Zwei Kommentare

Pro & Contra zum Ausbau am Flughafen München

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München - Ist die Entscheidung für eine dritte Startbahn am Flughafen ein mutiges Signal für den Standort Bayern oder ein zweifelhaftes Karriereziel? Zwei Kommentare, die das Pro und Contra darlegen.

Pro: Eine dritte, bitte!

Ob Tourismus-Investitionen, Windkraft- und Trassenausbau, Handelsabkommen, neue Bahnhöfe oder eine Startbahn: Manchmal hat man den Eindruck, dass wir uns zu einer Republik der Nein-Sager, Bedenkenträger und Besitzstandswahrer entwickeln. Themen werden schnell emotional statt rational diskutiert, Argumente oft in aggressivem Ton niedergebügelt. Daher schweigen viele Bürger, Politiker ducken sich weg, sie wollen es sich mit der Öffentlichkeit nicht verderben.

Schon deswegen ist das eindeutige Ja von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner für den Bau der 3. Startbahn ein mutiges und gutes Signal für den Standort Bayern. Sie hat erkannt: Wer Fortschritt verweigert und Stillstand propagiert, setzt die Zukunft unserer Kinder aufs Spiel, vertreibt womöglich Talente, die sich lieber an Ländern orientieren, die fortschrittsfreundlich und heiterer in die Zukunft blicken. Der heutige Erfolg des Freistaats ist kein Selbstläufer. Um die globale Spitzenposition zu halten, muss sich der Standort weiter entwickeln. Dazu gehört in Zeiten einer immer mobiler werdenden Gesellschaft ein leistungsfähiger Flughafen. Schon heute ist die Kapazität der beiden Bahnen in den attraktivsten 10 Stunden des Tages ausgeschöpft. Es gibt einen Stau in der Luft, Wachstum ist gedeckelt. Die Flugzeuge sind eh schon größer geworden und auf lange Sicht stiegen und steigen die Passagierzahlen. Der Flughafen ist ein Wirtschaftsmotor, er schafft Arbeitsplätze bis weit in Bayerns Regionen hinein. Damit sichert er auch indirekt Bildung, Forschung und Fortschritt. Eine (nur aus privaten Mittel finanzierte) dritte Bahn würde dies auch für die nächsten Jahrzehnte garantieren und somit auch nachfolgenden Generationen Wohlstand ermöglichen.

Bettina Bäumlisberger

Contra: Koa dritte

Koa dritte – das ist der Slogan, mit dem die Bürgerbewegung in der Region Freising (und darüber hinaus) seit nunmehr zehn Jahren gegen ein überflüssiges Bauwerk zu Felde zieht. Der Startbahn-Protest ist bewundernswert, er wäre längst eine kollektive bayerische Verdienstmedaille in Gold wert. Es ist nur die Frage, wer sie ihnen verleihen würde. Seehofer, Söder & Co hängen ja sonst jedem gerne einen Platschari um, der laufen kann – aber das kommt ihnen natürlich nicht in den Sinn. Schließlich murmeln sie die Mär von der Notwendigkeit der 3. Startbahn wie ein Mantra vor sich her. Es nervt.

Denn die Fakten werden leider nicht mitgemurmelt. Erstens: Die Zahl der Flüge sinkt seit Jahren. Zweitens: Die Werte für 2015 sind bis jetzt auch nicht besser: ein Minus von 0,8 Prozent gegenüber 2014. War nicht das Gegenteil prognostiziert worden? Hätte Söder Mumm, dann würde er eine neue Prognose bestellen – die drittens berücksichtigen müsste, dass Fluggesellschaften immer größere Flugzeuge einsetzen. Das ermöglicht kontinuierlich ein Wachstum der Passagierzahlen. Ja, richtig gelesen: Der Flughafen wächst – auch ohne „dritte“. Es gäbe noch mehr: Klimaschutz? Lärmschutz? Das Plattmachen eines Dorfes – als „Absiedlung“ verniedlicht? All das spricht dagegen. Nun stellt Flughafen-Manager Michael Kerkloh ein Ultimatum: Er will die Startbahn jetzt – oder nie. Richtig wäre: Jetzt ein Nie. Eine Betonpiste ist ein zweifelhaftes Karriereziel. Lieber Herr Kerkloh, halten Sie’s mit Goethe: Man verliert nicht, wenn man entbehrt.

Dirk Walter

Rubriklistenbild: © dpa

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