue Bahnlinie erlaubt Frachttransporte von Chongqing direkt nach Duisburg. Daher gibt es in Chongqing zahlreiche Konsulate, zum Beispiel von Großbritannien und Dänemark.

In der Region Chongqing herrscht ein subtropisches Klima mit milden Wintern, feuchten Sommern und viel Niederschlag. Chongqing trägt auch den Namen „Nebelhauptstadt“. Ähnlich wie in weiten Teilen Sichuans ist die Sonne dort selten zu sehen, der Himmel ist meist verhangen.

Chongqing: Verwaltung und Status

Chongqing ist eine regierungsunmittelbare Stadt. Das bedeutet, dass die Stadt den gleichen Rang wie eine Provinz hat und damit direkt der Zentralregierung Chinas untersteht.

Chongqing besteht aus sechs Stadtbezirken, von denen manche eher eine ländliche Struktur mit kleineren Dörfern und Siedlungen aufweisen. Allerdings dringen Trabantenstädte durch das Wachstum der Stadt auch in diese Distrikte vor. Die Zentralregierung Chinas strukturiert Chongqing immer wieder um, da die Stadt sich durch die schnell wachsende Wirtschaft ständig verändert.

Chongqing: Geschichte

In der Region des heutigen Chongqing leben seit mindestens 25.000 Jahren Menschen. Die Gegend entwickelte sich früh zu einer wichtigen Region für Landwirtschaft und Handel. Im Jahr 1.000 vor unserer Zeitrechnung war Chongqing Hauptstadt der Nation Ba, einer frühen Zivilisation. 800 Jahre später eroberten die Qin-Armeen die Region. Dadurch erschloss sich die Qin-Dynastie genug Ressourcen, um das erste chinesische Großreich zu gründen, das eine ähnliche Fläche umfasst wie das heutige China.

Im Jahr 1198 erhielt Chongqing seinen Namen. Die Stadt wurde aufgrund ihres Flusshafens ein wichtiger Handelsstandort für den gesamten Südwesten Chinas - quasi als Tor zu den wohlhabenderen Regionen im Osten des Reiches.

Im 19. Jahrhundert wurde der Hafen von Chongqing auf Druck des Auslands auch für den Welthandel geöffnet. Dies trug zum wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt mit bei. Während der Besatzung Ostchinas durch Japan im zweiten Weltkrieg diente Chongqing vorübergehend als Exil-Hauptstadt für die aus Nanjing geflohene Nationalregierung Chinas. Japan flog zwar gelegentlich Luftangriffe auf die Stadt, konnte sie aber nie einnehmen. Phasenweise waren dort auch amerikanische Truppen zur Unterstützung Chinas stationiert.

In den ersten Dekaden der Volksrepublik China fristete Chongqing wie alle Regionen Westchinas eher ein Schattendasein. Es gab zwar staatliche Industriebetriebe, aber die lokale Wirtschaft entwickelte sich nicht in dem Ausmaß wie die ab 1980 für den Außenhandel geöffneten Küstenregionen. Zur Jahrtausendwende aber beschloss Peking, auch Westchina an die beschleunigte Entwicklung im Osten des Landes anzubinden - mit einer groß angelegten Kampagne der Zentralregierung. Bereits 1997 erklärte Chongqing 1997 zur regierungsunmittelbaren Stadt und schälte die Metropole und ihr Umland aus ihrer bisherigen Provinz Sichuan heraus. Damit sollte die Stadt als Handels- und Industriestandort gestärkt werden. Seitdem treibt China die wirtschaftliche Entwicklung Chongqings gezielt voran.

Chongqing: Die Bevölkerung

Von Chongqings 34 Millionen Einwohnern leben nur 16,2 Millionen in der Metropole selbst - davon 6,2 Millionen in er Innenstadt und 7,7 Millionen Menschen wohnen in den umliegenden Vororten. In der Innenstadt ist die Bevölkerungsdichte mit über 4.200 Einwohnern pro Quadratkilometer mit Abstand am höchsten. In den entlegenen, vielfach gebirgigen ländlichen Gebieten des Chongqings leben aber fast ebensoviele Menschen - nur viel weiter verteilt. Die Bevölkerungsdichte liegt in diesen Gebieten im Schnitt bei nur 350 Einwohnern pro Quadratkilometer.

Im Laufe der Neugliederung Chongqings veränderte sich auch der Einwohnerstatus von Millionen Menschen. In China gilt das sogenannte Hukou-System, das die Menschen verwaltungstechnisch an ihren Geburtsort bindet. Auch wenn das System in den letzten Jahrzehnten gelockert wurde, ist für den Umzug von ländlichen Regionen in eine Großstadt bis heute eine Genehmigung notwendig. Nachdem Chongqing eine eigene Verwaltungseinheit wurde, erhielten Millionen Menschen auf dem Land den Status eines Stadtbürgers und damit umfassende Privilegien. Sie können so in ganz Chongqing ohne Genehmigung umziehen und ihren Wohnsitz frei wählen. Die Provinzregierung hat zudem einen gezielten Plan aufgestellt, wie die Bevölkerung der Stadt Chongqing auf kontrollierte Weise vergrößert wird - denn Stadtbürger verdienen mehr Geld und geben somit auch mehr aus.

