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Astrazeneca: Als Corona-Impfstoff zweiter Klasse gebrandmarkt

Merkur-Kommentar

Astrazeneca als gebrandmarkter Impfstoff zweiter Klasse: Schuld ist die Kommunikation der Politik

  • Sebastian Horsch
    vonSebastian Horsch
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Weil die Politik schlecht kommunizierte, muss Astrazeneca um Vertrauen kämpfen. Verschmähter Impfstoff sollte unter Umständen freigegeben werden. Ein Kommentar.

München - Was für ein Schlamassel. Erst wurde Astrazeneca nur an Jüngere verimpft, nun gilt genau das Gegenteil. Dieses Hin und Her ist Gift für das Vertrauen, das ein Impfstoff in der Bevölkerung braucht. Da hilft auch der neue Name Vaxzevria nicht, den der Konzern ihm nun verpasst.

Natürlich muss geklärt werden, wo möglicherweise die Gefahren einer Impfung liegen. Die Überprüfung ist auch diesmal wieder richtig, und hätte im Idealfall sogar mehr Vertrauen schaffen können. Doch dieser Zug scheint abgefahren. Zu schwer wiegt der Schaden, der von Anfang an bei der Kommunikation angerichtet wurde. Schon als es darum ging, ob der Impfstoff für Ältere geeignet ist, wurde die psychologische Wirkung dieser Frage von der Politik unterschätzt.

Merkur-Redakteur Sebastian Horsch

Schlechte Kommunikation in der Corona-Pandemie - Astrazeneca gebrandmarkt

Die Öffentlichkeit wurde informiert, als handle es sich um das Fachpublikum, an das sich die zuständigen Behörden sonst richten. Dabei ging unter, dass es sich zunächst um eine vorläufige Entscheidung aufgrund fehlender Daten handelte, nicht um einen konkreten Mangel. Astrazeneca war von da an als Impfstoff zweiter Klasse gebrandmarkt. Dass auch diesmal Fragen offen bleiben, zementiert diesen Eindruck, selbst wenn er möglicherweise falsch ist.

Zeigt sich nun tatsächlich, dass viele Impftermine mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca kurzfristig abgesagt werden, muss die Politik reagieren. Wo es medizinisch verantwortbar ist, sollte verschmähter Impfstoff dann für die freigegeben werden, die ihn wollen, aber noch nicht dran sind. Denn davon dürfte es noch immer nicht zu wenige geben.

Ein Kommentar von Merkur-Redakteur Sebastian Horsch

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