„Wir sind das Volk“

Pöbelnder Mob empfängt Flüchtlinge - Polizist zerrt Kind aus Bus

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Clausnitz - Es ist eine beängstigende Szene, die sich am Donnerstagabend im sächsischen Clausnitz zugetragen hat. Eine wütende Gruppe rechter Demonstranten brüllt gegen einen Bus voller verängstigter Flüchtlinge an.

Update: Inzwischen ist ein weiteres Video im Internet aufgetaucht, das auch das Verhalten der Polizisten vor Ort zumindest fragwürdig erscheinen lässt.

„Wir sind das Volk“, skandiert eine aufgebrachte Menge in dem kleinen Ort nahe der tschechischen Genze. Die Rufer drängen sich an den Bus heran, der gerade angekommene Flüchtlinge zu einer Asylunterkunft bringt. Ein schluchzender Junge  ist völlig verängstigt vor dem brüllenden rechten Mob, will zunächst nicht aussteigen. Im Bus halten sich zwei Frauen weinend in den Armen. Eine Frau mit Kopftuch gestikuliert empört gegen die Menge. "Da war schon aufgeheizte Stimmung. Etwa 100 Menschen demonstrierten", sagte Bürgermeister Michael Funke gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Die Aufschrift auf dem Bus lautet „Reisegenuss“. Zynischer hätte man sie kaum formulieren können.

Hochgeladen wurde das Video von einem Mitglied der aggressiven Fremdenfeinde in eine Facebook-Gruppe namens „Döbeln wehrt sich – Deine Stimme gegen Überfremdung“. So stolz scheinen die rechten Kameraden auf ihre Aktion allerdings mittlerweile nicht mehr zu sein – die Gruppe ist  inzwischen von Facebook verschwunden.  Der Komiker Jan Böhmermann wurde jedoch auf das Video aufmerksam und verbreitete die Aufnahmen über die sozialen Netzwerke, mit dem Kommentar: „Der deutsche Angstmob begrüßt die, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind.“

Gegenüber Spiegel Online bestätigte die Polizei den Vorfall. Die Demonstranten hätten die Zufahrt zu einer Asylunterkunft blockiert und mit Fahrzeugen eine Straßensprerre errichtet. Um 19.20 Uhr sei der Bus angekommen, die Flüchtlinge konnten ihre Unterkunft aber erst um 21 Uhr beziehen. Die Polizei ermittle nun wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Versammlungsgesetz. Die Identität der Demonstranten sei bislang unklar. 

Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) verurteilte in einer Erklärung die Proteste scharf: „Bei allem Diskussionsbedarf, den es in der Flüchtlingsfrage derzeit gibt: ich finde ich es zutiefst beschämend, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Anstatt wenigstens den Versuch zu unternehmen, sich in die Situation der Flüchtlinge zu versetzen, blockieren einige Leute mit plumpen Parolen den Weg von schutzsuchenden Männern, Frauen und Kindern. Das kann ich nur verurteilen!“

Rubriklistenbild: © Twitter-Screenshot

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