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Lebensmittelverschwendung: Weggeworfene Brötchen.

Trend unter umweltbewussten jungen Leuten

Unions-Minister blockieren: Containern bleibt strafbar - Bundesland plant Sonder-Lösung

"Containern" ist in Deutschland immer noch illegal und das, obwohl die weggeworfenen Lebensmittel sowieso auf dem Müll landen. Der Hamburger Justizsenator will "Containern" nun bundesweit legalisieren.

Update vom 7. Juni: Nach dem Scheitern einer Initiative Hamburgs zur Straffreiheit des sogenannten Containerns will die Hansestadt einen Sonderweg einschlagen. "Wir wollen mit unserer Staatsanwaltschaft darüber reden. Sie hat nach der Strafprozessordnung die Möglichkeit, Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen", sagte Hamburgs Justizsenator Till Steffen (Grüne) am Freitag im Bayerischen Rundfunk.

Auf der Justizministerkonferenz der Länder war am Donnerstag eine Initiative gescheitert, die Entnahme von Lebensmitteln aus Supermarkt-Müllcontainern nicht mehr unter Strafe zu stellen. Vor allem die Unions-Minister - die in dem Gremium die Mehrheit stellen - hatten sich laut Steffen nicht zu einer Neuregelung durchringen können.

Thema „Containern“: Till Steffen Justizminister von Hamburg, bekommt von Aktivistinnen vor dem Tagungshotel der Justizministerkonferenz eine Brezel gereicht.

Steffen hatte sich danach enttäuscht gezeigt und gesagt, es verstehe "kein Mensch, warum die Entnahme von Müll bestraft werden muss".

Das „Containern“ gilt bislang als Diebstahl. Hamburg schlug deshalb vor, den Eigentumsbegriff oder die Straftatbestände zu ändern. Der Grünen-Politiker Steffen hätte sich dafür eine bundesweit einheitliche Regelung gewünscht. "Brauchen wir für diese Fälle wirklich das Strafrecht, oder kann man da nicht sagen, da wollen wir Strafverfolgung sein lassen?", sagte er in der Sendung „Radiowelt“ auf Bayern2.

Erstmeldung: Hamburger Justizsenator will "Containern" bundesweit legalisieren

Hamburg - Im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung hat Hamburg eine Initiative zur Legalisierung des sogenannten Containerns gestartet. Wie "Neue Osnabrücker Zeitung" und "Pinneberger Tageblatt" am Freitag berichteten, hat der Hamburger Justizsenator Till Steffen (Grüne) einen entsprechenden Antrag für die Konferenz der Justizminister der Bundesländer in der kommenden Woche vorbereitet. Das Mitnehmen weggeworfener Lebensmittel aus Abfallbehältern soll damit straffrei werden.

"Containern" gilt immer noch als Diebstahl

Bisher gilt es als Diebstahl, wenn jemand Nahrungsmittel aus Müllcontainern holt, die Supermärkte und Fabriken wegen abgelaufener Mindesthaltbarkeitsdauer oder Druckstellen weggeworfen haben. Hamburgs Justizbehörde will den Bund auffordern, das "Containern" zuzulassen. Es könne nicht sein, dass hierzulande tonnenweise noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden, andererseits aber diejenigen bestraft würden, die gegen Lebensmittelverschwendung aktiv sind, heißt es laut den Berichten aus der Behörde.

Containern betreiben sowohl Obdachlose als auch Aktivisten, die damit gegen Auswüchse der Überflussgesellschaft protestieren. Hamburg möchte, dass der Bund eine Neuregelung dieser Eigentumsaufgabe im Falle von Lebensmitteln prüft.

Steffen schlägt Wegwerfverbot für Supermärkte vor

Alternativ schlägt Steffen vor, dem "Containern" die faktische Grundlage gleich ganz zu entziehen, indem für Supermärkte ein Wegwerfverbot geschaffen wird. Vorbild könne Frankreich sein, das 2016 ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung erlassen hat. Dort müssen Lebensmittelmärkte mit mehr als 400 Quadratmetern Ladenfläche unverkaufte Nahrungsmittel an gemeinnützige Organisationen verschenken.

In Deutschland arbeiten viele Supermärkte bereits ebenfalls mit den örtlichen Tafeln zusammen. Insgesamt werden in Deutschland jährlich etwa elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Ende Januar hatte ein Gerichtsurteil gegen zwei Münchner Studentinnen für Aufsehen gesorgt, die Lebensmittel aus dem Müllcontainer eines Supermarktes entnommen hatten.

Tag für Tag landen in München 168 Tonnen Lebensmittel in der Tonne. Zwei Studentinnen wollen dagegen etwas unternehmen. und mussten deshalb vor Gericht. Demonstranten stärkten den beiden Kämpferinnen in der Kreisstadt Fürstenfeldbruck den Rücken, wie Merkur.de* berichtete.

AFP/fn

*Merkur.de ist Teil des Bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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