Debatte in Coburg

Unternehmer Brose kriegt keine eigene Straße

Coburg - Selbst der Zentralrat der Juden hatte sich eingeschaltet, als in Coburg die Debatte wieder aufflammte, ob man dem Unternehmer Max Brose eine Straße widmen sollte. Nun gibt es eine Lösung.

Die mögliche Umbenennung einer Straße in Coburg nach dem umstrittenen Firmengründer Max Brose (1884-1968) ist vorerst vom Tisch. Der Stadtrat will sich stattdessen der Frage widmen, wie Brose und seine Rolle im Nationalsozialismus bewertet werden sollen. Zuletzt hatte der Zentralrat der Juden eine mögliche Straßenumbenennung kritisiert, weil Brose NSDAP-Mitglied war und Zwangsarbeiter beschäftigt hatte. Es gebe jedoch Belege, dass Brose dennoch dem NS-Regime distanziert gegenüberstand, sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) am Freitag.

2004 hatte der Coburger Stadtrat eine Straßenumbenennung abgelehnt, seitdem galt das Tischtuch zwischen der Kommune und dem Brose-Enkel Michael Stoschek als zerschnitten. In den vergangenen Wochen war die Diskussion um eine Max-Brose-Straße erneut aufgeflammt. Stoschek betonte am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Tessmer, er habe nie eine Max-Brose-Straße gefordert. Er wünsche sich aber eine Rehabilitierung seines Großvaters. Aus persönlichen Erzählungen wisse er, dass seine Familie dem NS-Regime ablehnend gegenüber gestanden habe. Als Unternehmenschef habe sein Großvater aber in vielen Fragen der damaligen Zeit keine Wahl gehabt. Ansonsten hätte er riskiert, seine Firma zu verlieren.

Zugleich wies Stoschek Mutmaßungen zurück, er habe aus Kränkung über die Straßennamen-Entscheidung 2004 eine große Investition des Autozulieferers in Bamberg angeschoben - und eben nicht am Hauptsitz Coburg. Man habe in einer Studie ermitteln lassen, dass Bamberg der am besten geeignete Standort ist. „Das war keine emotionale Entscheidung.“ In der Domstadt investiert Brose derzeit rund 200 Millionen Euro für Verwaltungs- und Produktionsgebäude. Das Unternehmen macht mit weltweit 23.000 Mitarbeitern jährlich einen Umsatz von fünf Milliarden Euro. Stoschek ist Chef der Gesellschafterversammlung.

Am Dienstag hatten sich Tessmer und Stoschek mit Josef Schuster, dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, getroffen. Schuster hatte einen Brief an den OB geschrieben und die mögliche Straßenumbenennung kritisiert. Das Gespräch sei „konstruktiv und offen“ gewesen, sagte Tessmer. Weitere Einzelheiten wollten er und Stoschek aber nicht nennen.

dpa

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