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Claudia Roth ist seit 2013 Vizepräsidentin des Bundestags.

Merkur-Interview

Claudia Roth zu Flüchtlingsdrama: "Ich schäme mich!"

Kos - Hunderte von Flüchtlingen kommen täglich auf der griechischen Ferieninsel Kos an. Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) macht sich vor Ort ein Bild.

Im Merkur-Interview erzählt Claudia Roth, wie Sie das Flüchtlingsdrama auf der griechischen Ferieninsel Kos sieht.

Frau Roth, was erleben Sie auf Kos?

Es ist unbeschreiblich. Es gibt keine Erstaufnahmeeinrichtung. Wir waren in einem Haus, das die griechische Regierung für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt hat – das ist wirklich die Hölle. Eine Ruine, die Decke kommt runter. Keine Elektrizität, keine medizinischen Checks, keine Essensversorgung.

Was tun die Behörden?

Aus Athen kamen jetzt zwölf zusätzliche Polizisten, die die Identität der Leute feststellen sollen. Sie müssen sich vorstellen, der ganze Hafen ist voller Menschen. Hunderte. Es ist tierisch heiß. Die Stimmung ist aufgeheizt, wird immer aggressiver.

Kos ist gleichzeitig ein beliebtes Urlaubsziel. Will man Flüchtlinge auf diese Weise vielleicht fernhalten?

Die Leute haben natürlich Angst, was das alles mit dieser Insel macht. Aber zu glauben, wenn man den Menschen nichts anbietet, werden die Flüchtlinge verschwinden – das wird nicht funktionieren.

Was muss passieren?

Die Grundversorgung muss dringend geleistet werden. Griechenland ist der Staat, der hier als erster Zuständiger liefern muss. Klar, es gibt die Krise. Allerdings kann das keine Entschuldigung sein, dass der Müll liegen bleibt und die Leute keine Unterkunft mit Strom, Wasser und Toiletten bekommen. Aber auch die EU muss helfen. Ich schäme mich, dass mitten in Europa solche Zustände möglich sind. Diese Europäische Union hat immer noch den Friedens-Nobelpreis – der ersäuft hier wirklich.

Interview: Sebastian Horsch

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