Zeichen gegen Antisemitismus setzen

Merkel zur Pogromnacht: „Schande des 9. November“ - Politik und Kirche gedenken in Corona-Zeiten

  • Anna-Katharina Ahnefeld
    vonAnna-Katharina Ahnefeld
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Der 9. November ist der Jahrestag der Reichspogromnacht von 1938. Die Corona-Pandemie verändert auch das Gedenken der Opfer dieses dunklen Kapitels Deutschlands.

  • Am 9. November 1938 ereignete sich die Reichspogromnacht.
  • Alljährlich wird der schrecklichen Geschehnisse in Deutschland gedacht.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie wurden vielerorts öffentliche Gedenkveranstaltungen abgesagt.

Berlin - „Niemals vergessen“ postet die EU-Kommission auf Instagram, die SPD-Fraktion* zitiert den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht.“ Und die Jüdische Allgemeine schreibt: „Die aktuelle Coronavirus*-Krise darf nicht dazu führen, dass vergessen wird, wozu Menschenhass schon einmal in der Deutschen Geschichte geführt hat. Der 9. November ist einer wichtigsten Gedenktage. Vor 82 Jahren ereignete sich die „Reichspogromnacht“. Nationalsozialisten brannten Synagogen nieder, Geschäfte jüdischer Mitbürger wurden geplündert, hunderte Menschen ermordet. Diese Nacht gehört zu den dunkelsten in der Geschichte Deutschlands.

Auch in der Corona-Pandemie erinnert die Politik und die Kirche an die Opfer. Aufgrund des Infektionsgeschehens wurde an vielen Orten von öffentlichen Gedenkveranstaltungen abgesehen. Politiker riefen zum Einsatz für eine demokratische Gesellschaft auf. Bundeskanzlerin Angela Merkel* bezog sich auf die „Schande des 9. November 1938“ und erinnerte an die Pogrome: „an die Menschen, die in den Tod getrieben wurden, die brennenden Synagogen, die zerstörten Geschäfte.“ Deutschlands gedenke den Opfern des von Deutschland begangenen Menschheitsverbrechen, der Schoah in Scham, äußerte sich Merkel am Montag weiter.

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Gedenken der Opfer der Pogromnacht: Gleichgültigkeit als Entsetzlichstes für jüdische Überlebende

Im rbb-Inforadio sagte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, man müsse aus dem damaligen Versagen, der allgemeinen Gleichgültigkeit, für heute die richtigen Schlüsse ziehen. Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland meldete sich in den sozialen Medien zu Wort. „Es muss deutlich werden, dass Antisemitismus Sünde ist und allem widerspricht, wofür das Christentum steht“, schrieb er auf Facebook. Dabei betonte er, es sei essentiell ein Zeichen gegen den erneut aufkommenden Antisemitismus zu setzen.

Christoph Heubner, der Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees erklärte, dass die Erinnerung an die Gleichgültigkeit der meisten ihrer damaligen Nachbarn für jüdische Überlebende bis heute das Entsetzlichste sei, womit sie nicht fertig werden konnten. Das sei der wesentliche Punkt, weshalb sich das Komitee gegen antisemitischen Hass und mörderische Gewalt engagiere, so Heubner in Berlin. Auch Klein führte an, wie wichtig es sei, gegen antisemitische Geschehnisse vorzugehen und diese zu melden: „Denn nur so kann sich etwas ändern. Wir müssen das Problem sichtbar machen, um es auch als Gesellschaft zu überwinden.“

Name Internationales Auschwitz Komitee
Gründung1952 von Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau
SitzGeschäftsstelle in Berlin
PräsidentRoman Kent

Pogromnacht in Deutschland: Berliner OB Michael Müller verurteilt Antisemitismus entschieden

Für Berlins regierenden Oberbürgermeister Michael Müller von der SPD ist der Umgang mit der jüdischen Gemeinschaft ein Gradmesser für den Zustand des demokratischen Gemeinwesens in Deutschland. Die Verantwortung für die jüdische Gemeinde sei die Verantwortung „für unser demokratisches Gemeinwesen, für den Rechtsstaat und für unser aller Freiheit“.

Die Botschaft Müllers: Antisemitismus und neonazistischer Terror hätten in Deutschland keinen Platz. Antisemitische Ansichten, Propaganda, Hass und Gewalttaten müssten entschieden bekämpft werden. (aka mit dpa) *Merkur. de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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