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Feiert seinen knappen Sieg: der neue venezoelanische Staatschef Maduro.

Opposition fordert Nachzählung

Chávez-Kandidat Maduro gewinnt nur knapp

Caracas - Auch ohne „Übervater“ Chávez bleibt Venezuela auf Kurs Sozialismus. Die Venezolaner wählten Interimspräsident Maduro zum Staatschef, wenn auch mit knapper Mehrheit.

Die „Bolivarische Revolution“ von Hugo Chávez in Venezuela geht weiter. Die Venezolaner wählten den sozialistischen Interimspräsidenten und Chávez-Intimus Nicolás Maduro zum neuen Staatschef, auch wenn sie ihn nicht mit einer so komfortablen Mehrheit wie Chávez ausstatteten. Maduro tritt das Erbe des an Krebs gestorbenen Comandante an und will den Sozialismus in dem ölreichen Land festigen. Die Opposition erlitt hingegen am Sonntag (Ortszeit) ihre dritte Wahlschlappe in Folge innerhalb von sechs Monaten. Allerdings konnte ihr Kandidat deutlich zulegen. Eine Anerkennung der Wahl seitens der Opposition blieb zunächst noch aus.

Nach Angaben der Wahlbehörde CNE kam Maduro nach Auszählung von über 99 Prozent der Stimmen auf 50,66 Prozent. Für Capriles stimmten 49,07 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 78,71 Prozent. Der Gouverneur von Miranda war bei der Wahl im Oktober 2012 gegen Chávez bereits auf starke 44 Prozent gekommen, hatte sich aber dem damaligen Amtsinhaber mit 55 Prozent geschlagen geben müssen.

Maduro betonte nach der Wahl: „Heute können wir sagen, dass wir einen legalen, verfassungsmäßigen Sieg (errungen) haben.“ Der Sozialist war einer der engsten Weggefährten von Chávez. Von 2006 bis 2012 war er Außenminister, dann Vize-Präsident und nach dem Tod von Chávez Interimspräsident. Der Gewerkschafter und frühere Busfahrer tritt ein schwieriges Erbe an. Zwar verfügt Venezuela über eine der weltweit größten Erdölreserven. Doch hat Venezuela auch mit einer hohen Inflationsrate von über 20 Prozent und einer zum Teil maroden Infrastruktur zu kämpfen.

Kurz vor der Wahl hatte Maduro eine Anhebung der Mindestlöhne um bis zu 45 Prozent verkündet. Die Wählerschaft seiner sozialistischen Partei rekrutiert sich vor allem aus den armen Bevölkerungsschichten, für die die Regierung seit dem Amtsantritt von Hugo Chávez im Jahr 1999 enorme Sozialprogramme auflegte. Das Wahlergebnis dürfte auch in Kuba mit Freude aufgenommen werden, denn Venezuela versorgt das „Bruderland“ seit Jahren mit Erdöl zu verbilligten Preisen. Die staatliche venezolanische Nachrichtenagentur AVN titelte nach der Wahl: „Das Volk von Chávez bleibt unbesiegt.“

Venezuelas Opposition erkennt den Sieg des sozialistischen Kandidaten nicht an. Der unterlegene Einheitskandidat der Opposition, Henrique Capriles Radonski, machte klar, dass es keinen Pakt zwischen ihm und Maduro gebe. „Ich paktiere weder mit der Lüge noch mit der Korruption“, sagte der 40-Jährige in der Nacht zum Montag in Caracas. Er forderte eine umfassende Überprüfung des Wahlergebnisses und eine erneute Auszählung aller Stimmen. Es gebe zudem 3000 Meldungen über Unregelmäßigkeiten bei der Wahl.

Capriles hatte nach offiziellen Angaben der Wahlbehörde die Abstimmung am Sonntag knapp verloren. Er kam auf 49,07 Prozent und Maduro auf 50,66 Prozent der Stimmen. Zum Wahlsieg fehlten Capriles nur rund 235 000 Stimmen.

dpa

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