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Claudia Roth wurde beim Grünen-Parteitag mit Tränen, Jubel und minutenlange Standing-Ovations verabschiedet

"Es ist vorbei, bye-bye..."

Claudia Roth: Standing-Ovations zum Abschied

Berlin - Begleitet von der Musik ihrer einstigen Band Ton Steine Scherben hat sich die Grünen-Chefin Claudia Roth aus der Parteiführung verabschiedet. Für sie gab es Standing-Ovations und eine bewegende Rede.

Tränen, Jubel und minutenlange Standing-Ovations - so emotional und bewegt haben die Grünen am Samstag ihren Parteivorstand verabschiedet. „Ich will keine Tränen seh'n“, rief die nach mehr als elf Jahren scheidende Parteichefin Claudia Roth den rund 800 Delegierten zu - und hielt sich selbst nicht daran. Ihr Amt sei mehr als eine Funktion gewesen. „Das war Leben, das war Handeln, das war Kämpfen, das war Genießen, das war auf und ab“, sagte Roth. Sie wünsche sich, dass die Grünen immer die Grünen blieben und sich nicht über andere, sondern sich selbst definierten.

Roth: "Wir sind cool, wir sind bunt..."

"Lasst uns kämpfen für das, wo wir hinwollen." Politik müsse nicht "mausgrau" sein und die Grünen seien auch keine "Spießerpartei". Sie versicherte: "Wir sind cool, wir sind bunt und hoffentlich auch manchmal schrill - sonst wird's nämlich verdammt langweilig." Zum Abschluss ihrer Ansprache zitierte sie dann noch eine Liedzeile der Band Tote Hosen: "Die Zeit mit euch war wunderschön. Es ist wohl besser jetzt zu gehn, wir können keine Tränen sehn. Schönen Gruß und auf Wiedersehn."

Bye bye, Claudia, Hallo Simone - Bilder vom Bundesparteitag der Grünen

Bye bye, Claudia, Hallo Simone - Bilder vom Bundesparteitag der Grünen

Zum Abschied zeigten die Grünen in einem Film wichtige Stationen über Roths Wirken. Die einstige Managerin der Rockband Ton Steine Scherben, die oft Kleidung in schrillen Farben trägt und ihre Haare umfärbt, sang bei der Liedzeile eines Solos von Sänger Rio Reiser sogar selbst mit: "Es ist vorbei, bye-bye..." Beendet ist Roths politisches Wirken aber keineswegs: Sie wurde erneut in den Bundestag gewählt und von ihrer Fraktion bereits für den Posten der Vizepräsidentin des Bundestages nominiert.

"Du bist auf der Skala Leidenschaft immer mit der vollen Punktzahl"

Die bayerische Landesvorsitzende Theresa Schopper sagte in einer sehr persönlichen Rede, Roth habe sich „zu einem Aha-Erlebnis, zu einem Eisbrecher für konservative Männer“ entwickelt. „Du bist auf der Skala Leidenschaft immer mit der vollen Punktzahl.“ Roth hatte nach der Bundestagswahl ihren Rückzug angekündigt.

Auch Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke trat nach elf Jahren ab. „Ihr macht es mir leicht zu gehen, weil hier eine Partei sitzt, die absolut selbstbewusst und kämpferisch nach so einer Wahlniederlage aufsteht und mit dem Fuß aufstampft“, sagte sie. Sie habe Türen öffnen und Leuten ermöglichen wollen, „rote Linien“ zu überspringen. Jetzt fühle sie sich auch befreit.

Grüne wollen sich künftig Schwarz-Grün und Rot-Rot-Grün offenhalten

Zuvor hatte der Parteitag mit großer Mehrheit eine strategische Neuausrichtung beschlossen: Um wieder an die Macht zu kommen, wollen sich die Grünen künftig offen nach allen Seiten zeigen. Für Rot-Grün habe es bei der zurückliegenden Bundestagswahl zum dritten Mal nicht gereicht, nun müssten andere Optionen möglich sein, „sei es Rot-Grün-Rot oder Schwarz-Grün“, heißt es in dem Beschluss.

Und weiter: „In unserer Partei müssen wir die bestehende Blockade überwinden, damit alle auch alle Optionen mittragen können.“ Als Lehre aus dem Wahlkampf müssten es die Grünen wieder schaffen, eine realistische Machtoption zu erarbeiten. Zuvor lehnte die Versammlung einen Realo-Änderungsantrag ab, der die Pläne für höhere Steuern ausdrücklich als „Fehler“ bezeichnete, auf den das schlechte Wahlergebnis zurückzuführen sei.

Die Grünen wollen selbst keine Initiative für Sondierungsgespräche mit SPD und Linken ergreifen. Ein Antrag, der Gespräche mit dem Ziel einer rot-rot-grünen Regierung oder einer rot-grünen Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linken forderte, fiel durch. Angesichts der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD sei dafür jetzt der falsche Zeitpunkt, sagte der neue Fraktionschef Anton Hofreiter.

Nun werden Parteivorstand und Parteirat gewählt

Am Nachmittag wollten die rund 800 Delegierten über den neuen sechsköpfigen Parteivorstand und den Parteirat entscheiden. Als Vorsitzende stellen sich der amtierende Parteichef Cem Özdemir und die frühere saarländische Umweltministerin Simone Peter zur Wahl. Gegen Özdemir tritt das weitgehend unbekannte Basis-Mitglied Thomas Austermann an. Er galt als reiner Zählkandidat.

Mit Spannung wurde der Ausgang der Wahl zum Parteirat erwartet. Mit der Kandidatur unter anderem des baden-württembergischen Landwirtschaftsministers Alexander Bonde versuchen die Länder, ihren Einfluss in diesem Führungsgremium zu verstärken.

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dpa

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