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Von der Wiedervereinigung hält Rammstein-Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz offenbar nicht viel.

An der DDR sei nicht alles schlecht gewesen

Rammstein-Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz poltert: „Wiedervereinigung war eine Sauerei“

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Rammstein-Keyboarder Christian Lorenz ist in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Bei einem Interview sprach er darüber, was nach der Wiedervereinigung ihm zufolge falsch lief. 

  • Rammstein-Bandmitglied Christian „Flake“ Lorenz vertritt in einem Interview äußert streitbare Ansichten zur Wiedervereinigung.
  • Lorenz zufolge sei diese „eine Sauerei“ gewesen.
  • Das Erstarken der AfD erklärt sich der Keyboarder unter anderem durch enttäuschte Erwartungen vieler Menschen in Ostdeutschland. 

Berlin - Die Wiedervereinigung jährte sich vergangenes Jahr zum 30. Mal und für viele Menschen war dieses Jubiläum ein Grund zum Feiern. Für Christian „Flake“ Lorenz, den Keyboard-Spieler der Band Rammstein, ist die Wiedervereinigung stattdessen „eine Sauerei“. In einem Interview erzählte der Musiker, der in der ehemaligen DDR aufgewachsen ist, was seiner Meinung nach ab dem Fall der Berliner Mauer 1989 schief ging.

Rammstein-Keyboarder hält Wiedervereinigung für „eine Sauerei“

„Wir wurden als unnützes Land angegliedert, ganze Biografien für wertlos erklärt, Firmen geschlossen, damit sich die Westfirmen breitmachen konnten“, kritisierte Lorenz im Gespräch mit dem österreichischen Standard. „Wir sind so sehr zurückgesetzt worden, dass sich ein Groll und eine Enttäuschung aufgebaut haben, die bis jetzt anhalten.“ Dann macht er seine mit einem weiteren Statement unmissverständlich deutlich: „Im Großen und Ganzen war die Wiedervereinigung in dieser Form eine Sauerei.“

Auch den Rechtsruck der Gesellschaft, der sich besonders im Osten Deutschlands zeigt, führt Lorenz unter anderem auf Entwicklungen nach der Wiedervereinigung zurück. „Viele Menschen sindenttäuscht, weil sich bestimmte Versprechungen nicht erfüllt haben“, sagt das Rammstein-Bandmitglied gegenüber dem Standard. „Das politisch Linke hatten sie aber schon in ihrem Leben, jetzt probieren sie es mit rechts.“  

Die AfD zu wählen ist für Christian Lorenz nicht nachvollziehbar

Für ihn persönlich sei es trotzdem nicht nachvollziehbar, wie man die AfD wählen könne. Eine Erklärung für den großen Zuspruch, den die rechtsradikale Partei in der deutschen Bevölkerung mittlerweile findet, hat er aber schon. Die Menschen, die die AfD wählen, würden das zum Großteil aus Protest gegen die etablierten Parteien tun, ist sich Lorenz sicher. Von diesem Vorgehen hält der Musiker aber nichts. „Wenn die AfD regieren würde, würden viele Leute sehr schnell merken, dass es nicht besser, sondern schlimmer wird“, prophezeit er. 

Lorenz betonte zudem, dass man Wende und Wiedervereinigung trennen müsse. Die Wende habe er als damaliger Punk miterlebt, das „verknöcherte alte Betonkopfgerüst des DDR-Politbüros“ bezeichnete der Musiker als Feind. „Wir wollten dieses idiotische Regime nicht mehr und haben dafür gekämpft, dass es aufgelockert wird“, erzählte Lorenz. Ab der Wiedervereinigung sei dann aber ganz viel schiefgegangen

DDR ein Unrechtsstaat? „Ich kann nicht sagen, dass der ganze Staat schlecht war“

Auf die Frage, ob Lorenz es versteht, wenn man von der DDR als Unrechtsstaat und der Stasi-Repression als eine Art von Terror sprach, entgegnete der Musiker: „Ich persönlichkann nicht sagen, dass der ganze Staat schlecht war.“ Er könne es zwar verstehen, wenn das Leute sagen, die das so erlebt und darunter gelitten hätten. Aber der 53-Jährige findet die „Pauschalisierung“ der DDR als „Unrechtsstaat“ nicht in Ordnung. Er möchte außerdem nicht wissen, wie viele unschuldige Menschen im Westen eingesperrt und überwacht wurden beziehungsweise werden. 

Lesen Sie auch: So war das Rammstein-Konzert im vergangenen Sommer in München

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