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Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff

Kritik an "öffentlicher Hinrichtung"

Autor: Politiker haben Wulff im Stich gelassen

Berlin - Die Geschichte hinter der Geschichte: Der Rücktritt von Christian Wulff war vor allem die Folge eigener Fehler. Der Autor des Buchs "Der böse Wulff?" erhebt jedoch auch schwere Vorwürfe gegen Kollegen.

Warum musste Christian Wulff als Bundespräsident zurücktreten? Unausweichlich war dieser Schritt vor genau einem Jahr nicht, meint der Autor Michael Götschenberg, der Wulff als ARD-Hörfunkkorrespondent auf vielen Reisen begleitete. Bei der Vorstellung seines Buches „Der böse Wulff?“ am Mittwoch in Berlin hielt der Journalist Wulff und seinen Mitarbeitern jedoch „verheerendes Krisenmanagement“ vor. Vor allem aber kritisierte Götschenberg die Rolle der Medien. „Das nahm Züge einer öffentlichen Hinrichtung an.“

Dass die Medien eine zentrale Rolle bei der „Affäre Wulff“ spielen konnten, lag nach Ansicht des Autors auch an der auffälligen Zurückhaltung der Parteien. „Die Politik hat sich weggeduckt“, sagt Götschenberg. „Am Ende ist die Krise ein Machtkampf zwischen Präsident und Medien.“ Einige hätten dabei „alles Maß verloren“.

Auf gut 280 Seiten beschreibt der Journalist die kurze Geschichte der Präsidentschaft Wulffs, der schon bei seiner Wahl 2010 wenig Unterstützung der Medien hatte. „Dieses Buch erzählt die Geschichte einer Präsidentschaft, die von Anfang an unter keinem guten Stern stand.“ Auch das erste Jahr im Amt änderte daran wenig. Wulff habe sich trotz unbestreitbarer Erfolge versteckt, es sei ihm nicht gelungen, die Leitmedien zu überzeugen, dass er dem Amt gewachsen sei, schreibt der Autor. Er hat für das Buch mit dem Ex-Präsidenten selbst und vielen anderen Akteuren und Beobachtern gesprochen.

Vom Schülersprecher zum Bundespräsidenten - Wulffs politisches Leben in Bildern

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

Als im Dezember 2011 durch Recherchen mehrerer Medien Wulffs Privatkredit für sein Haus bekannt wurde, und „Bild“ mit der Geschichte an die Öffentlichkeit ging, begann nach Auffassung Götschenbergs eine verhängnisvolle Kette von Fehlern. „Man muss sich wundern, wie plan- und kopflos Wulff und (sein Sprecher Olaf) Glaeseker in die Krise hineingeschlittert sind“, sagt er. Wulff leistet sich zwar die Dienste eines renommierten Anwaltsbüros, für einen professionellen Medienberater aber habe das Geld gefehlt.

Das Verhältnis Wulffs zur „Bild“-Zeitung beleuchtet das Buch ausführlich. „Es war eine schleichende Entfremdung. Aus der Freundschaft wurde eine Feindschaft“, sagt Götschenberg. Neben dem berühmten Anruf auf der Mailbox von Chefredakteur Kai Diekmann, mit der Wulff die Veröffentlichung der Kredit-Details zumindest verzögern wollte, sieht Götschenberg zwei entscheidende Fehler des Ex-Präsidenten: Zum einen habe er nicht schon zu Beginn darauf hingewiesen, dass sein Unternehmer-Freund Egon Geerkens und nicht nur dessen Frau für den Kredit verantwortlich war. Damit habe sich Wulff von Anfang an um seine Glaubwürdigkeit gebracht.

Reisen, Partys, Darlehen: Die Vorwürfe gegen Christian Wulff

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Zum anderen fehlte ausgerechnet die Sylt-Reise mit dem Filmproduzenten David Groenewold, als Wulff dann eine Liste von Urlauben vorlegte, die er bei Unternehmerfreunden verbrachte. Genau deshalb aber nahm die Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen auf und Wulff trat am 17. Februar zurück - dann doch unausweichlich.

Neben der großen Linien der Affäre wartet Götschenberg auch mit amüsanten Details auf - etwa der Geschichte, dass Wulff auf seiner letzten Auslandsreise nach Italien das Cockpit angewiesen habe, ein Gespräch mit Journalisten nach zehn Minuten zu unterbrechen, weil angeblich die Landung bevorstand. „Gehen Sie jetzt lieber schnell auf ihre Plätze - ich weiß nicht, ob wir genügend Fallschirme an Bord haben“, sagte Wulff, der manchmal sogar witzig sein konnte.

dpa

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