Friedemann Diederichs

US-Wahlkampf

Kommentar: Clintons gefährliches Spiel

Washington - Den US-Wahlkampf und die momentane Strategie von Hillary Clinton, der Kandidatin der Demokraten, kommentiert Friedeman Diederichs, USA-Korrespondent des Münchner Merkur. 

Noch Ende Juli, auf dem Nominierungsparteitag in Cleveland, gab es für Donald Trump nur eine Bezeichnung: erledigt. Die Partei-Elite der Republikaner hasste ihn, und der xenophobe Populist redete sich von einer Peinlichkeit zur anderen. Er sei für echte Konservative unwählbar, hieß es. Doch nun hat der Liebling von Amerikas rechten Wutbürgern das Unvorstellbare geschafft: in Umfragen zur Favoritin Hillary Clinton aufgeschlossen. Der Chancenlose hat seine letzte Chance genutzt, weil ihn neue Berater programmatisch gezügelt und ihm einen moderateren Anstrich verpasst haben.

Hillary Clinton hingegen begeht den Fehler, weiter einen Anti-Trump-Wahlkampf zu führen, der immer weniger greift. Stattdessen bietet die Demokratin immer größere Angriffsfläche durch neue Enthüllungen über ihren Mail-Skandal und die Geldgier von Ehemann und Tochter. Und Clinton vergisst klar darzustellen, für welche programmatischen Neuerungen sie denn eigentlich steht. Nur zu versprechen, sie werde die Ära Obama nach acht Jahren gemischter Bilanz fortsetzen, ist gefährlich. Zu viele Amerikaner wollen endlich Wandel in Washington – und Hillary Clinton und ihr Familien-Kartell sind so ziemlich das letzte, das dafür steht.

Friedemann Diederichs

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