Chongqing: Wirtschaft

Chongqing ist trotz seiner abgelegenen Lage seit Jahrzehnten ein Industriestandort. Das begann in der Zeit vor und während des zweiten Weltkriegs. In den 40er Jahren verlegten viele Rüstungsbetriebe ihren Sitz in die Stadt, weil sie einen Angriffskrieg Japans vorhersahen. Als Japan weite Teile Chinas besetzte, konnten diese Unternehmen weiterhin für China produzieren.

Nach Gründung der Volksrepublik förderte China die Region weiter. In den 50ern und 60ern entwickelten sich verschiedene Sektoren, vor allem durch staatliche Unternehmen: Automobil- und Textilindustrie sowie Unternehmen aus der Chemie-, Elektronik-, Stahl- und Nahrungsmittelbranche. Außerdem befinden sich dort zahlreiche Bergbauunternehmen, die in der Region Gas, Kohle, Eisenerz und andere Bodenschätze abbauen. Die Wirtschaft Chongqings wächst auch aufgrund der gezielten Förderung aus Peking und einem wachsenden Zufluss ausländischer Direktinvestitionen etwa im Automobilbereich oder der Chemie inzwischen sehr stabil.

Chongqing: Die Natur in den Drei Schluchten

In den Außenbezirken von Chongqing aber gibt es vielfach ursprüngliche und teilweise unberührte Landschaft. Das milde, subtropische Klima und der häufige Niederschlag sorgen für eine artenreiche Natur. Tiere und Pflanzen finden in Reservaten und Parks Schutz. Besonders wichtig ist der Jinfoshan, ein Bergmassiv im Nordosten von Chongqing. Der Berg und ein 1.000 Hektar großes Waldgebiet sind seit 2014 Teil des UNESCO-Weltnaturerbes. Hier leben zahlreiche seltene Tierarten wie der Leopard, südchinesische Tiger und der Nebelparder, eine Großkatze des südöstlichen Asiens.

Chongqing ist das Tor zu einem berühmten Naturdenkmal, den Drei Schluchten des Yangtse Die drei Schluchten Quetang, Wu und Xiling spielen eine wichtige Rolle in der Mythologie des ganzen Landes. Schon seit Jahrzehnten gibt es Kreuzfahrten von Chongqing aus durch die spektakulären Schluchten - auch seit dem Bau des Drei-Schluchten-Dammes, der den Wasserspiegel in der Region anhob.

China fördert die Bedeutung der Stadt als Erholungszentrum und siedelte hier zahlreiche Therapiezentren und Kurhäuser an. Die Regierung stärkt auch den Tourismus, zum Beispiel durch den Ausbau von Wanderwegen und die Errichtung von Besucherzentren in entlegenen Regionen.

Chongqing: Kultur

In Chongqing und der umliegenden Region siedelten vor über 2.000 Jahren die ersten Han-Chinesen. Zahlreiche Kulturschätze zeugen daher von der alten Geschichte der Stadt. Dazu gehören zum Beispiel die Felsskulpturen von Dazu aus dem 7. Jahrhundert. Dazu liegt ungefähr 90 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und umfasst über 50.000 Bilder und Figuren, darunter einen großen liegenden Buddha. Sie wurden über einen Zeitraum von 400 Jahren in Nischen und Grotten geschlagen. Auch tibetische Einflüsse prägen wie in Sichuan die lokale Kultur.

In der Stadt Chongqing gibt es zahlreiche Museen, darunter das Chongqing Museum mit einer Sammlung aus Gemälden und altem Porzellan. Das Drei-Schluchten-Museum erzählt von der Geschichte der Schluchtenregion und stellt Fundstücke aus der Ba-Zeit und dem Chinesisch-Japanischen-Krieg aus.

Chongqing: Stadt der Wolkenkratzer

Die Kernstadt von Chongqing ist rasant gewachsen und beherbergt heute mehrere Millionen Menschen auf kleinster Fläche. Um Wohnraum für die wachsende Einwohnerzahl zu schaffen, baut Chongqing seit Jahrzehnten sogenannte Superhochhäuser, also Wohnhäuser mit mindestens 30 Stockwerken oder mehr als 100 Meter Höhe. Chongqing ist heute die Stadt mit den meisten Superhochhäusern, gefolgt von Wuhan und Chengdu.

Auch der Verkehr der Megastadt verläuft inzwischen zu großen Teilen in großen Höhen. Um den Verkehr auf den Straßen zu entlasten, baut die Regierung in Chongqing Hochbahnen und Stelzenstraßen. Die Hochbahnen sind als Monorails angelegt, nutzen also nur eine Schiene. Um keinen Platz zu verschwenden, fahren die Bahnen teilweise durch Wohnhäuser und Bürotürme hindurch. Hochbrücken verbinden Häuser und Viertel miteinander und trennen so Fußgänger- und Autoverkehr voneinander. Weltbekannt ist vor allem die Skybridge im Raffles City Chongqing. Die Brücke verbindet in 300 Metern Höhe acht Wolkenkratzer miteinander und ist damit die zweithöchste Brücke der Welt.

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