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Bayerns falsche Corona-Zahlen kosten Vertrauen

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Von: Georg Anastasiadis

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Markus Söder hantierte mit falschen Corona-Zahlen. Das ist peinlich, findet Merkur Chefredakteur Georg Anastasiadis.
Markus Söder hantierte mit falschen Corona-Zahlen. Merkur Chefredakteur Georg Anastasiadis kommentiert Bayerns krumme Corona-Statistik. © Sven Hoppe/dpa//Marcus Schlaf

Bei der Berechnung der Sieben-Tage-Inzidenzzahlen verzerrte das Bayerische Landesamt für Gesundheit die Zahlen. Peinlich ist das für Bayerns Ministerpräsident Söder. Ein Kommentar von Georg Anastasiadis.

Wer sich impfen lässt, verringert für sich die Gefahr, im Fall einer Coronainfektion auf der Intensivstation zu landen, und entlastet so unser gemeinsames Gesundheitssystem. Dieser Wirkzusammenhang ist eindeutig belegt. So eindeutig, dass Politik und Behörden es nicht nötig haben sollten, mit unsauberen Zahlen zu hantieren. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat dennoch genau das getan: Es hat in seiner Inzidenz-Statistik alle Coronainfektionen mit zunächst unklarem Impfstatus, immerhin zwei Drittel aller Fälle, der Gruppe der „Ungeimpften“ zugeordnet. Das Ergebnis: Die Sieben-Tage-Inzidenz der Geimpften wurde tendenziell zu niedrig, die der Ungeimpften zu hoch ausgewiesen.

Bayerns falsche Corona-Zahlen: Der Schaden für die Impfkampagne ist schon da

Mag ja sein, dass die Ungeimpften-Inzidenz so oder so ein Vielfaches der Geimpften-Inzidenz beträgt, wie die Gesundheitsbehörde nun beteuert. Aber warum bediente sich das LGL dubioser statistischer Methoden? Warum warnte niemand Ministerpräsident Markus Söder, der die falschen Zahlen öffentlich verwendete? Wie kann es überhaupt sein, dass Deutschland nach zwei Jahren Corona immer noch mit riesigen Datenlücken durch die Pandemie stolpert? Das muss nun aufgeklärt, der Saustall ausgemistet werden.

Der Schaden für die Impfkampagne aber ist schon da. Querdenker werden sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, weiter an ihrem Mythos von der Impfverschwörung zu stricken und Schwankende zu verunsichern. Jeder Vertrauensverlust ist gefährlich, vor allem vor dem Hintergrund der anrollenden hitzigen Debatte um eine Impfpflicht. Der Fehler reiht sich nahtlos ein in eine schwarze Serie politischer Pannen, angefangen beim zu späten Beginn der Booster-Impfungen bis hin zu dem Umstand, dass vielfach schon wieder das Biontech-Vakzin fehlt.

Doch bei allem verständlichen Ärger vieler Bürger: Ein Blick in die Kliniken, wo Ärzte und Pfleger bis zur völligen Erschöpfung um das Leben von Menschen kämpfen, zeigt, was gerade auf dem Spiel steht. (Georg Anastasiadis)

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